Im Halbfinale bekam Triathlet Simon Henseleit im Wasser im Gedränge einen Schlag, sodass die Schwimmbrille kaputt ging.
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Materialschaden: Im Halbfinale bekam Simon Henseleit im Wasser im Gedränge einen Schlag, sodass die Schwimmbrille kaputt ging.

TRIATHLON

Simon Henseleit besteht im Glutofen von „Tiszy“

  • Paul Hopp
    VonPaul Hopp
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Der Name ist ein wahrer Zungenbrecher: Tiszaújváros heißt die kleine Ortschaft in Ungarn, die seit Jahren Gastgeber für Triathlon-Wettkämpfe auf der Kurzdistanz ist. Simon Henseleit hat dort Besonderes geschafft.

Tiszaújváros – Der Name ist ein wahrer Zungenbrecher: Tiszaújváros heißt die kleine Ortschaft in Ungarn, die seit Jahren Gastgeber für Triathlon-Wettkämpfe auf der Kurzdistanz ist. In der Szene ist das Event vor allem aufgrund seiner besonderen Atmosphäre ein Highlight. Simon Henseleit dürfte Tiszaújváros (von den Athleten kurz „Tiszy“ genannt) in der Beliebtheitsskala nun auch ganz weit oben einsortiert haben.

Nachdem er dort 2019 einen Junioren-Europacup gewonnen hatte, war der Steingadener heuer gleich doppelt erfolgreich: Zum einen glänzte er als Sechster im Europacup-Wettbewerb der Elite-Klasse, zum anderen sicherte er sich das Ticket für die U23-Weltmeisterschaft (Mitte August in Kanada). „Ich bin enorm happy über den Ausgang des Rennens. Die Form ist definitiv da“, sagte der DTU-Kaderathlet.

Temperaturen bis weit über 30 Grad

Henseleit erwies sich in Ungarn als hitzeresistent. Als er und seine Kollegen ankamen, herrschten schwüle 30 Grad Celsius. An den beiden Wettkampftagen stiegen die Temperaturen auf bis zu 34 Grad Celsius. „Vermutlich die heißesten Bedingungen, unter denen ich je ein Rennen absolviert habe“, vermeldete Henseleit auf „Instagram“. Gemäß dem Wettkampfformat stand am ersten Tag ein Halbfinale an. In drei Heats mit je 30 Teilnehmern qualifizierten sich jeweils die neun Bestplatzierten sowie drei Zeitschnellsten fürs Finale. Die Distanzen (750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, 5 Kilometer Laufen) waren immer gleich, die Kurssetzungen für Rad und Laufen unterschieden sich im Semifinale und Finale.

Im Semifinale überzeugte Simon Henseleit (53:18 Minuten) als Vierter des ersten Heats. Durch einen Ellenbogenschlag eines Konkurrenten ging nach etwa 30 Metern im Wasser die Schwimmbrille kaputt, doch davon ließ sich Henseleit nicht beirren. Er schaffte es, nach dem ersten Wechsel in eine acht Athleten umfassende Spitzengruppe zu kommen, die auf dem Rad effektiv zusammenarbeitete. „Ich fühlte mich auch richtig gut, übernahm immer etwas längere Anteile in der Führung und organisierte die Gruppe zusammen mit einem Athleten von den Bermudas“, berichtete der Steingadener. Mit 50 Sekunden Vorsprung auf die Verfolger stiegen Henseleit und seine Mitstreiter vom Rad. „Ich konnte kontrolliert und ohne große Anstrengung das Rennen zu Ende laufen.“ Angesichts der Hitze „war ich froh über die vielen Wasserstationen auf der Laufstrecke“.

Im Finale am Sonntag kämpfte Henseleit nicht nur um ein möglichst gutes Ergebnis, sondern auch – gegen Chris Ziehmer und Eric Diener – um das letzte offene deutsche WM-Ticket für die U23-Titelkämpfe. „Direkt vor dem Rennen war ich auch ziemlich angespannt“, räumte Henseleit ein. Das hatte auch damit zu tun, dass aufgrund des kurzen Wegs zur ersten Boje der Start vom Steg eine enorme Bedeutung hatte.

Stark auf dem Rad: Sowohl im Semifinale als auch im Finale tat Simon Henseleit (Zweiter von links) viel für die Führungsarbeit in der jeweiligen Gruppe.

Im Vergleich zum Vortag kam Henseleit nicht gut weg. An der ersten Boje befand er sich zwar noch im vorderen Drittel des Teilnehmerfeldes, doch „an der zweiten Boje wurde ich einmal so stark nach unten gedrückt, dass ich eine gefühlte Ewigkeit unter Wasser war und nur mit einem Brustzug wieder nach oben kam“. Der Steingadener verlor einige Positionen. Er beschloss danach, nicht mehr zu viel zu investieren. Als einer der Letzten, aber noch mit Kontakt zur großen Gruppe stieg er aus dem Wasser.

Simon Henseleit leistet viel Führungsarbeit

Nach einer kurzen Aufholjagd auf dem Rad befand sich Henseleit im Kreise aller Siegaspiranten, nur zwei Athleten waren gute 15 Sekunden voraus. Drei Runden hielt sich der Steingadener zurück „und testete aus, wie schnell man die Kurven und Kreisverkehre durchfahren konnte“. Dann schaltete er sich in die Führungsarbeit ein und sorgte für ordentlich Tempo. Der Abstand zum Spitzenduo verringerte sich, mit einem Antritt aus einer Kurve heraus schloss Henseleit zu Beginn der Schlussrunde zu den zwei Führenden auf. „Es kostete zwar schon einige Körner, aber mir waren es die paar Sekunden Vorsprung wert“, so seine Analyse. Als Erster ging er auf die Laufstrecke.

Die abschließenden fünf Kilometer waren für alle Beteiligten angesichts der Hitze eine Plackerei. In der dritten von vier Runden „hatte ich ein kurzes Tief“. Henseleit fiel vom fünften auf den achten Rang zurück. Im Finish mobilisierte er alle Kräfte und überholte zwei Konkurrenten. Als Sechster und bester Deutscher lief er nach 54:20 Minuten ins Ziel.

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