Triathlet Simon Henseleit bei einem Trainingslauf.
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Immer im Training: Triathlet Simon Henseleit aus Steingaden möchte sich für Weltcup-Einsätze empfehlen.

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Triathlet Simon Henseleit und sein Traum vom Weltcup-Einsatz

  • Paul Hopp
    vonPaul Hopp
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Triathlet Simon Henseleit gehört bei den Junioren zu den besten seiner Zunft in Deutschland. Seinen Weg möchte der Steingadener konsequent fortsetzen. Dafür arbeitet er hart und kümmert sich auch um (Schuh-)Details.

Steingaden/Nürnberg – Generell – obacht Vorurteil! – stehen eher Frauen im Verdacht, sich über die Maßen für Schuhe begeistern zu können. Doch auch Simon Henseleit ist nicht ganz frei davon. Sein neuestes Paar präsentierte er stolz auf seinem „Instagram“-Account. Allerdings muss hinzugefügt werden, dass es sich in seinem Fall nicht um ein beliebiges Freizeit-Accessoire, sondern um ein Arbeitsgerät handelt.

Henseleit (21) ist einer der besten deutschen Nachwuchs-Triathleten – und die neon-grün und neon-gelb leuchtenden Treter zählen zur neuesten Generation von Laufschuhen. Mit ihnen will der Steingadener, der dem Perspektivkader der Deutschen Triathlon-Union (umfasst vier Frauen und fünf Männer) angehört, einen weiteren Schritt nach vorn machen. Das vorrangige Ziel sind Teilnahmen an Weltcup-Wettbewerben (Sprint/Olympische Distanz) der Eliteklasse. Über allem steht der Traum, bei Olympia dabei zu sein.

Auch auf das richtige Schuhwerk kommt es an: Triathlet Simon Henseleit mit einem Paar neuer Laufschuhe.

Das Laufen sei die Disziplin, in der er noch „am meisten arbeiten“ müsse, sagt der Sportsoldat vom „Tri-Team Schongau“. Im Wasser könne er schon im vorderen Bereich, auf dem Rad gar bei den Besten mitmischen, sagt Henseleit. Letztlich aber „fällt die Entscheidung über die Platzierungen beim Laufen“, sagt der Kaderathlet. Und da es im Hochleistungssport auf Details ankommt, spielen eben auch Laufschuhe eine Rolle. Von den neuen Modellen inklusive Carbonplatten, die er über einen Sponsor bekommen hat, ist Henseleit angetan: „Man merkt: Die erzeugen Vortrieb.“

Für die Leistung sorgte aber letztlich der Athlet selbst. Was die Teildisziplin „Laufen“ betrifft, so ist Henseleit derzeit zufrieden. Er konnte zuletzt die Trainingsumfänge erhöhen – pro Woche kommt der Triathlet auf rund 60 Kilometer. Insgesamt seien er und seine Mitstreiter am Bundesstützpunkt in Nürnberg in einer „glücklichen Position“, wie er sagt. Zumindest an den Wochentagen besteht auch die Möglichkeit, das Schwimmbad zu nutzen. Innerhalb ihrer „Blase“ haben die rund zehn Athleten die Erlaubnis, zusammen zu trainieren. Gleichwohl achten Henseleit und die anderen darauf, ihre Kontakte zu minimieren. „Wir halten uns auch privat an die Bestimmungen“, betont der 21-Jährige, der in Nürnberg zusammen mit seiner Freundin wohnt. Bis dato gab es in der Trainingsgemeinschaft noch keinen Coronafall.

Training nicht in Thailand, sondern in winterlichen Gefilden

Insgesamt laufe das Training „ziemlich gut“, berichtet der Steingadener, der auch eine Hoffnung für die European Games 2022 ist. Eine Reise ins Trainingslager nach Thailand – so wie im vergangenen Winter – ist in Coronazeiten freilich nicht möglich. Schuften „dahoam“ ist also angesagt: Jeden Tag absolviert er zwei bis drei Einheiten. Witterungsbedingt fanden die Programme auf dem Rad meist drinnen statt. Wie mittlerweile bei Topathleten üblich, nutzt Henseleit keine klassische „Rolle“ mehr, sondern die Plattform „Zwift“. Sein Bike ist an einem interaktiven Gerät angebracht, mit dem Steigungen simuliert werden können. Über eine App kann Henseleit ein Workout-Programm zusammenstellen und sogar gegen andere Topsportler antreten, falls diese auch gerade online sind. In seinen Einheiten geht es mal nach New York oder mal nach „Watopia“, wie er schmunzelnd erzählt. Was spult er derzeit da so ab? Unter anderem 7 x 7 Minuten mit 360 Watt bei einer niedrigen Trittfrequenz von 60 Umdrehungen pro Minute. Oder auch Fünf-Minuten-Intervalle mit 400 Watt. „Es sind nicht die spaßigsten Einheiten“, sagt Henseleit. Das ganze Training ist derzeit darauf ausgelegt, „physiologische Größen auszubauen“. Unter anderem soll der Körper dazu gebracht werden, möglichst viel Sauerstoff aufnehmen zu können.

Mehr als nur ein Farbtupfer: Simon Henseleit hat unlängst neue Laufschuhe bekommen, von denen er sich für die anstehenden Rennen viel verspricht.

Auch wenn noch nicht klar ist, wo in diesem Jahr welche Wettkämpfe stattfinden können, „trainieren wir nicht ziellos“, sagt Henseleit. Sicher ist, dass Rennen stattfinden werden. Ein Höhepunkt sollen Anfang Juni die „Finals 2021“ in Berlin und der Metropolregion Rhein-Ruhr werden. Dort werden in verschiedenen Sportarten (unter anderem Triathlon, Leichtathletik, Tischtennis, Turnen) jeweils deutsche Meisterschaften ausgetragen. In seiner Disziplin will Henseleit ganz vorn mitmischen.

Nachdem 2020 die meisten Wettkämpfe wegen Corona abgesagt wurden, ist er immer noch – nach seinem Triumph 2019 – amtierender deutscher Juniorenmeister. Bei der Junioren-EM 2019 gewann er in der Mixed-Staffel unter anderem mit seiner Schwester Franca (18) die Goldmedaille. Im einzigen Bundesliga-Rennen des Jahres 2020 wurde Henseleit mit dem „hep Team Neckarsulm“ Dritter. In seinem Heat waren nur zwei Athleten besser. Das Ziel heuer ist nicht zuletzt, in Europacup-Rennen genügend Punkte zu sammeln, um sich für Weltcup-Einsätze zu empfehlen. Eine große Herausforderung, der er aber optimistisch entgegen tritt. Eine Rolle spielt dabei auch die derzeitige Form im Training: „Ich merke, dass was vorwärts geht.“

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