Nach dem Schwimmen ging es auch mal im Krabbeln weiter. 
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Nach dem Schwimmen ging es auch mal im Krabbeln weiter. 
Mit Vollgas holte sich Simon Henseleit den Sieg im Junioren-Rennen. 
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Mit Vollgas holte sich Simon Henseleit den Sieg im Junioren-Rennen. 

Bei Super-League auf Jersey

Simon Henseleit mischt Welt-Elite auf und überrascht sich selbst

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Simon Henseleit hat das Junioren-Rennen der Triathlon-Super-League auf Jersey gewonnen. Nach seinem Sieg stand er „unverhofft“ bei der Elite am Start – neben seinen Idolen, die er sonst nur aus dem Fernsehen kennt.

Jersey/Steingaden – „Was bedeutet das, was steht jetzt an“, fragte sich Simon Henseleit. Der Triathlet aus Steingaden war gerade bei der Super League auf der Kanalinsel Jersey ins Ziel gelaufen, als ihm der Renndirektor zum Finaleinzug gratulierte – beim Elite-Rennen wohlgemerkt. „Das kam unverhofft“, sagte Henseleit im Gespräch mit der Heimatzeitung. Denn ursprünglich war er bei dem Event nur im Junioren-Wettbewerb am Start gewesen.

Seinen Beginn nahm Henseleits unvergessliches Wochenende am Samstagmorgen mit dem Beginn des Junioren-Rennens. Die Besonderheit bei der Super League auf Jersey ist der Modus: Es wird zwei Mal ohne Pause geschwommen (300 Meter pro Runde), Rad gefahren (3 Kilometer) und gelaufen (800 Meter). Aufgrund der widrigen Wetterbedingungen wurde das zweite Schwimmen weggelassen. Somit ging es von der Laufstrecke direkt wieder aufs Fahrrad. „Ich habe mich richtig gut gefühlt“, erzählte der 19-Jährige.

Der Steingadener läuft zwischen seinen Vorbildern

Als er in der ersten Radrunde vorn mit dabei war, beschloss der Steingadener, „Vollgas zu fahren“. Auf dem technisch anspruchsvollen Radkurs mit drei Wendepunkten und mehreren 90-Grad-Kurven setzte sich Henseleit ab. Als Erster ging er auf die Laufstrecke und verteidigte seine Führung. In der zweiten Runde auf dem Fahrrad schaffte es der Steingadener, seinen Vorsprung weiter auszubauen. Beim abschließenden Lauf ließ er sich den Sieg nicht mehr nehmen. Nach 26:13 Minuten kam er mit sechs Sekunden Vorsprung auf den Franzosen Guillaume Hay als Erster ins Ziel.

Zur Belohnung durfte er am Nachmittag beim Halbfinale des Elite-Rennens an den Start gehen. „Das war richtig cool“, sagte Henseleit. Vor dem Rennen bereitete er sich gemeinsam mit seinen Idolen vor, die er bisher nur aus dem Fernsehen kannte. „Fast die komplette Triathlon-Weltspitze war vertreten“, berichtete er. Aus jedem Halbfinale qualifizierten sich die ersten Fünf für das Finale. Dazu kamen die fünf Schnellsten aus beiden Rennen. Henseleit startete im Semifinale B.

Simon Henseleit will sich gut verkaufen

Beim Elite-Rennen musste eine etwas längere Distanz absolviert werden. Die Schwimmstrecke blieb bei 300 Metern, die Radstrecke wurde um einen Kilometer länger und die Laufrunde musste zweimal zurückgelegt werden. Die Laufstrecke betrug also 1,6 Kilometer. Für Henseleit galt es, sich zwischen beiden Starts „gut zu erholen“. Da der Wettkampf in manchen Ländern im Fernsehen und außerdem im Livestream übertragen wurde, wollte der Triathlet die Möglichkeit nutzen, sich gut zu verkaufen. Als Junior im Elite-Rennen war er gut zu erkennen, da er als einziger einen weißen Rennanzug trug (die anderen Starter waren gelb gekleidet).

Nach dem ersten Schwimmen lag der 19-Jährige im Mittelfeld der 13 Starter. Danach ging es aufs Fahrrad. „So hart und konstant bin ich noch nie gefahren“, sagte er. Er ermahnte sich, die Ruhe zu bewahren und auf die Technik zu achten. Sein Ziel war es, möglichst lang im Rennen zu bleiben. Denn Athleten, die während des Rennens über eine Minute hinter dem Führenden lagen, schieden aus. Als Sechster ging er auf die erste Laufrunde.

Beim Laufen musste Henseleit ein paar Konkurrenten ziehen lassen. „Da bin ich noch nicht so weit“, sagte er. Dann ging es wieder ins Wasser. Zum ersten Mal sei er bei einem Wettkampf nach dem Laufen direkt wieder ins Wasser gesprungen, berichtet der Steingadener. Kurz blieb ihm die Luft weg, die Beine schmerzten. Dann fing er sich wieder. „Ich kann nur gewinnen“, dachte er sich und freute sich bei jedem Überholmanöver: „Da lässt du einen richtig guten Triathleten hinter dir.“

Da waren nur noch zehn Teilnehmer im Wettkampf. Auf der Radstrecke spielte der 19-Jährige seine Stärken aus und schob sich auf Platz vier nach vorn. Beim abschließenden Lauf fiel er wieder zurück, setzte sich im Zielsprint aber gegen den Kanadier Aiden Longcroft-Harris durch und kam nach 36:36 Minuten als Neunter ins Ziel. Damit war er nur zehn Sekunden langsamer als der beste Deutsche, Jonas Schomburg. Über die Zeit Zeit qualifizierte sich Henseleit gerade noch so für das Finale. In Absprache mit seinem Trainer verzichtete er aber auf einen Start. Die Belastung sei insgesamt sehr hoch gewesen und er wolle kein Risiko eingehen.

Henseleit bewirbt sich für höhere Aufgabe

Durch sein beherztes Auftreten erhielt Henseleit nicht nur zahlreiche Glückwünsche seiner Kontrahenten, sondern rückte auch in den Fokus der Veranstalter der Super League, die darüber nachdenken, ihm für das nächste Rennen am Samstag, 19. Oktober, auf Malta eine Wildcard für die Elite auszustellen. Zuvor ist der 19-Jährige beim Europacup in Alanya (Türkei) am Start. Dort wollte er ursprünglich das erste Mal bei den Erwachsenen antreten.

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