Risiko und keine gröberen Fehler: Simon Jocher gelingt eine richtig gute Fahrt in Bormio.
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Risiko und keine gröberen Fehler: Simon Jocher gelingt eine richtig gute Fahrt in Bormio.

SKI ALPIN

Simon Jocher im Super-G 15. - Schongauer feiert in Bormio sein bestes Weltcup-Ergebnis

Es ist aus deutscher Sicht die große Überraschung. Simon Jocher landet im Super-G von Bormio auf Platz 15.

Schongau/Bormio – Manchmal geht’s ganz schnell und dann steht man im Mittelpunkt. So wie Simon Jocher nach seinem 15. Platz im gestrigen Weltcup-Super-G in Bormio (Italien). Zeit, den neuen Trubel zu genießen, bleibt ihm allerdings kaum. Denn schon heute (11.30 Uhr) wartet in Bormio eine der schwersten Abfahrten der Saison.

Im Ziel dauerte es einen Moment, bis Jocher realisierte, was ihm da gelungen war. Er schwang ab, blickte zur Zeittafel, hob langsam den Arm. Und erst als im Fernseher schon die Zeitlupe seines hervorragenden Laufes lief, war sein Jubelschrei zu hören. „Es ist mega cool, einfach nur der Wahnsinn“, lautete ein paar Stunden später seine immer noch leicht atemlose Analyse. Atemlos, da ihm seit seinem Abschwingen im Ziel irgendwie die Zeit „zum Durchschnaufen“ gefehlt habe. „Ich wurde direkt zu Interviews und Fotos geholt, das bin ich gar nicht gewohnt“, sagt der bescheidene Schongauer. Auch das Handy stehe nicht mehr still, und seinen Instagram-Account habe er noch gar nicht geöffnet.

Seit dem Sommertraining und seinem Sieg im Super-G bei den US-Meisterschaften Ende November wusste Jocher, dass er schnell sein kann. Damals im Copper Mountain (Colorado) verwies er seinen Teamkollegen Romed Baumann und den gestrigen Sieger Ryan Cochran-Siegle (USA) auf die Plätze. In Bormio stand er den beiden in wenig nach. Vor allem im Teilabschnitt zwei, in dem Cochran-Siegle der Konkurrenz auf und davon fuhr, erwischte auch der 24-Jährige eine lupenreine Fahrt und fuhr die fünftbeste Zeit. Damit hatte er sich von Rang 36 auf Rang 19 vorgearbeitet und mischte mit unter den Top 20. Im unteren Streckenabschnitt fuhr Jocher dann blitzsauber auf Platz 15.

Teamkollegen geben Hinweise

Das bedeutet die halbe WM-Quali, und außer Romed Baumann (7. Platz) war keiner aus dem deutschen Team schneller als der Athlet vom SC Garmisch. Die arrivierten Teamkollegen Andreas Sander und Josef Ferstl, die nur auf Rang 20 und 21. kamen, applaudierten ihm im Ziel herzlich. „Wir sind ein super Team“, sagt Jocher. „Da freut sich wirklich jeder für jeden.“ Ebenso wie jeder dem anderen die besten Tipps von der Strecke weitergibt. „Ich profitiere momentan auch von meiner Startnummer knapp hinter den Top 30“, sagt der Sportsoldat. „Romed (Startnummer 27) hatte mir nach seiner Fahrt raufgefunkt, dass ich Gas geben kann und die Ski laufen lassen soll.“ Und das habe er dann gemacht. Denn neben Fehlern, die beim hohen Risiko, das die Fahrer eingehen, im Super-G gern mal passieren, koste Jocher auch noch oft das Fehlen des nötigen Risikos Zeit. „Ich bin einfach noch neu im Weltcup und fahre auch noch gar nicht so lange Speed“, erklärt der 24-Jährige, der bis 2017 noch als Techniker galt. „Deswegen mache ich manchmal zu viele Kurven oder lass den Ski nicht früh genug laufen.“

Im Super-G von Bormio war das anders. Mit so einer Fahrt kann sich der Schongauer offenbar locker zu den Besten im Skizirkus zählen. Übermütig wird er dennoch nicht. Nach einem kurzen Durchschnaufen am Nachmittag ging das normale Programm weiter. Regeneration und Aktivierung am Ergometer, Physiotherapie, Sitzung, Abendessen, Sachen packen.

Denn die heutige Abfahrt ist eine der härtesten im ganzen Winter, wie Jocher weiß. „Die Piste war zwar im Training tipptopp, aber aufgrund des Neuschnees und der Super-G-Spuren rechne ich schon mit einem unruhigen Rennen.“ Deswegen sollte man als Speedfahrer auch nie überschwänglich werden, sondern muss voll konzentriert sein. KATHRIN EBENHOCH

Filser scheidet in aussichtsreicher Position aus

Wütend warf Andrea Filser ihren Skistock zu Boden und setzte eine finstere Miene auf. So gut war ihre Ausgangssituation und umso ärgerlicher ihr Ausscheiden. Beim Slalom der alpinen Skifahrerinnen im österreichischen Semmering am gestrigen Dienstag lag die Wildsteigerin nach dem ersten Durchgang auf Platz 15, 2,22 Sekunden hinter der Führenden Mikaela Shiffrin. Clever war Filser ins Flachstück gefahren und ballte im Ziel raum jubelnd die Hand zur Faust. Ganz anders war die Gefühlslage der 27-Jährigen drei Stunden später. In der ersten Hälfte des zweiten Durchgangs fädelte sie ein und schied aus. Der Sieg ging an Michelle Gisin (Schweiz).

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