Ski-Rennläufer Simon Jocher aus Schongau beim Super-G in Bormio.
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Vorläufiger Höhepunkt einer noch jungen Karriere: Simon Jocher aus Schongau holte beim Super-G in Bormio kurz vor Silvester mit einem 15. Platz seine ersten Weltcup-Punkte. Tags darauf kamen mit dem 26. Rang bei der Abfahrt weitere Zähler hinzu.

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Simon Jocher und seine „Vorbereitung dahoam“

  • vonMarco Blanco-Ucles
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In der nächsten Zeit stehen bei den Skirennläufern diverse Weltcup-Klassiker auf dem Programm. In der Vorbereitung darauf war Simon Jocher auf der heimischen Kandahar in Aktion.

Schongau/Garmisch-Partenkirchen – Skiliebhaber kommen im aktuellen Lockdown-Winter nicht auf ihre Kosten. Im Gegenteil: Nix geht. Die Lifte im Freistaat stehen still. Für alle. Besser gesagt: für fast alle. Spitzenathleten der Damen- und Herrenmannschaft des DSV trainierten jedenfalls bis vergangenen Sonntag noch auf der Kandahar. Sie für den SC Garmisch startende Peitingerin Nadine Kapfer verpasste das Training vor der eigenen Haustüre. Die 20-Jährige trat stattdessen bei zwei Super G-Rennen in Zinal (Schweiz) an, landete dort auf den Rängen 29 und 41. Klubkollege Simon Jocher aus Schongau hielt derweil die Werdenfelser Fahne bei den Übungsfahrten auf der Kandahar hoch. Der 24-Jährige feierte jüngst in Bormio (Italien) mit Rang 15 im Super-G seine bis dato beste Weltcup-Platzierung (wir berichteten).

Simon Jocher trainiert auf der Kandahar

Die Vorbereitung für die Heim-Wettbewerbe Anfang Februar läuft auf Hochtouren. Doch die Wettkämpfe auf der Kandahar sind bei Weitem nicht die einzigen Highlights, die in den nächsten Wochen auf Jocher und seine Teamkameraden beim DSV zukommen. Zuvor hätten die Abfahrer eigentlich Station in Wengen gemacht, doch die beiden für kommenden Freitag und Samstag vorgesehenen Abfahrten am Lauberhorn sowie der Slalom am Sonntag wurden abgesagt. In Wengen waren zuletzt vermehrt Infektionen mit dem Coronavirus festgestellt worden. Diese Rennen werden nun ebenfalls in Kitzbühel ausgetragen.

Das absolute Highlight des Winters folgt drei Tage nach den Rennen von Garmisch-Partenkirchen: die alpine Ski-WM in Cortina d’Ampezzo (Italien). Angesichts des knackigen Programms in den nächsten Wochen kamen die Trainingsfahrten für die DSV-Fahrer gerade zur rechten Zeit. „Es ist eine Seltenheit. Natürlich macht es besonders viel Spaß, zuhause trainieren zu können“, betonte Jocher. Durch die Übungsfahrten erhofft sich der Schongauer einen Vorteil für den Ernstfall Anfang Februar, wenn es um wichtige Punkte im Weltcup geht. „Natürlich bekommt man dadurch ein besseres Gefühl, man kennt die Strecke.“ Und das ist auch bitter nötig aus Jochers Sicht. „Die Kandahar wird immer ein bisschen unterschätzt. Sie ist, ähnlich wie die Streif in Kitzbühel, eine extrem schwierige Abfahrt.“

Simon Jocher bleibt in der „Corona-Blase“

So nah dran an Zuhause – und doch so weit weg. Auf den Genuss, im eigenen Bett schlafen zu dürfen, musste Jocher auch während der Trainingstage vor seiner Haustüre verzichten. Die Corona-Blase verließ er nicht. Wie seine Kollegen schlief auch er im „Riessersee Hotel“. Das störte den 24-Jährigen allerdings nicht wirklich. „Das Heimatgefühl ist trotzdem da.“

Das dürfte auch Markus Anwander, Leiter am Olympiastützpunkt in Garmisch-Partenkirchen, bei den Fahrten der Athleten verspüren. Dass in diesem von Corona geplagten Winter überhaupt trainiert werden kann, ist für ihn bereits ein Erfolg: „Ich möchte mich nochmals ausdrücklich bei der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB) bedanken, dass alles so reibungslos funktioniert hat.“ Jeden Morgen um 7.30 Uhr wurde der Tross mit der Kreuzeckbahn nach oben befördert, der Betrieb eigens für die Speed-Elite eröffnet.

Als hartes Stück Arbeit entpuppte sich die Präparierung der Piste für die BZB. Doch nicht etwa ausbleibender Schneefall war der Grund, der weiße Untergrund war in ausreichenden Mengen vorhanden. Vielmehr störten rücksichtslose Tourengeher mehrfach die Vorbereitung. Schließlich sperrte die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen den betroffenen Hangabschnitt für die Dauer des DSV-Trainings. Um die Sicherheit aller zu gewährleisten, waren neben den Fangzäunen und Warnschildern – die oftmals kein Hindernis für Schaulustige darstellen – auch einige DSV-Trainer an verschiedenen Stellen der Strecke positioniert. Und das System habe funktioniert, wie Anwander betont: „Bis auf ein paar kleinere Diskussionen waren die Menschen einsichtig und haben eine andere Route eingeschlagen.“ Die Athleten konnten ungestört an den Feinheiten während ihrer Fahrt tüfteln. Ihr Reha-Programm an den Nachmittagen absolvieren sie im Winterstützpunkt Garmisch-Partenkirchen. Läufe zur Regeneration konnten unweit des Hotels am Riessersee gemacht werden.

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