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„Du darfst nicht an das Risiko denken“: Nicht nur beim Aufwärmprogramm auf dem Söldener Gletscher ist Simon Jocher voll fokussiert.
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Simon Jocher will es in den Ski-Weltcup schaffen

Ski alpin

Simon Jochers Weg in den Ski-Weltcup

Wenn es steil und eisig wird, man es selbst vor dem TV mit der Angst zu tun bekommt – dann hat ein 23-jähriger Schongauer erst „so richtig Spaß“: Simon Jocher ist einer dieser „völlig verrückten“ Wintersportler – er ist Abfahrer im Europacup-Team des Deutschen Skiverbandes.

Schongau – Am 30. November blickte die halbe Ski-Welt einmal mehr auf ein kleines Örtchen in den kanadischen Rocky Mountains. Auf Lake Louise, das auch in diesem Jahr wieder zum Schauplatz wurde: für das erste Kräftemessen der schnellsten Herren des Winters – für das erste Abfahrtsrennen der noch jungen Skiweltcup-Saison.

Ski alpin: Simon Jocher steht kurz vor dem Sprung in den weltcup

Auch Simon Jocher saß wieder vor seinem Fernseher – und konnte nur schwer still halten. Er ist schließlich selbst einer dieser „Rennfahrer des Winters“: ein Abfahrer, der kurz vor dem Sprung in den alpinen Ski-Weltcup steht.

Dabei hat alles so beschaulich begonnen: in der Pflughaltung, zwischen den Beinen der Mama. „Zwei oder zweineinhalb“ muss er da gewesen sein, schätzt Jocher. Damals, als Bruder und Schwester schon richtig gut Ski fuhren – und der kleine Simon immer neben der Piste stand. Da sei sie aufgekommen, die Liebe zum Skifahren. Bis heute hat sie gehalten – und den 23-Jährigen schon an so einige „Fleckerl“ der Erde verschlagen.

Ski alpin: Gemeinsame Trainingstage mit Thomas Dreßen und Josef Ferstl

Nach Chile beispielsweise, wo Jocher vergangenen Sommer die Saisonvorbereitung absolviert hat. An der Seite der zurzeit wohl stärksten deutschen Speed-Skifahrer: Thomas Dreßen und Josef Ferstl. Eine „coole Sache“ sei das gewesen, viel hätte der Schongauer aus den gemeinsamen Trainingstagen mit den DSV-Assen mitnehmen können. Für eine neue Saison, in der Jocher endlich „oben“, im Weltcup, ankommen möchte.

Ski alpin: Verletzung verhinderte Jochers Einsatz beim Weltcup in Garmisch-Partenkirchen

Vergangenen Winter wäre ihm das bereits beinahe gelungen. Beim Abfahrtsrennen von Garmisch-Partenkirchen sollte Jocher auf der Startliste stehen – wäre da nicht eine „komplizierte Handverletzung“ gewesen, die ihn ausbremste. „Das war schon blöd“, sagt Jocher. Bis heute „zwickt’s“ mal hier, mal da, wenn sich der Sportsoldat wieder die Skier anschnallt. Dann heißt es oftmals „Zähne zusammenbeißen“. Aber auch das gehört irgendwie dazu. Zum Business eines Thomas Dreßen oder Josef Ferstl – zu dem eines waschechten Abfahrers.

„Hart“ ist das manchmal, weiß Jocher. „Man muss da reinwachsen.“ In den Geschwindigkeitsrausch, den 40 Meter-Sprung – und den Skifahrer-Alltag. „Den muss man schon mögen.“ Täglich wird mehrmals trainiert: mal auf Schnee, mal im Kraftraum. Dazu kommen noch die weiten Reisen: einmal nach Chile und wieder zurück – von dort aus weiter nach Schweden.

Ski alpin: Simon Jocher lebt aus dem Koffer

Simon Jocher will es in den Ski-Weltcup schaffen

Da bleibt so manches auf der Strecke. Das „Furtgehen“ zum Beispiel. Oder ein festes Zuhause. „Ich wohne mehr aus der Tasche raus“, berichtet Jocher lachend. Das mache ihm aber nichts aus. Und alleine ist man als Skifahrer sowieso nicht. So habe Jocher zuletzt sehr viel Zeit mit dem Weltcup-Routinier Andreas Sander (121 Rennen) und Trainingspartner Christof Brandner verbracht. „Das Team ist echt cool.“

Auch wenn das Umfeld stimmt – als Nachwuchsfahrer im Zirkus der weltbesten Skifahrer Fuß zu fassen, ist nicht gerade einfach. Besonders im Speed-Bereich, wo „die Leistungsdichte sehr hoch ist“. Da macht sich Jocher aber selbst nichts vor. Wer sich für höhere Aufgaben empfehlen will, muss eben liefern. Der Europacup, sozusagen die zweite Ski-Liga, bietet dafür eine optimale Plattform. Jocher will „da jetzt angreifen“ – und besinnt sich auf seine Stärken.

Ski alpin: Aus dem Slalomläufer Jocher wird ein Abfahrer

Technisch zum Beispiel sei er „ganz gut aufgestellt“. Kein Wunder, so ist der Schongauer doch eigentlich ein Slalomläufer. Einer, der erst vor drei Jahren zum Abfahrer wurde – und nun vom vielen Technik-Training früherer Tage profitiert. Wird die Skistrecke eisig, steil, technisch anspruchsvoll – dann ist Jocher am Drücker. Zum kompletten Abfahrer-Glück fehlen dann nur mehr ein paar Kilos mehr auf den Rippen – für den Top-Speed auf der Geraden. Daran arbeitet Jocher bereits. „Auch wenn ich wohl nie richtig stämmig werde“, witzelt der 83 Kilogramm leichte Abfahrer.

Ski alpin: Am 9. Dezemeber startet Simon Jocher in den Europacup

Vor dem Europacup-Start am 9. Dezember im italienischen Santa Catarina stieg Jocher erneut in den Flieger. Das Ziel: Schuften in Schweden – für eine neue Europacup-Saison. Und seinen Traum vom Weltcup-Debüt.

Feiern möchte Jocher dieses am liebsten bei den Heimrennen auf der Kandahar im Februar des nächsten Jahres. Auch, wenn Mama Jocher dann vielleicht wegschauen wird. „Nicht wirklich begeistert“ soll sie von den Abfahrtsplänen ihres Sohnes gewesen sein. „Aber ich bin alt genug, das selber zu entscheiden“, findet Jocher. „Mir macht’s einfach Spaß.“        Max Edinger

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