Nur wenige Wettkämpfe stehen dieses Jahr für Matthias Holderried und seine Kontrahenten an. 
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Nur wenige Wettkämpfe stehen dieses Jahr für Matthias Holderried und seine Kontrahenten an. 

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Fünf Küken und der erste Honig - So geht Matthias Holderried mit der Corona-Krise um

  • vonChristian Heinrich
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Auch die Schützen waren aufgrund der Corona-Pandemie zu einer Pause gezwungen. So ging Matthias Holderried aus Tannenberg damit um.

Tannenberg – Als aufgrund der Corona-Pandemie ein Wettkampf nach dem anderen abgesagt wurde, begann sich Matthias Holderried den Dingen zu widmen, die wirklich zählen. Die Bienen und Hühner des Sportschützen aus Tannenberg erhielten in diesem Frühling mehr Fürsorge und Pflege als dies in früheren Jahren der Fall gewesen ist. Die Sorge zahlte sich aus. Neben fünf lebhaften Küken gab es für den Tierfreund auch schon den ersten kostbaren Honig.

„Ich habe Corona nicht als so schlimm empfunden“, gesteht Holderried. Im Gegenteil: Holderried fand in den vergangenen Wochen sein inneres Gleichgewicht wieder. „Es war wie eine Auszeit für mich“, stellt er zufrieden fest. Eigentlich bietet der Terminkalender eines Sportschützen keinen Platz für ein Sabbatical. Damit er seinen Status als Angehöriger des Nationalkaders behaupten kann, musste Holderried in der Vergangenheit übers Jahr zahlreiche Lehrgänge und Wettkämpfe erfolgreich absolvieren. Als die Bayerische Staatsregierung durch die Verhängung des Ausnahmezustandes alle Aktivitäten im Freistaat drosselte, konnte der Schütze auch sein Programm herunterfahren. Es blieben Zeit und Muße, sich vom Stress der vergangenen Saison zu erholen und in aller Ruhe den Kopf freizubekommen. In einem Sport, bei dem Konzentration großgeschrieben wird, ist das sehr hilfreich.

Training in Zeiten von Corona

„Die Zwangspause habe ich gerne mitgenommen“, sagt Holderried über die unfreiwilligen Wellness-Wochen, die auf seinen Status als Kadermitglied keine Auswirkungen besaßen. Mit Müßiggang allein war die Zeit jedoch nicht gleichzusetzen. Holderried hatte sich eine lange To-do-Liste erstellt, die er akribisch abarbeitete. Der Hobby-Imker und Hühner-Liebhaber beschäftigte sich nicht nur mit dem lieben Vieh, er feilte auch verstärkt an seiner Fitness. Schließlich hatte das bayerische Kabinett nichts gegen privates Radfahren, Joggen und Inline-Skating einzuwenden. Kondition und Ausdauer zu erwerben, war also das geringste Problem.

Schwieriger gestalteten sich die technischen Übungen. Da das Schützenheim in Tannenberg genauso wie alle anderen Sportstätten zwischen Spessart und Karwendel geschlossen blieb, bot sich Holderried nur die Möglichkeit zum Trockentraining in der eigenen Stube. Die ersten Lockerungen angesichts der Corona-Krise befreiten ihn endlich von dieser auf die Dauer zermürbenden Übungsform. Der eigene Stand steht ihm seit ein paar Tagen wieder offen.

Tageslehrgang am vergangenen Wochenende

Für vergangenes Wochenende hatte ihn der Bayerische Sportschützen-Bund zu einem Tageslehrgang nach München-Hochbrück eingeladen. Vier Schützen arbeiteten jeweils mit einem Trainer zusammen und versuchten auf diese Weise, wieder ein Gefühl für ihre Waffe und den Wettkampf zu entwickeln. „Die Situation ist für alle gleich“, sagt Holderried. Er geht davon aus, dass seine Kollegen in den vergangenen zwei Monaten auch nicht mehr trainieren konnten als er.

Die Perspektive der Kaderathleten ist wenig verheißungsvoll für dieses Jahr. Von der Bezirksmeisterschaft bis zur Deutschen Meisterschaft wurden alle Veranstaltungen abgesagt. Die Ranglistenturniere und möglicherweise noch das ein oder andere Turnier sind die einzigen Wettkämpfe, die heuer ausgetragen werden. Der Deutsche Schützen-Bund hat inzwischen die Konsequenzen gezogen und verscherbelt die Fanartikel, die er für die DM herstellen ließ, zum halben Preis. Holderried wird nicht in T-Shirts oder Aufkleber investieren. Wozu auch? Es gibt viel Wichtigeres im Leben. Die vergangenen Wochen haben ihm das eindringlich vor Augen geführt.

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