Silber für Deutschland: Manfred Stadtmüller nach seinem erfolgreichen Auftritt bei der Poomsae-WM, die als Online-Veranstaltung ausgetragen wurde.
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Silber für Deutschland: Manfred Stadtmüller nach seinem erfolgreichen Auftritt bei der Poomsae-WM, die als Online-Veranstaltung ausgetragen wurde.

TAEKWONDO - Peitinger erlebt bei Welttitelkämpfen in der U65-Klasse wahren Finalkrimi

Stadtmüller freut sich über WM-Silber - Peitinger erlebt bei Welttitelkämpfen in der U65-Klasse Finalkrimi

  • Paul Hopp
    vonPaul Hopp
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Knapper geht es kaum. Manfred Stadtmüller gewinnt bei der Taekwondo-WM Silber und besticht durch besonderen Auftritt neben dem Wettkampf.

Schongau – Der Moderator des Live-Streams hielt kurz den Atem an. Er wusste schon, dass es im Kampf um den WM-Titel im Taekwondo-Formenlauf verdammt eng werden würde. Als das Gesamtergebnis schließlich auf dem Bildschirm aufleuchtete, da entfuhr ihm ein: „Wow – das hatte ich in dieser Klasse nicht erwartet.“ Drei Athleten der U65 befanden sich innerhalb einer Differenz von 0,01 Punkten. Unter ihnen befand sich auch der Peitinger Manfred Stadtmüller. Der Routinier vom SV-Polizei Eichstätt gewann die Silbermedaille und rundete damit ein für ihn ohnehin schon erfolgreiches Jahr glänzend ab.

Die Welttitelkämpfe wurden – wie schon mehrere Wettkämpfe in diesem Jahr – als Online-Turnier abgehalten. Das heißt, die Teilnehmer nahmen ihre Vorführungen mit einer Kamera auf und reichten sie dann an die Jury ein. Ursprünglich hätten die Wettkämpfe heuer im Mai in Dänemark stattfinden sollen. Der Peitinger hatte sich darauf gefreut, denn er mag das direkte Aufeinandertreffen und auch den Austausch mit den Gegnern. So war er über die Online-Austragung „enttäuscht“, zugleich „auch wiederum froh“, dass überhaupt Titelkämpfe stattfinden konnten.

Der 61-Jährige hatte in seiner Klasse 20 Konkurrenten. Das bedeutete, dass es drei Runden (Vorrunde, Halbfinale, Finale) gab – ein anspruchsvolles Programm. In der Vorrunde hatten die Athleten drei Tage Zeit, die ihnen zugelosten Formen aufzunehmen und abzuschicken. Um zu verhindern, dass Athleten Videos einreichten, die sie schon lange davor aufgenommen hatten, wurden eigene Registraturnummern vergeben, die bei jedem Video zu nennen war.

Stadtmüller von Beginn an unter den Besten

Wegen der hohen Starterzahl wurde das Teilnehmerfeld in der Vorrunde geteilt. Stadtmüller holte sich in seiner Gruppe den ersten Platz und kam damit souverän eine Runde weiter. Aus den zehn Halbfinalisten wurden dann die acht Teilnehmer am Finale ermittelt. Stadtmüller zeigte sich auch da in starker Form und schloss die Runde als Zweitbester ab. Das hieß auch, dass er im Finale als Vorletzter an der Reihe war.

Corona machte es den Teilnehmern nicht leicht, Räume zum Training und für die Video-Vorführung zu finden. Manch Athlet war gezwungen, in eine Garage oder sogar ins Freie auszuweichen. So waren Athleten auf Parkplätzen oder am Strand zu sehen. Der Peitinger konnte sich – wie schon bei den bayerischen Meisterschaften – auf das Entgegenkommen des TSV Schongau und speziell der Boxabteilung verlassen; er konnte Räume von ihnen nutzen. Dafür „ein dickes Dankeschön“, so der Peitinger.

Das Finale fand dabei als Live-Veranstaltung auf der Plattform „Zoom“ statt. Für Stadtmüller bedeutete das (wegen der unterschiedlichen Zeitzonen), dass er für seinen Auftritt am Vormittag bereitstehen musste. Die Ergebnisse der jeweils anderen Konkurrenten bekam niemand gezeigt.

Die Detailwertung entscheidet über Silber und Bronze

Zunächst hatte Stadtmüller die Jitae-Form zu zeigen – „diese laufe ich sehr gerne“, berichtete er. Er wusste: Um Gold zu holen „muss man etwas riskieren“. Das tat er, leistete sich dabei aber auch „eine kleine Unsicherheit“, die von den sieben Kampfrichtern, die ebenfalls getrennt voneinander vor Computern saßen, prompt bemerkt wurde. Die zweite Form, Hansu, zeigte Stadtmüller dann ganz souverän. Der Moderator des Streams war vor allem von den Side-Kicks angetan. Der Peitinger bekam die höchste Punktzahl. Nun stieg die Spannung: Letztlich lag der Südkoreaner Kang-soo Lee (7,080 Punkte) hauchdünn vor Stadtmüller (7,070). Der Peitinger war mit dem US-Amerikaner James Park punktgleich, hatte aber in Detailwertung „Präsentation“ die Nase vorn. So ging Silber an Stadtmüller. Park gewann Bronze. Eine weitere Bronzemedaille ging an Marcelo Prado (Ecuador/6,980). Der Mann aus Südamerika ist immerhin Vizeweltmeister des Jahres 2018.

Für sein in Englisch gehaltenes Video-Grußwort an die anderen Teilnehmer und die WM-Organisatoren hatte sich Stadtmüller besonders in Schale geworfen. Nicht nur im Taekwondo gebe es eine Uniform, so Stadtmüller, sondern auch in seiner Heimat Bayern. Stilecht in Lederhose und mit Trachtenjacke gekleidet, präsentierte sich der Athlet. Das Gruß-Video wurde extra im Rahmen des Finale-Livestreams gezeigt.

Für den Routinier, der seit mehr als 40 Jahren Taekwondo betreibt, endet ein sportlich erfolgreiches Jahr. Stadtmüller gewann bei den „British Open“ in seiner Klasse die Silbermedaille. Darüber hinaus gewann er beim BTU-Cup in Dillingen und bei der internationalen deutschen Meisterschaft in Hamburg jeweils Gold. Ebenfalls ganz vorn landete er bei den bayerischen Titelkämpfen in den Disziplinen „Technik“ und „Poomsae“.

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