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„Fantastisch“: Manfred Stadtmüller legt besonderen WM-Auftritt hin

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Von: Paul Hopp

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Manfred Stadtmüller bei der Poomsae-Weltmeisterschaft in Südkorea.
Auf den Punkt in guter Form: Manfred Stadtmüller bei der Poomsae-Weltmeisterschaft in Südkorea. © Deutsche Taekwondo-Union

Dort, wo Taekwondo seinen Ursprung hat, auf der koreanischen Halbinsel, fand jüngst die Poomsae-WM statt. Manfred Stadtmüller bescherte dem Teams dabei eine Medaille.

Seoul – Ein kleines Plätzchen war im Koffer noch frei, also war für Manfred Stadtmüller die Sache klar: Seine Lederhose macht die Reise nach Ostasien mit. Stilecht in bajuwarische Tracht gekleidet, war der Peitinger – zusammen mit seiner im Dirndl erschienenen Teamkollegin Bärbel Reiner – einer der Hingucker bei der offiziellen Eröffnung der zwölften Weltmeisterschaft im Taekwondo-Formenlauf (Poomsae). Doch auch auf der Matte, im regulären Sportanzug Dobok, machte Stadtmüller in Südkorea eine gute Figur.

In seiner Altersklasse holte der 63-Jährige die Bronzemedaille. „Fantastisch“, so lautete das Fazit Stadtmüllers – und schob die rhetorische Frage nach: „Was will man mehr?“ Immerhin fand die WM im Mutterland des Taekwondo-Sports statt und erhielt dort eine entsprechend große Aufmachung und Beachtung.

Manfred Stadtmüller holt Bronze bei Poomsae-Titelkämpfen

Bei den Welttitelkämpfen vor zwei Jahren hatte Stadtmüller in der U65-Klasse die Silbermedaille gewonnen. Wegen der Pandemie wurde die WM damals als Online-Turnier ausgetragen. Diesmal war wieder das gewohnte Format – mit Wettkämpfen in Präsenz – angesagt. Knapp 800 Athleten aus 62 Ländern hatten sich angemeldet, „so viele wie nie zuvor“, wie Stadtmüller erklärte. Die Organisatoren betrieben einen enormen Aufwand, um Ansteckungen mit Corona zu verhindern. Außer auf der Matte durften sich die Teilnehmer in der Halle nur mit Maske bewegen. Wer die Sportstätten betreten wollte, für den waren Hände-Desinfektion und Körpertemperaturmessung Pflicht.

Überglücklich über Bronze: Manfred Stadtmüller (re.) bei der Siegerehrung der U65-Klasse. Weltmeister wurde der Iraner Nader Khodamorad (3.v.r.).
Überglücklich über Bronze: Manfred Stadtmüller (re.) bei der Siegerehrung der U65-Klasse. Weltmeister wurde der Iraner Nader Khodamorad (3.v.r.). © DTU

Die ersten Wettkampftage hatte Stadtmüller noch Pause und konnte die anderen Mitglieder der deutschen Nationalmannschaft beobachten, darunter drei Männer und eine Frau aus der bayerischen Taekwondo-Union. Die Ausmaße der Wettkampfstätte sprengten alles, was Stadtmüller bis dato bei Turnieren erlebt hat. Das „Kintex Korea International Exhibition Center“ in Goyang bietet auf einer Indoor-Fläche von rund 54 000 Quadratmetern Platz für fünf große Hallen.

Taekwondo-WM in Südkorea ein großes Ereignis

Eine riesige Warm-up-Area sowie eine Lounge-Area und WLAN-Möglichkeit für bis zu 150 000 Geräte – die Dimensionen waren gewaltig. „Das war schon außergewöhnlich“, so Stadtmüller. Was ihm in solchen Situationen zugute kommt: „Ich kann das gut ausblenden und bin absolut im Tunnel.“ Das half dem Servicetechniker letztlich auch auf der Matte.

Am vierten Tag war dann Stadtmüller endlich an der Reihe; er sah sich in seiner Klasse 14 anderen Athleten gegenüber. Zum Auftakt ging es zunächst darum, sich unter die besten acht zu platzieren, die dann im Finale um die Medaillen kämpften. In allen Runden waren von den Athleten immer zwei Formen vorzuführen, die vorab per Los ausgewählt wurden. Als Dritter qualifizierte sich Stadtmüller souverän für die Finalrunde.

Die Kicks sind seine Stärke: Manfred Stadtmüller bewies bei der WM im Mutterland des Taekwondo gute Form und holte eine von zwei deutschen Medaillen.
Die Kicks sind seine Stärke: Manfred Stadtmüller bewies bei der WM im Mutterland des Taekwondo gute Form und holte eine von zwei deutschen Medaillen. © DTU

Dort bekam er es im Viertelfinale mit dem Schweden Josef Chiu, dem Sechsten der Vorrunde, zu tun. In beiden Formen hatte der Deutsche von den sieben Kampfrichtern die besseren Ergebnisse bekommen. Damit stand er unter den besten vier und hatte, nachdem es für die Halbfinalverlierer keinen Kampf mehr um Bronze gibt, so eine Medaille schon sicher. Doch der Peitinger, der im vergangenen November den EM-Titel gewonnen hatte, wollte mehr. Allerdings stand er dem amtierenden Weltmeister, Dong Kaun Seo (Südkorea), gegenüber.

Im Halbfinale das Duell mit dem amtierenden Weltmeister

Stadtmüller musste als erster auf die Matte und musste die Form Nummer zehn (der Berg) zeigen. Die hat Stabilität und Ruhe zum Thema, sie umfasst lange Standphasen. „Es kommt kein einziger Kick darin vor“, so der Träger des sechsten Schwarzgurts. Für ihn ein echter Nachteil, denn der Peitinger hat seine Stärken im Kicken sowie bei Sprüngen und Drehungen.

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Prompt handelte er sich gegenüber Seo einen Rückstand ein. In der zweiten Form (diesmal die Nummer 16/Hansu) verkürzte der Deutsche den Rückstand, knapp verfehlte er das Finale. Für Stadtmüller absolut kein Grund zur Enttäuschung. Vielmehr freute er sich über die Bronzemedaille. Insgesamt holte das deutsche Team zweimal Bronze und belegte damit im Medaillenspiegel den 17. Platz.

Auf die WM hatte sich Stadtmüller intensiv vorbereitet, auch, weil er ein angemietetes Fitnessstudio des TSV Schongau nutzen konnte. Bundestrainerin Daniela Koller und seine Heimtrainerin, Tanya Stadtmüller, hatten ebenfalls ihren Anteil daran, dass Stadtmüller in guter Form nach Südkorea reiste. Mit Siegen bei der südbayerischen Meisterschaft in Gauting und bei einem Internationalen Turnier in Dillingen holte er sich Selbstvertrauen.

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