Steht selber noch gerne auf der Bahn: Christian Lindner (vorne) vom TSV Peiting, hier bei einem Champions-League-Spiel vergangenen September, wurde zum Vorsitzenden des Eisstock-Weltverbandes gewählt.
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Steht selber noch gerne auf der Bahn: Christian Lindner (vorne) vom TSV Peiting, hier bei einem Champions- League-Spiel vergangenen September, wurde zum Vorsitzenden des Eisstock-Weltverbandes gewählt.

Eisstockschießen

Christian Lindner möchte Weg zu Olympia zu Ende gehen

  • Phillip Plesch
    vonPhillip Plesch
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Im Interview berichtet Christian Lindner, der jüngst zum Vorsitzenden des Eisstock-Weltverbandes gewählt wurde, von seinen Aufgaben und Plänen. 

Peiting– Im Rahmen der Eisstock-Weltmeisterschaft in Regen wurde Christian Lindner vom TSV Peiting zum Vorsitzenden des Eisstockweltverbandes (International Federation Icestocksport, IFI) gewählt. Der 48-jährige Bauleiter aus Buchloe folgt damit auf Manfred Schäfer, der das Ehrenamt über 20 Jahre ausübte. Im Interview spricht Lindner über seine ersten Tage als IFI-Vorsitzender, seine wichtigsten Aufgaben und seine große Liebe zum Stocksport.

Hallo Herr Lindner, wie haben Sie Ihre ersten Tage als Weltverbandsvorsitzender erlebt?

Der Einstieg mit der Coronakrise mitten in der Weltmeisterschaft war schwierig. Ich hatte vor Ort in Regen viel geplant, das war dann alles nicht möglich, weil ich anderes zu tun hatte. Danach hieß es, alles auf die Reihe zu bringen. Ich habe Aufgaben an meine sechs Vize-Präsidenten verteilt und eine Generalsekretärin eingestellt. Das hat super funktioniert.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf den Stocksport?

Es wird den Verband viel Geld kosten, wenn die Sommersaison ausfallen sollte. Wenn keine Stöcke mehr gekauft werden, fällt dem Weltverband eine der Haupteinnahmequellen weg. Denn jede Platte und jeder Stockkörper muss ein Stocksiegel haben, das die Hersteller beim Verband kaufen müssen. Pro Jahr geht es um 100 000 Euro. Der BEV hat bereits alle Termine abgesagt. Bundesweit warten wir noch ab.

Wie kam es zu Ihrer Wahl zum IFI-Vorsitzenden?

Manfred Schäfer hat bei seiner Wiederwahl 2018 schon angekündigt, nicht die komplette Amtszeit von vier Jahren auszuüben, sondern aus gesundheitlichen Gründen nach zwei Jahren zurückzutreten. Die Wahl fand also außerplanmäßig statt. Im Vorhinein gab es einige Gespräche. Ich war der einzige Kandidat und wurde von den 22 vertretenen Nationen einstimmig gewählt. Zudem war 2019 einer der Vizepräsidenten verstorben. Auch dieser Posten musste neu besetzt werden.

Und wann ist dann die nächste Wahl?

Die ist in zwei Jahren, damit wir wieder im Rhythmus sind.

Als Funktionär haben Sie ja schon einiges an Erfahrung gesammelt.

Das ist richtig. Seit 1991 bin ich Sportwart beim TSV Peiting. Nur heißt es heute Schriftführer. Neben meinem Beruf als Bauleiter habe ich dann immer ein Ehrenamt ausgeübt. Von 1995 bis 2000 war ich Sportwart im Kreis Weilheim-Schongau, von 2000 bis 2004 dann stellvertretender Landesobmann in Bayern. 2004 bin ich Sportwart beim DESV geworden und 2006 DESV-Präsident.

Wer wird beim DESV jetzt Ihr Nachfolger?

Das steht noch nicht fest. Eigentlich sollte die Wahl am 25. April stattfinden. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde der Termin aber auf Mitte Juni verschoben. Bis dahin habe ich beide Ämter inne.

Sie haben also einiges zu tun?

Bei Manfred Schäfer war das pro Tag ein Acht-Stunden-Job. Als Rentner hatte er aber auch die Zeit dazu. Ich habe alle Aufgaben aufgelistet und verteilt. Ich muss das Ganze jetzt koordinieren und schauen, dass es klappt. Wenn man der Coronakrise eine Kleinigkeit Positives abgewinnen will, habe ich den Vorteil, dass derzeit alles nicht so eilt, weil nicht gespielt wird.

Welche Aufgaben haben Sie denn so als Weltverbandsvorsitzender?

Meine größte Aufgabe wird sein, den Weg zu den Olympischen Spielen 2026 zu Ende zu gehen. Das hat Manfred Schäfer wahnsinnig gut vorbereitet. Es sieht gut aus, dass wir 2026 dabei sein werden. Jetzt arbeiten wir mit Hochdruck daran, wie wir unseren Sport präsentieren können. Dass wir nicht voll hippig sind, wissen wir. Dafür ist Stockschießen ein Mehrgenerationensport und hat Tradition. Außerdem geht es nun darum, welche Sportstätten wir nutzen können und welche Disziplinen gespielt werden. Wir versuchen natürlich, so viele Medaillenentscheidungen wie möglich unterzubringen, favorisieren aber ganz klar das Mannschaftsspiel, die Königsklasse.

Streben Sie in Ihrer Amtszeit größere Veränderungen an?

Ich denke, die größten Veränderungen sind das Verteilen der Aufgaben auf mehrere Schultern und das Einstellen einer Generalsekretärin. Silke Bernardi ist ein Vollprofi, sie sitzt in Frankfurt beim DOSB, kümmert sich um das Tagesgeschäft und ist auch Generalsekretärin der Abteilung „Flying Disc“.

Bleibt für Sie denn noch Zeit, selber zu spielen?

In der 2. Mannschaft beim TSV Peiting werde ich auf jeden Fall ein bisschen mitspielen. Und wenn mein Sohn, Michael, dann auch mit dabei ist, freut mich das besonders. Stockschießen ist mein Leben, es hat mir immer schon Spaß gemacht. Deshalb mache ich das ja alles.

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