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Ein Peitinger Trio für Peking: Franziska Lindner (l.), Michael Lindner (Mitte) und Alexander Vöst (r.) könnten 2022 bei Olympia um Gold im Eisstockschießen kämpfen.

Stockschießen

Olympia: Peitinger hoffen auf Peking

  • Thomas Fritzmeier
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Stockschießen wird olympisch. Schon 2022 in Peking sollen die ersten Schützen auf Gold-Jagd gehen. Fünf Peitinger könnten dann in China auf dem Eis stehen. Allerdings nur, wenn der Verband die Doping-Kontrollen verschärft.

Peiting – Eigentlich will Olympia ja hip werden. Wilde, am besten langhaarige und tätowierte Sportler sollen eine coole Show bieten, so ein junges Publikum an die Bildschirme locken. Für die Sommer-Spiele 2020 in Tokio (Japan) wurde sogar Skateboarding ins Programm aufgenommen. Obwohl viele Skater gar keine Lust auf Olympia haben. Für sie ist Skateboarding eher Lifestyle als Sport.

Beim Eisstockschießen würden wohl die wenigsten von Lifestyle sprechen. Von Hipness schon gleich gar nicht. Eher von Altmännersport. Die Vorstellung von bierbäuchigen Mannsbildern, die auf zugefrorenen Seen bei Glühwein und Weißbier ein paar Stöcke übers Eis schubsen, hält sich hartnäckig. Auch wenn dieses Klischee schon lange keinen Bestand mehr hat. Die Bierbäuche sind – zumindest bei den Spitzen-Schützen – längst verschwunden. Ohne körperliche Fitness geht nichts mehr. Top-Teams wie der TSV Peiting reisen zudem mittlerweile quer durch Europa, spielen in der Champions League (siehe Kasten) gegen Mannschaften aus Litauen, Weißrussland, die Schweiz oder Tschechien. Und im Gegensatz zu den Skateboardern wollen die Stockschützen zu Olympia. Seit über 50 Jahren kämpfen sie um die Aufnahme ins Programm.

Zweimal wurde die Aufnahme abgelehnt

Bei den Spielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen und 1964 in Innsbruck wurde die Disziplin getestet. Sie fiel aber durch. Jetzt könnte der Olympia-Traum der Stockschützen endlich wahr werden. Eigentlich ist er es schon. Zumindest fast.

Das Olympische Komitee (IOC) hat den Eisstock-Weltverband (IFI) vor kurzem offiziell in die Olympische Familie aufgenommen. Ein wichtiger Schritt. Und ein großer Erfolg. Läuft in den kommenden zwei Jahren alles nach Plan, könnten die Stockschützen schon 2022 bei den Spielen in Peking (China) erstmals um olympisches Edelmetal spielen. Die Chinesen haben vorsorglich sogar schon eine Sportstätte reserviert. „Es wäre natürlich der absolute Hammer, wenn es schon so schnell klappt“, sagt Christian Lindner.

Fünf Peitinger dürfen auf Teilnahme hoffen

Der Peitinger ist Präsident des Deutschen Eisstock-Verbandes (DESV). Er kämpft seit Jahren für eine Olympia-Teilnahme der Stockschützen. Ursprünglich wollte er selbst bei den Spielen auf dem Eis stehen, um eine Medaille schießen. Das wird er wohl nicht mehr schaffen. 2022 wäre er 49 Jahre alt. Das ist selbst für einen Stocksportler schon ein fortgeschrittenes Alter. „Aber vielleicht bekommt eines meiner Kinder die Chance, meinen Traum zu leben“, sagt er. Sohn Michael (20) und Tochter Franziska (17) gehören zu den deutschen Top-Talenten, hätten sicher das Zeug dazu. Michael war mit den Junioren Weltmeister, mit dem TSV Peiting Champions League-Sieger. Übrigens gemeinsam mit seinem Vater. „Das ist das Schöne am Stockschießen“, sagt Lindner. „In unserem Sport können zwei Generationen gemeinsam erfolgreich sein. Das gibt es in keiner anderen Mannschaftsdisziplin.“

Mit dem deutschen Nationalspieler Alexander Vöst (25) sowie den Österreichern Matthias Adler (25) und Christopher Schwaiger (25) dürfen sich noch drei weitere TSV-Spieler gute Chancen auf eine Olympia-Teilnahme ausrechnen.

Bevor aber die Tickets für die Spiele vergeben werden, müssen die Stockschützen aber erst noch ihre Hausaufgaben machen. Denn eine Teilnahme-Garantie ist die Aufnahme in die Olympische Familie nicht. In den kommenden zwei Jahren muss sich der Sport beweisen– und olympia-fit machen. Unter anderem soll die Zählweise vereinfacht werden. „Das aktuelle Punktesystem ist zu schwierig, nur für Insider verständlich“, sagt Lindner. „Wir werden uns etwas einfallen lassen, damit es künftig jeder kapiert.“ Außerdem müssen die bereits bestehenden Doping-Kontrollen verschärft werden. „Ich bin aber zuversichtlich, dass wir alle Forderungen erfüllen“, sagt Lindner.

Disziplinen noch offen, Medaille fast sicher

Offen ist derweil noch, welche und wie viele der drei Eisstock-Disziplinen (Mannschaftsspiel, Einzel, Weitenbewerb) ins Programm kommen. Favorisiert werden aktuell das Mannschaftsspiel sowie der Einzelbewerb.

Stehen die Stockschützen 2022 dann tatsächlich auf Olympischem Eis, ist eine Medaille quasi garantiert. Das DESV-Team dominiert gemeinsam mit Österreich und Italien seit Jahren die Szene, steht bei Weltmeisterschaften eigentlich immer auf dem Podest. Spätestens mit einer Olympischen Medaille wäre dann auch das Klischee vom bierbäuchigen Hobbysportler endgültig passé.

Champions League-Auftakt am Samstag

Zum Auftakt der Gruppenphase der Eisstock-Champions League trifft der TSV Peiting an diesem Samstag, 11. August, in der Gruppe A auf Bundesliga-Meister EC Passau-Neustift. Los geht’s um 16 Uhr. Damit kommt zur Neuauflage des Bundesliga-Halbfinals. Vor knapp einem Monat unterlagen die Peitinger den Niederbayern nach deutlicher Führung mit 2:4. Die weiteren Gegner der Peitinger in der Gruppenphase: ESC Zweisimmen-Rinderberg (Schweiz), ASV Kaltern (Südtirol) und Lazdijai (Litauen). Alle Mannschaften treten jeweils einmal gegeneinander an.

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