Ungewöhnliche Einlage: Im Zuge der „Mass challenge“ schoss Ulrike Lachenmayer ihre Stöcke über eine Rampe in ein Zielfeld, das sich in einem Bach befand.
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Ungewöhnliche Einlage: Im Zuge der „Mass challenge“ schoss Ulrike Lachenmayer ihre Stöcke über eine Rampe in ein Zielfeld, das sich in einem Bach befand.

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Spektakuläre Facebook-Challenge der Stockschützen in Corona-Zwangspause

  • Phillip Plesch
    vonPhillip Plesch
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Nach der WM begann für die Stockschützen die Zeit der Ungewissheit. Nun ist ein Stück Normalität wieder in Sicht.

Peiting – Wie viele andere haben es auch die Stockschützen in der Corona-Krise nicht leicht. Die Weltmeisterschaft in Regen haben sie Anfang März gerade noch über die Bühne gebracht, doch dann war erst einmal Pause angesagt. „Schweren Herzens“, sagt Christian Lindner, Vorsitzender des Eisstock-Weltverbandes, mussten die großen Meisterschaften für diesen Sommer abgesagt werden. Um dem Sport trotz Kontaktsperren und Ausgangsbeschränkungen nicht gänzlich fernzubleiben, nahmen zahlreiche Stockschützen an einer Challenge teil, die die Sportler kreativ umsetzten – auch eine Athletin des TSV Peiting.

Auf die Champions League müssen die Stockschützen des TSV Peiting in diesem Jahr verzichten. Da nach wie vor Reisewarnungen bestehen, war eine Austragung der Spiele, an denen Teams aus mehreren Nationen teilnehmen, nicht möglich. Im kommenden Jahr werden dann aber die Mannschaften starten, die auch heuer dabei gewesen wären. Denn die nationalen Meisterschaften fallen ebenfalls aus. Die Qualifikationsturniere in den Kreisen und Bezirken konnten so kurzfristig nicht mehr organisiert werden. Neben den großen Veranstaltungen werden aber auch zahlreiche kleinerer Turniere heuer nicht stattfinden.

Es kann wieder trainiert werden

Zumindest trainieren können die Stockschützen seit ein paar Wochen wieder. „Es wird auf den Außenbahnen aber nur zwei-gegen-zwei gespielt, der Abstand eingehalten und die Daube nur mit dem Fuß berührt“, berichtet Lindner über das Mannschaftstraining des TSV Peiting. Zudem lassen die Peitinger jede zweite Bahn frei.

Ab dem 8. Juni darf wieder drinnen und mit mehreren Leuten gespielt werden. Das heißt, dass klassische vier-gegen-vier ist dann wieder möglich. Die Abstandsregeln gelten aber weiterhin. „Damit haben wir kein Problem, sondern sind ja quasi prädestiniert dafür“, sagt Lindner über den Stocksport.

Große Einnahmen fehlen wegen der Pause

Dem Weltverbandsvorsitzenden ist daran gelegen, so schnell wie möglich wieder mit Wettkämpfen zu beginnen. „Meine Sorge ist, dass wenn die Pause länger dauert, der ein oder andere die Lust am Stockschießen verliert“, sagt er. Damit es wieder um Sieg und Niederlage geht, sollen zunächst Trainingsrunden mit zwei Vereinen stattfinden, die dann gegeneinander antreten.

Des Weiteren beschäftigt Lindner die finanzielle Lage im Stocksport. Durch die Absage der großen Wettkämpfe fallen dem Weltverband wertvolle Einnahmen aus dem Verkauf der Stocksiegel weg. Zwischen 100 000 und 120 000 Euro mache der Verkauf laut Lindner halbjährlich aus. „Und die großen Ausgaben haben wir mit der WM in diesem Jahr schon getätigt“, sagt er. Glücklich können sich die Stockschützen darin schätzen, den Sitz des Weltverbandes in der Schweiz zu haben.

Mass Challenge macht die Runde

Denn der Schweizer Bundesrat möchte gemeinsam mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) die rund 60 internationalen Sportverbände mit Sitz im Land durch Darlehen unterstützen. „Gott sei Dank“, sagt Lindner, denn ansonsten würden die Stockschützen nicht lange durchhalten. Das IOC soll sich zu rund 50 Prozent an den Ausgaben beteiligen. Ausgenommen vom Darlehen sind FIFA und UEFA „als finanzstärkste Organisationen“, so eine Mitteilung. Neben den Stockschützen sind beispielsweise auch die Weltverbände von Radsport, Basketball, Eishockey und Triathlon in der Schweiz beheimatet.

Dass die Stockschützen sich von der Corona-Krise aber nicht unterkriegen lassen und eine starke Community sind, bewiesen sie mit der „Mass Challenge“ auf Facebook. Björn Kroll, Inhaber des Stocksportartikel-Onlineshops „eisstock24“ aus Frieding (Andechs), hatte die Challenge auf seiner Facebook-Seite ins Leben gerufen. Die Aufgabe war, zwei Stöcke in Folge aus 25 Metern Entfernung in einem circa 70 mal 70 Zentimeter großen aufgemalten Quadrat zu platzieren. Die Teilnehmer hielten ihr Ergebnis in einem Video fest, luden es auf Facebook hoch und nominierten weitere Sportler, es ihnen gleichzutun.

Große Beteiligung am Online-Wettbewerb

Als Bahn diente Lachenmayer eine Garageneinfahrt.

„Insgesamt haben wir rund 250 Videos gesichtet“, erzählt Kroll. Knapp 4000 Stockschützen wurden weltweit für die Aufgabe nominiert. So gab es beispielsweise auch Videos aus Kanada und Brasilien. „Das war eine schöne Aktion, und so viele Videos zum Stockschießen hat es wohl noch nie gegeben“, sagt Kroll, der allerdings auch „eine Unmenge an Arbeit“ damit hatte.

Auch Ulrike Lachenmayer vom TSV Peiting hat an der „Mass challenge“ teilgenommen. Und dafür ließ sie sich etwas ganz besonderes einfallen: Die Peitingerin schoss ihren Stock nämlich über eine Rampe in einen Bach. Dort hatte sie ihr Zielfeld platziert. Ein paar Versuche brauchte Lachenmayer, aber schließlich gelang es ihr doch, zwei Stöcke in Folge über die Rampe im Zielbereich zu versenken. Ins Finale schaffte sie es damit aber nicht.

Thurner-Brüder sichern sich den Sieg

Den Sieg machten die fünf Kandidaten mit den meisten „Gefällt mir“-Angaben auf ihren Videos unter sich aus. Fünf Eisstock-Experten, die die Jury bildeten, der auch Christian Lindner angehörte, vergaben je zehn Punkte für Platz eins, acht Punkte für Platz zwei und so weiter. Die Punkte der Juroren wurden addiert. Am Ende setzten sich die Thurner-Brüder aus Zangberg (Kreis Mühldorf am Inn) mit 40 Punkten auf Platz eins durch. Damit sicherten sich Christian, Tobias und Stefan Thurner den von HLS Stocksport gestifteten Siegerstock, der in einem eigenen Design für die „Mass challenge“ hergestellt wurde.

„Es waren viele lustige Videos mit dabei“, erzählt Christian Lindner. Und die Stockschützen hatten in der wettkampflosen Corona-Zeit eine angenehme Abwechslung.

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Bei der WM in Regen räumten die Peitinger ordentlich ab.

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