In seiner eigenen Tischtennis-Halle möchte Philipp Floritz bald trainieren.
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In seiner eigenen Tischtennis-Halle möchte Philipp Floritz bald trainieren.

Tischtennis

Tischtennis-Profi Philipp Floritz erzählt von einer verrückten Idee und ihrer Umsetzung

Wie mit der Corona-Krise umgehen? Das hat sich auch Tischtennis-Profi Philipp Floritz aus Birkland gefragt. Und eine kreative Lösung gefunden.

Birkland – Einem Tischtennis-Profi geht’s freilich nicht anders als jedem anderen derzeit auch: Nichts läuft wie gewohnt. Seit 17. März darf Philipp Floritz aus Birkland nicht mehr trainieren. Am 1. April wurde zudem der Spielbetrieb in der 3. Tischtennis-Bundesliga vorzeitig beendet – damit ist die Saison für Floritz und sein Team von Hertha BSC Berlin vorbei. Im Interview erzählt der 28-Jährige, wie er gerade seine Zeit verbringt, warum die Saison trotzdem ein gutes Ende nahm und was er für die Zukunft plant.

Herzlichen Glückwunsch zum Titelgewinn in der 3. Bundesliga und dem damit verbundenen Aufstieg. Eine sicherlich nicht alltägliche Meisterschaft, oder?

Auch wenn die Saison leider aufgrund des Coronavirus vorzeitig abgebrochen werden musste, sind wir natürlich sehr glücklich, mit dem ersten Platz unser Ziel erreicht zu haben. Jeder aus der Mannschaft hatte seinen Anteil an den 26:0 Zählern. Am Ende hatten wir acht Punkte Vorsprung auf den Zweiten, TTC Champions Düsseldorf.

Wie groß war die Erleichterung, als verkündet wurde, dass die Saison mit der Tabelle vom 13. März abgeschlossen wird?

Wir haben schon ganz tief durchgeatmet, denn wir mussten knapp zwei Wochen zittern. Schließlich war nicht klar, ob und wie die Saison gewertet wird.

Mit einer Bilanz von 20 Siegen und nur zwei Niederlagen dürfen Sie sich mit dem Titel „Bester Spieler der Liga“ schmücken. Wie groß ist die Freude?

Der Mannschaftserfolg steht an erster Stelle. Nichtsdestotrotz bin ich mit meiner Leistung während der gesamten Saison sehr zufrieden. Ich habe ein ordentliches Niveau gespielt und sämtliche Partien gegen die gegnerischen Spitzenspieler gewonnen.

Aber auch im Doppel an der Seite von Ex-Nationalspieler Torben Wosik hat es ganz gut geklappt...

(lacht) Torben und ich sind super eingespielt und harmonieren sehr gut. Bereits bei meinen vorherigen Stationen, Plüderhausen und Ansbach, standen wir gemeinsam am Tisch. In den vier Jahren gab es lediglich eine Niederlage. Am 5. Oktober 2019 riss unsere Serie leider in Hannover.

Mit einer 10:1-Bilanz gehören Sie auch zum erfolgreichsten Doppel. Was zeichnet Sie und Torben Wosik aus?

Ein Vorteil ist sicherlich, eine Links-Rechts-Kombination zu sein. Unsere Spielphilosophie ist identisch. Wir spielen beide mit Auge, sehr sicher und variabel. Wir sind sehr eingespielt, sodass es für jeden Gegner schwer ist, gegen uns durchzukommen und Punkte zu machen.

Welchen Anteil an ihren sehr guten Resultaten hat die Trainingsgruppe des Erstligisten Werder Bremen, mit der sie seit drei Jahren zusammenarbeiten?

Ich habe dort Weltklassespieler als Trainingspartner wie unter anderem den aktuellen Vize-Weltmeister Mathias Falck aus Schweden oder den WM-Zweiten im Doppel, Ovidiu Ionescu, die mich täglich sehr fordern und damit mein Leistungsniveau steigern.

Gegen beide haben Sie in der Vergangenheit schon mehrmals Siege eingefahren. Wie würden aktuell die Chancen stehen?

Da ich seit fünf Wochen aufgrund der aktuellen Corona-Situation den Schläger nicht mehr in der Hand hatte, wäre es sicher schwierig. Schließlich stecken Mathias und Ovidiu in ihren jeweiligen Heimatländern Schweden sowie Rumänien voll im Training. Wenn ich fit bin, kann ich sie aber auf jeden Fall immer noch ärgern.

Wie haben Sie das vorzeitige Saisonende erlebt?

Am Freitag, 13. März, habe ich noch das letzte Mal trainiert. Am Abend erhielt ich von unserem Abteilungsleiter aus Berlin die Information, dass die eigentlich am Tag später angesetzte Meisterschaftspartie in Siek ausfällt. Unser Gegner wollte nicht antreten. Zu diesem Zeitpunkt waren die Folgen und Auswirkungen des Virus überhaupt nicht absehbar. Eins war für mich von Beginn an jedoch klar: Gesundheit und Familie sind wichtiger als der Sport.

Wann ging es zurück nach Birkland?

Ich habe noch kurz in Bremen die Entwicklungen abgewartet. Am 17. März habe ich meine Sachen gepackt und bin zu meinen Eltern gefahren. Die Situation war nicht einfach, denn die Ungewissheit, wie es genau weitergeht, war sehr groß. Auch die momentane Situation macht es für uns Sportler unmöglich, persönliche Ziele zu setzen. Jeder braucht aber eben genau diese Ziele, um im Training 100 Prozent Leistung bringen zu können.

Wie gestalteten Sie Ihren Tag?

Ich habe viel Zeit in meine Fitness investiert. Auf dem Dachboden befindet sich ein kleiner Kraftraum. Außerdem bin ich häufig laufen gegangen. Im Trainingsalltag während einer Saison bleibt dafür häufig aufgrund von zwei Einheiten am Tag wenig Zeit.

Aber das kann ja nicht alles gewesen sein...

Am 2. April, und das ist jetzt kein verspäteter April-Scherz, habe ich mir überlegt, was ich in Zukunft machen werde. Die Hallen sind bis auf Weiteres geschlossen, sodass kein Training erlaubt und angeboten wird.

Haben Sie keinen Tisch mehr aus Ihrer Jugendzeit zu Hause irgendwo in der Ecke stehen?

Doch, und genau diese Platte aus dem Jahr 1997 habe ich aus der Scheune herausgezogen. An einem alten Tischtennisroboter habe ich dann gespielt. Schnell war jedoch klar: Diese Art von Training ist nicht das Gelbe vom Ei. Mir kam dann die Idee, einen Tischtennis-Court zu bauen.

In einer alten Scheune am Haus seiner Eltern hat Floritz Platz geschaffen.

Also eine eigene Tischtennishalle?

Ja, Sie haben richtig gehört. In einer Abstellkammer lagerten ganz viele Sachen aus meiner Kindheit wie zum Beispiel ein Bobbycar, Eishockey- und Tennisschläger. Ich habe auch noch Ski gefunden, mit denen ich damals Rennen gefahren bin. Der Platz war also da. Jetzt musste nur noch alles auf Vordermann gebracht werden.

Was gab es konkret zu tun?

Kurz gesagt: Die Scheune musste rundum saniert werden. Das bisherige Licht reichte natürlich nicht aus. Ganz wichtig beim Tischtennis ist natürlich der richtige Boden. Ich habe mir roten Taraflex-Boden aus Frankreich besorgt, der leicht federt und auch bei großen Turnieren verwendet wird.

WM-Feeling also bei Ihnen zu Hause?

Zumindest, was den Boden und die Beleuchtung angeht (lacht). Aber Spaß bei Seite. Ich habe die vergangenen drei Wochen täglich sechs bis acht Stunden dort verbracht, um für gute Rahmenbedingungen zu sorgen. Meine Eltern haben mich dabei tatkräftig unterstützt.

Was soll in Ihrer Halle stattfinden?

Ich werde mir in Kürze einen neuen Roboter anschaffen. Die Geräte sind wirklich gut. Ballwege werden vorgegeben. Für die Schlagtechnik ist diese Art von Training sicherlich kein Nachteil. Aufschlagtraining geht außerdem immer. Aber ich möchte dort auch Privattraining anbieten. Natürlich werde ich darauf achten, die Vorschriften aufgrund der Corona-Krise einzuhalten. Es handelt sich dann um Einzeltraining.

Haben Sie Erfahrungen als Coach?

Ich arbeite seit zwei Jahren beim Regionalliga-Aufsteiger Oldenburger TB sowie beim MTV Hude und gebe dort zweimal in der Woche Training.

Eine Tischtennis-Schule haben Sie Anfang des Jahres auch schon gegründet...

Genau – im Januar zusammen mit Florian Kaindl. Ich kenne Florian schon seit knapp 20 Jahren. Vor ein paar Jahren ist er nach Apfeldorf gezogen. Leider können wir aktuell kein Training und keine Lehrgänge anbieten. Ich hoffe, das wird sich bald ändern.

Welche Zielgruppe sprechen Sie an?

Wir machen keine Unterschiede. Zu uns dürfen Mädchen und Jungen, Frauen und Männer kommen. Egal in welchem Alter und ob Anfänger oder Fortgeschrittener. Auf unserer Internetseite www.tt-akademie-floritzkaindl.jimdofree.com finden sich weitere Informationen.

Immer häufiger ist zu lesen, dass es nur wenig Nachwuchs im Tischtennissport gibt.

Und deshalb habe ich mir mit Michael Plörer aus Hohenpeißenberg, mit dem ich mir in meiner Kindheit immer heiße Duelle bei Meisterschaften geliefert habe, überlegt, dass wir in ein paar Grundschulen im Landkreis Weilheim-Schongau gehen wollen und dort Unterrichtsstunden abhalten. Ziel ist es, Freude am Sport und ganz konkret am Tischtennis zu vermitteln.

Kommen wir abschließend noch einmal auf Sie und Hertha BSC Berlin zurück. Sie spielen nach dem Aufstieg in der 2. Bundesliga. Welche Ziele verfolgen Sie in der nächsten Saison?

Ich habe noch einen Vertrag und werde dann mein drittes Jahr in der Bundeshauptstadt absolvieren. Ich freue mich auf die neue Spielzeit, in der die Konkurrenz im oberen Paarkreuz natürlich deutlich stärker sein wird. Wir wollen eine gute Mannschaft stellen. Die endgültige Aufstellung steht noch nicht fest, sodass es auch schwer ist, ein Ziel zu formulieren.

Wird der Spielbetrieb trotz Corona wie bislang weiterlaufen?

Diese Frage kann ich aktuell nicht beantworten. Noch ist ja nicht geklärt, wann die ersten Spiele ausgetragen werden. Spielen wir nur noch an einem Tisch? Gibt es vielleicht aufgrund von Corona kein Doppel mehr? Ich kann nur eines sagen: Mein Ziel ist es, fit und gesund in die neue Saison zu starten.

Abschließend noch eine Frage: Stimmt es eigentlich, dass Sie auch schon mal mit dem ehemaligen Bremer Profi-Fußballer Max Kruse gemeinsam trainiert haben?

Ja, das ist richtig. In Bremen kommt die Mannschaft ein- bis zweimal pro Jahr in die Halle. Trainer Florian Kohfeldt hat früher selbst Tischtennis gespielt.

Wie war es?

Es hat viel Spaß gemacht. Einen Tag später hatte sich Max bei mir gemeldet und über Muskelkater in den Oberschenkeln geklagt.

Interview: Marco Steinbrenner

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