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Triathleten mit Biss: Franca und Simon Henseleit aus Steingaden.

Triathlon-EM: Henseleits im Einzel stark - und als Team unschlagbar

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Diese Geschwister sind kaum zu stoppen: Franca und Simon Henseleit aus Steingaden haben bei den Triathlon-EM überzeugt – und gleich mehrere Ziele erreicht.

Weert – Diese Europameisterschaft werden Franca und Simon Henseleit sicher nie vergessen. Mit hohen Zielen im Gepäck fuhren die Steingadener Triathleten ins niederländische Weert – mit gleich mehreren Erfolgen kamen sie zurück. Franca Henseleit (16) wurde bei den Juniorinnen Achte, qualifizierte sich damit für die Weltmeisterschaft in Lausanne (Schweiz) und sicherte sich erneut die C-Kader-Nominierung. Ihr Bruder Simon (19) schaffte es bei den Junioren auf Rang sieben, der ihm ebenfalls die WM-Qualifikation einbrachte. Und noch ein Ziel erreichte er, da er unter den besten Zehn war: „Endlich bin ich im Nationalkader gelandet“, sagt er. Damit kann er als Sportsoldat bei der Bundeswehr eine Förderung erhalten. „Ich bin überglücklich.“

Simon Henseleit aus Steingaden wird bei Junioren-EM im Einzel Siebter

Simon Henseleit hatte in Weert sein Debüt auf der internationalen Bühne gegeben. Von Beginn an musste er sich in dem Sprintrennen nicht verstecken – für die 750 Meter Schwimmen benötigte er 7:59 Minuten. Als Neunter wechselte er aufs Rad – mit sechs Sekunden Rückstand auf den Führenden Karai Levente (Ungarn). 20 Kilometer galt es zurückzulegen auf dem unspektakulären Parcour, der eben und kerzengerade war. Das machte es schwer, Akzente zu setzen. „Ich bin noch nie so langsam Rad gefahren, da haben alle die Füße hochgelegt“, sagt Henseleit, der 24:41 Minuten benötigte. Kurz vor dem Wechsel gab er Gas und wechselte als Erster auf die fünf Kilometer lange Laufstrecke. „Da wurde ich nach wenigen hundert Metern übersprintet“, sagt Henseleit. „Das Tempo konnte ich nicht mitgehen.“ Sechs Läufer zogen vorbei – einen holte er wieder ein, lag damit auf dem sechsten Rang, mit dem er es in den Olympia-Perspektivkader geschafft hätte. Doch dann zog der Russe Daniil Kondrashov im Schlussspurt vorbei – mit einem Hauch Vorsprung. Wie bei Henseleit zeigte es auch beim Russen eine Gesamtzeit von 49:34 Minuten an. Das Zielfoto musste entscheiden – und brachte Henseleit den siebten Platz ein, 30 Sekunden trennten ihn vom Sieger Paul Georgenthum (Frankreich). „Ich bin sehr zufrieden“, sagt der Steingadener. „Es war ein hartes Rennen.“

Franca Henseleit wird Junioren-Achte bei der EM

Seine Schwester Franca hatte einen Tag zuvor ebenfalls entspannt darauf reagiert, Platz sechs und damit den Olympia-Perspektivkader verpasst zu haben. „Da habe ich noch viel Zeit, das gilt ja eh erst für 2024“, sagte sie nach ihrem starken Rennen. Als eine der jüngsten musste sie sich gegen 34 Athletinnen behaupten. Im Schwimmen machte sie in der zweiten Hälfte der 750 Meter Boden gut. Nach 9:01 Minuten stieg sie als 16. und einem Rückstand von 14 Sekunden aus dem Wasser. Auf dem Rad gelang ihr dann schon früh der Anschluss an die große Gruppe. Auf der 20 Kilometer langen Strecke gelang ihr mit 26:47 Minuten die 17. Zeit. Alles war noch eng beinander. Durch einen guten zweiten Wechsel brachte sich Henseleit in Position. „Am Anfang der Laufstrecke konnte ich das Tempo noch nicht so mitgehen“, sagt sie. „Aber hinten heraus hat es dann ganz gut geklappt.“ Die fünf Kilometer lief sie in 18:46 Minuten und kam so auf eine Gesamtzeit von 55:24 Minuten. Damit hatte sie als Achte 38 Sekunden Rückstand auf die Siegerin Beatrice Mallozzi aus Italien.

Gemeinsam holen die beiden EM-Gold im Team

Auf dem Weg zu Gold: Franca Henseleit (l.) legte bei der Staffel gut vor.

Als die besten deutschen Junioren erfüllten sich die Henseleit-Geschwister noch einen weiteren Wunsch in Weert: Sie durften gemeinsam mit Jonas Osterholt (Nordrhein-Westfalen) und Katharina Möller (Baden-Württemberg) als Staffel antreten, die am Sonntag die deutschen Farben bei der EM vertrat – und sensationell Gold holte. „Ein bisschen unerwartet kam der Erfolg schon“, sagte Nachwuchs-Bundestrainer Thomas Moeller und fügt an: „Wir wollten eine Medaille. Dass es nun Gold geworden ist, ist natürlich umso schöner.“

Von Beginn an gehörte das Team zu den Führenden. Franca Henseleit ging als erste an den Start und übergab nach 300 Metern Schwimmen, sechs Kilometern Rad fahren und 1,5 Kilometern Laufen nach 19:02 Minuten als Zweite auf Osterhold. Der übergab ebenso wie Möller als Führender. Damit hatte es Simon Henseleit in der Hand – als Schlussläufer wurde er von starker Konkurrenz verfolgt. Vor allem der Portugiese Ricardo Batista gilt als begnadeter Läufer. „Ich wusste, dass ich ihn im Nacken habe“, sagt Henseleit. Deshalb brach er in der Spitzenradgruppe aus und konnte so mit sieben Sekunden Vorsprung auf die Laufstrecke wechseln. Nach 17:57 Minuten und einer Gesamtzeit von 1:14:45 überquerte er die Ziellinie als Erster. Das bedeutete Gold für Deutschland – und einen Wahnsinns-Erfolg für das Geschwisterpaar.

Henseleit-Geschwister schon lange keine Unbekannten mehr

In der Triathlon-Szene machen die Henseleit-Geschwister schon länger auf sich aufmerksam. Für Holland hatten sich beide bei einem Wettkampf im April qualifiziert. Im vergangenen Jahr hielt Franca Henseleit bei der Triathlon Super League in Jersey die komplette Welt-Spitze in Schach. Die Schongauer Nachrichten berichteten schon 2015 von den „meisterlichen Geschwistern Henseleit“.

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