Triathlet Simon Henseleit aus Steingaden; hier bei einer Trainingsfahrt 2021 mit dem Rennrad.
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Triathlet Simon Henseleit aus Steingaden; hier bei einer Trainingsfahrt mit dem Rennrad.

TRIATHLON

So bewertet Simon Henseleit seinen zehnten Platz bei der U23-WM

  • Paul Hopp
    VonPaul Hopp
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Die Medaillen waren schon vergeben, doch Simon Henseleit war das egal. Bei der U23-WM in Edmonton gab der Triathlet aus Steingaden im Finish noch einmal alles. Danach analysierte er seinen Auftritt - und zog ein klares Fazit.

Edmonton – Die Medaillen waren schon vergeben, doch Simon Henseleit war das egal. Auf dem blauen Teppich, der auf den letzten Metern hin zum Zielstrich ausgelegt war, zeigte er einen furiosen Schlussspurt und distanzierte so diverse Konkurrenten. „Mir gibt ein Zielsprint immer noch einmal enorm viel Motivation, alles zu mobilisieren“, begründete der Triathlet aus Steingaden seine finale Aktion, mit der er sich bei der U23-WM den zehnten Platz sicherte.

Das Ergebnis selbst löste bei Simon Henseleit keine Jubelstürme aus, sorgte aber doch für ein großes Maß an Zufriedenheit. „Auf diesem Niveau in den Top Ten zu landen, macht mich auf jeden Fall stolz“, teilte Henseleit nach seinem Auftritt im kanadischen Edmonton mit. Erstmals hatte er in einem offiziellen Wettkampf eine olympische Distanz absolviert. Die 1500 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen brachte er in 1:49:48 Stunden hinter sich. „Im Schwimmen hat es einfach nicht ganz gereicht, und auf dem Rad fehlte mir das gewisse Etwas, um vielleicht die Lücke alleine zufahren zu können“, analysierte er den Rennverlauf. „Mit dem abschließenden Lauf bin ich aber top zufrieden.“

Simon Henseleit zeigt eine starke Laufleistung

Als Henseleit in die dritte Disziplin startete, war klar, dass es mit einem Podestplatz nichts mehr werden würde. Mit rund 1:10 Minuten Rückstand auf die Bestplatzierten hatte er in einer kleineren Verfolgergruppe die Wechselzone erreicht. „Ich motivierte mich mit dem Gedanken, dass es auch für die vorderen Athleten auf dem Rad hart gewesen sein musste“, berichtet der Steingadener. Nach etwa fünf Kilometern „konnte ich die ersten Athleten aus der vorderen Gruppe sehen“. Zusammen mit dem Ungarn Zsombor Devay und dem Japaner Kyotaro Yoshikawa wechselte er sich nun bei der Führungsarbeit ab. „Es war faszinierend zu sehen, wie viel mir der Windschatten gebracht hat, und ich konnte meine Atmung deutlich runterbringen und mich voll auf meinen Laufschritt konzentrieren“, so Henseleit. Nach 6,5 Kilometern überholte der Steingadener zusammen mit seinen Mitstreitern einen Athleten aus der ehemaligen Spitzengruppe.

Als es in die letzte Laufrunde ging, betrug der Rückstand zum zu diesem Zeitpunkt zehntplatzierten Neuseeländer Dylan McCullough noch 15 Sekunden. Nun galt es, den Abstand zu verkürzen – und gleichzeitig die Konkurrenten abzuschütteln. Im weiteren Verlauf „war ich mir relativ sicher, dass ich der Stärkste in unseren kleinen Duell war“, so Henseleit. Rund einen Kilometer vor dem Ziel „entschloss ich mich, ,all in‘ zu gehen“. Mit einer Tempoverschärfung schloss er die Lücke zum Neuseeländer. Auf den letzten 200 Metern mit zwei 90-Grad-Kurven machte er den Top-Ten-Platz perfekt.

Um noch weiter vorn zu landen, hätte Simon Henseleit die erste Rad-Gruppe erreichen müssen. Dass das schwierig werden würde, war ihm schon vorher klar. Für die WM hatten sehr starke Schwimmer gemeldet. Zu absolvieren waren zwei 750-Meter-Runden mit einem kurzen Landgang. Dieser erwies sich letztlich als Knackpunkt. „Als ich wieder ins Wasser sprang, schoss mir richtig das Laktat in die Arme und ich musste ein paar Meter rausnehmen, um wieder meinen Rhythmus zu finden“, berichtet Henseleit. Aus fünf Sekunden Rückstand wurden so bis zum Ende des Schwimmens 22 Sekunden.

Simon Henseleit auf dem Rad in der ersten Verfolgergruppe

Henseleit war allerdings zuversichtlich, auf dem Rad die Distanz nach vorn schnell überbrücken zu können. Nach dem längeren Anstieg auf der ersten von sechs Runden, sah er, dass sich mit ihm nur vier weitere Athleten auf der Verfolgung gegen die elf Mann umfassende Spitzengruppe befanden, die gut zusammenarbeitete, gingen auf der langen Abfahrt und den Geraden immer wieder Sekunden verloren. Nach 20 Kilometern, der Hälfte der Rad-Distanz, war klar, dass es mit dem Anschluss nicht klappen würde. Die Gruppe fuhr danach nicht mehr voll am Anschlag. „Das war das erste Mal, dass ich mich etwas erholen und verpflegen konnte“, so Henseleit. Nach den Gels fühlte sich der Deutsche wieder besser und war zuversichtlich, den abschließenden 10-Kilometer-Lauf „zu ,überleben‘“.

Für Simon Henseleit war es der zweite Start bei einer Weltmeisterschaft. 2019 nahm er bei der Junioren-WM in Lausanne teil. Dort belegte er in einem taktisch geprägten Rennen über die Kurzdistanz (750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, 5 Kilometer Laufen) den zehnten Rang. Den erneuten Top-Ten-Platz, nun im Herrenbereich, „nehme ich für diesen Tag gerne“, so Henseleit.

Den WM-Titel in Edmonton gewann Csongor Lehmann in 1:46:47 Stunden. Der Ungar hatte heuer schon die Europa-Cups in Tiszaujvaros und Caorle gewonnen. Silber holte sich der amtierende deutsche Meister auf der Kurzdistanz, Tim Hellwig (1:46:51). Bronze ging an Mathew Hauser (1:46:55) aus Australien. Bei den U23-Frauen gewann Annika Koch (2:00:10) aus Hessen die Bronzemedaille.

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