Ty Morris und seine Mädels: (v.l.) Leni (12), Lotte (7), Frau Verena mit der kleinen Lou und Lexie (4).
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Ty Morris und seine Mädels: (v.l.) Leni (12), Lotte (7), Frau Verena mit der kleinen Lou und Lexie (4).

Stürmer des EC Peiting

Der Vollblut-Mädchen-Papa: Ty Morris und seine Mädelsbande

  • vonKatrin Kleinschmidt
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Seine wilde Mähne ist den Peitinger Eishockey-Fans gut bekannt: Seit 2015 stürmt Ty Morris für den Oberligisten. Doch der 37-Jährige ist nicht nur begeisterter Sportler – sondern auch Vollblut-Mädchen-Papa.

Hohenfurch – Es herrscht eine angenehme Ruhe. Ty Morris kommt raus auf die Terrasse. In T-Shirt und Shorts. Die Sonne leistet ganze Arbeit an diesem Wintermorgen. „Ganz schön ruhig hier“, sagt er und schmunzelt. Denn heute ist nach langer Zeit mal nur eine Tochter im Haus: Lou, knapp einen Monat alt. Sie schläft.

Der Blick durch den Garten lässt erahnen, dass es hier so manches Mal anders zugeht. Vom Baumhaus geht eine Rutsche herunter. Eine selbst gebaute Gartendusche lädt zum Herumspritzen ein, ein Skateboard steht herum, hinter dem Zaun haben die Kinder ein kleines Lager gebaut. Und auf der Wiese neben der Terrasse steht ein Eishockeytor, daneben liegen zwei Planen übereinander, vielleicht drei mal sechs Meter groß. Die letzten Tropfen trocknen gerade ab. Morris hatte darauf bei Minusgraden Wasser gespritzt, damit die Mädels im Garten Schlittschuhfahren konnten. „Lotte war da dreimal am Tag drauf.“

Lotte, sieben Jahre alt, ist seine zweitälteste Tochter. Zur Familie gehören noch Mama Verena (40), Leni (12), Lexie (4) und eben die Ende Januar geborene Lou. Morris hat also eine ganze Mädelsbande im Haus am Rande von Hohenfurch. Da gab’s in der Kabine des EC Peiting schon mal die eine oder andere spitze Bemerkung. Und natürlich fiel das Wort „Bixnmacher“. Typisch oberbayrischer Männerhumor eben. Der 37-Jährige schmunzelt. Damit kann ihn keiner ärgern. „Ich finde das gut, dass das alles Mädchen sind. Es passt so einfach alles zusammen“, sagt er. „Ich könnte nicht glücklicher sein.“

Tattoo mit Folgen: Alle Namen beginnen mit „L“

Morris nimmt einen Schluck aus seiner Tasse. „Familytime 2019“ steht drauf, darunter ein Familienbild. Der Kaffee tut ihm gut, ein bisschen müde sieht er aus. An der kleinen Lou liegt das nicht. „Sie ist ein braves Baby, schläft gut“, sagt er. Außerdem kümmert sich Frau Verena nachts um die Kleinste. Trotzdem: Sport, Job, vier Kinder – es schlaucht manchmal, gibt Morris zu – ohne zu jammern. Weil er das alles so will. Und weil er weiß, dass da jemand ist, der ihm viel abnimmt: Verena. „Sie ist eine starke Frau“, sagt er. „Was sie leistet, ist Wahnsinn.“

Dass sie und Ty Morris mal die Eltern von vier Kindern werden, war nie so geplant. „Wir haben nicht über Zahlen gesprochen“, sagt er. Erst kam Leni auf die Welt. Der Kinderwunsch blieb, auch nach Lotte und Lexi. Und jedes Mal war das Paar wieder neugierig, wollte während der Schwangerschaft wissen, welches Geschlecht es wird. Die Antwort der Ärzte blieb stets die gleiche. Gut so, findet Morris, der freilich auch einen Zopf binden kann. „Ich habe ja selbst einen Dutt.“

Dass alle Kindernamen mit demselben Buchstaben anfangen, war ursprünglich ebenso wenig geplant wie die Kinderzahl. Doch nachdem sich Mama und Papa ein „L“ für Leni tätowieren ließen, führten sie die Reihe so fort. Und suchten dabei Namen, „die auch meine Familie aussprechen kann“, sagt Morris, der in Kanada geboren wurde. Einem Eishockey-verrückten Land.

2006 lernte er seine künftige Frau kennen

Auch als Familienvater steht der 1,82 Meter große Stürmer in den Wintermonaten nahezu täglich auf dem Eis – sofern es nicht wie derzeit eine coronabedingte Zwangspause gibt. Bei Auswärtsspielen ist er einige Stunden weg. „Das geht nur, weil Verena mir das ermöglicht, weil wir da zusammenhalten“, sagt Morris.

So kennen ihn die Fans: Ty Morris im Trikot des EC Peiting

Die Hohenfurcherin wusste ja, worauf sie sich einlässt. Sie lernte Morris 2006 kennen. Ihm fällt die Jahreszahl nicht gleich ein, ihr schon: „Da war doch die Fußball-WM“, sagt sie. Morris nickt. „Stimmt.“ Die war gerade vorbei, als sein Flugzeug in Deutschland landete. Aber vieles war noch geschmückt. „Und an jedem Eck stand ’ne angemalte Kuh.“ Morris betrat damals eine neue Welt. Von Peiting wusste der Kanadier nichts, außer, dass dort Eishockey gespielt wurde – und das Team ihn haben wollte. Im Stadion sah er ab und an Verena, später auch mal auf einer Party. Sie gefiel ihm. „Aber sie hat es mir nicht leicht gemacht.“ Drei, vier, vielleicht war es sogar fünf Mal, dass Morris nach einem Treffen fragte. „Irgendwann hat’s geklappt.“

Nach der Saison war unklar, wie es für Morris weitergehen sollte. Er flog nach Hause, ging in Kanada arbeiten. Freundin Verena Herold besuchte ihn – gerade, als das Vertragsangebot von Peitings Konkurrent EC Bad Nauheim eintrudelte. „Wir flogen zusammen nach Deutschland.“ In eine gemeinsame Zukunft.

Deutsch lernen für eine gemeinsame Zukunft

In der dann aber eben auch deutsch gesprochen werden musste. Das machte Morris der künftige Schwiegervater, Hans-Helmut Herold, klar. „Beim Weihnachtsessen sagte er mir, dass ich deutsch lernen muss, wenn ich eine Zukunft mit seiner Tochter haben möchte.“ Er wollte, fing an zu pauken. Und beschloss, auch in der Kabine nur noch deutsch zu reden. „Klar haben sie erst gelacht“, sagt er über die Mitspieler. „Aber sie haben auch gesehen: Ich probiere es. Und haben mir geholfen.“ Längst spricht der Stürmer gut deutsch. Der kanadische Akzent gehört zu Morris wie der Vollbart und die langen Haare, die unter dem Helm hervorschauen.

Seine Deutschkenntnisse halfen ihm, beruflich Fuß zu fassen. Morris machte eine Ausbildung zum Schreiner. Mit Holz kannte sich der Kanadier aus, die deutschen Begriffe aber bereiteten ihm Kopfzerbrechen. Nach der Abschlussprüfung „pumpte mein Herz eine Woche lang vor Aufregung, bis die Ergebnisse kamen“, sagt er. Er hatte bestanden. „Ein überragendes Gefühl.“ Mittlerweile arbeitet Morris für den Eishockey-Ausrüster „Warrior“. Morris weiß schließlich, worauf es beim richtigen Schläger ankommt.

Der Papa darf ins Eisstadion, die Töchter nicht

Der Publikumsliebling ist seit 2015 im Peitinger Team und damit ein Dauerbrenner. Dank des deutschen Passes, den er 2012 erhielt, muss er nicht mit anderen Ausländern um die begehrten Kontingentstellen buhlen. Die Staatsbürgerschaft „hat mir mein Eishockeyleben in Deutschland gesichert“.

Auch wenn das mit vier Kindern nicht immer leicht ist, bleibt Morris dem zeitintensiven Wintersport treu. „Eishockey ist in meinem Blut. Solange ich ehrgeizig bin, mache ich weiter“, sagt er. „Verena würde mir das auch niemals wegreißen.“ Die Kinder allerdings, die sind heuer schon ein wenig neidisch, dass Papa aufs Eis darf. „Die hatten schnell realisiert, wie unfair das ist, dass ich spielen darf und sie nicht.“ Wegen der Corona-Pandemie dürfen Leni und Lotte, die in der Jugend der EA Schongau spielen, in diesem Winter nicht ins Stadion. Vater Ty schon, weil die Oberliga Süd als Profiliga gilt. „Das ist falsch gelaufen“, findet Morris. „Erst hätten die Kinder gefördert werden müssen, bevor die Erwachsenen spielen dürfen.“

Ändern kann er das nicht. Deshalb holt er an eiskalten Tagen den Gartenschlauch raus, legt eine eigene Eisfläche auf dem Rasen an. Selbst die vierjährige Lou stand heuer auf Schlittschuhen. Wild sind die drei Großen schon, „aktiv und immer draußen“, sagt Morris. Er ist stolz auf seine Mädelsbande. „Besser könnte unser Leben nicht sein.“

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