Tandemspringen als große Leidenschaft: Gerhard Wagner (Archivaufnahme) ermöglicht Laien ein besonderes Fluggefühl. Er selbst hat in den 1990er Jahren damit begonnen.
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Tandemspringen als große Leidenschaft: Gerhard Wagner (oben, hier eine Archivaufnahme) ermöglicht Laien ein besonderes Fluggefühl. Er selbst hat in den 1990er Jahren damit begonnen und bis dato circa 1300 Tandemsprünge absolviert.

FALLSCHIRM

Fallschirmspringer „Conan“ und seine besondere Liebe zum Wettkampf

  • Paul Hopp
    VonPaul Hopp
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Gerhard Wagner hat viele Pokale und Medaillen errungen. Doch eine Auszeichnung „hat einen besonderen Platz in der Wohnung“, sagt der Fallschirmsportler aus Schongau. Sie hat er vor 25 Jahren in Bonn bekommen.

Schongau – Gerhard Wagner hat viele Pokale und Medaillen errungen. Doch eine Auszeichnung, noch dazu eine in den Ausmaßen eher kleine, „hat einen besonderen Platz in der Wohnung“, sagt der Fallschirmsportler aus Schongau. Es handelt sich um das Silberne Lorbeerblatt samt Urkunde. Für einen Sportler in Deutschland „ist es die Auszeichnung schlechthin“, sagt Wagner..

Vor ziemlich genau 25 Jahren, am 30. Mai 1996, bekam er das Silberne Lorbeerblatt vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog. Die Zeremonie fand in Bonn statt, die Ehrung übernahm der damalige Innenminister Manfred Kanther – ein Ereignis, an das der 58-Jährige gern zurückdenkt.

Das Silberne Lorbeerblatt ist eine ganz besondere Auszeichnung

Das Silberne Lorbeerblatt ist die höchste verliehene sportliche Auszeichnung Deutschlands. Es erhalten lediglich Sportler, die entweder einen WM-Titel oder Medaillen bei Olympischen oder Paralympischen Spielen gewonnen haben. Sie müssen dafür vorgeschlagen werden. „Auch eine charakterlich vorbildliche Haltung ist unabdingbare Voraussetzung für die Auszeichnung mit dem Silbernen Lorbeerblatt“, heißt es auf der Homepage des Bundespräsidenten, der das Ehrenzeichen verleiht. Fallschirmsportler mit Silbernem Lorbeerblatt gibt es nur eine Handvoll. Einer davon ist Stefan Wiesner, der immer noch in der Altenstadter Sportfördergruppe aktiv ist und im November 2017 ausgezeichnet wurde.

Gerhard Wagner hatte in seiner Zeit als Mitglied der Sportfördergruppe Altenstadt zwischen 1984 und 1996 mehrere Medaillen bei Weltmeisterschaften in den Disziplinen „Zielspringen“ und „Stilspringen“ gewonnen. 1992 holte er sich in Spanien den WM-Titel im Zielspringen. Auch bei Europameisterschaften und deutschen Titelkämpfen stand er regelmäßig auf dem Podest. Nach seiner Karriere als Spitzensportler fungierte der Vater zweier erwachsener Kinder zwölf Jahre als Coach der Sportfördergruppe sowie als Bundestrainer. Darüber hinaus hat er sich als Veranstalter einen Namen gemacht. Wagner organisierte die Weltcup-Springen in Herzogsägmühle – bis dato gab es fünf. Die Unterstützung im Peitinger Ortsteil „war phänomenal“, sagt er. Dennoch sucht er für künftige Weltcups ein neues Gelände.

Seit 2007 ist Wagner Vizepräsident des rund 7000 Mitglieder zählenden deutschen Fallschirmspringer-Sportverbands. Im offiziellen Organigramm taucht der Schongauer als „Conan“ auf. „In der Szene kennt man mich eigentlich nur mit diesem Namen“, sagt Wagner mit einem Schmunzeln. Den Spitznamen bekam er in seinen Anfangstagen – in Anlehnung an den Arnold-Schwarzenegger-Film „Conan der Barbar“ – verpasst. „Ich war ein Fan von dem Film. Der Name ist mir geblieben.“

Schöne Erinnerung: Gerhard Wagner mit der Urkunde für das Silberne Lorbeerblatt, dass er vor 25 Jahren in Bonn überreicht bekommen hatte.

Wagner, gebürtig in Mühldorf am Inn, hatte sich freiwillig zu den Fallschirmjägern gemeldet. Seither bestimmt das Springen sein Leben. Ende 1984 kam er in die Sportfördergruppe nach Altenstadt – in der Region ist er geblieben. Mit seiner Firma „Bavaria Fallschirmsport“ bietet der Ex-Soldat noch immer Tandemsprünge an. Die Saison geht von April bis Oktober. Pro Jahr absolviere er mit Kunden um die 50 Sprünge. Wahrscheinlich, so Wagner, werde er seine Lizenz in absehbarer Zeit nicht verlängern. Tandemsprünge mache er immer noch gern, „aber es ist zeitaufwändig“.

Gerhard Wagner ist weiter im Zielspringen erfolgreich

Der Schongauer hat auch neben dem Fallschirmspringen immer gut zu tun. Seit zehn Jahren arbeitet er als Fluglotse am Tower in Altenstadt. Und mehrmals im Monat ist er als Flugleiter am Flugplatz Kempten-Durach im Einsatz. Demnächst wird sich der Schongauer in der Luft auf neues Terrain wagen: Er wird einen Gleitschirm-Lehrgang besuchen – „als Schüler“, wie er schmunzelnd betont. Sohn Tobias erwägt, ebenfalls mit dem Gleitschirmfliegen zu beginnen. Tochter Julia war für einige Zeit Mitglied der Fallschirm-Sportfördergruppe an und besitzt noch eine Lizenz.

Die klassischen Disziplinen

Beim Zielspringen versucht der Athlet, nach dem Absprung aus 1000 Metern über Grund einen am Boden befindlichen Messpunkt von zwei Zentimetern Durchmesser zu treffen. Der „Nullpunkt befindet sich in der Mitte einer elektronischen Messscheibe. Gewonnen hat, wer am Ende des Wettkampfes (8 bis 10 Runden) die geringste Abweichung (gemessen in Zentimetern) hat. Beim Stilspringen (Absprunghöhe rd. 2200 Meter) absolviert der Athlet ein Bewegungsprogramm aus Drehungen und Salti. Schiedsrichter bewerten (mit Hilfe von Kameras) den Auftritt. Gewonnen hat, wer am Ende des Wettkampfes die geringste Zeit benötigt hat. Fehler in der Ausführung führen zu Zeitaufschlägen. 

Das Hauptaugenmerk gilt weiter dem Springen. Das betreibt Wagner seit zwei Jahren auch wieder wettkampfmäßig. Der deutsche Fallschirmhersteller „Paratec“ hat ein Werksteam gegründet, diesem gehört Wagner an. Dass er es immer noch kann, bewies er im vergangenen Oktober bei der deutschen Meisterschaft. Dort gewann Wagner im Zielspringen die Master-Wertung (Athleten über 50 Jahre) und wurde in der Gesamtwertung Fünfter. Erst vor wenigen Tagen absolvierte er mit dem „Paratec Factory Team“ im italienischen Belluno einen Wettkampf. Beim „Dolomiti Cup“ sprangen für das Team „Plätze im vorderen Drittel“ heraus, wie Wagner berichtet. Für ihn und seine Kameraden bot der Wettkampf die Chance, die ersten Sprünge 2021 zu absolvieren. Corona und die Beschränkungen machen auch den Fallschirmsportlern zu schaffen. Im vergangenen Jahr fanden nur wenige Wettbewerbe statt. Den Fokus heuer hat Wagner auf die deutsche Meisterschaft gelegt.

Als internationaler Schiedsrichter ist der 58-Jährige regelmäßig gefragt. So soll Wagner heuer im Dezember bei den „6. International Parachuting Championships“ in Dubai als Offizieller fungieren. Wegen Corona wurde das Event auf Dezember verlegt. Eine Anfrage aus Russland für einen Wettkampf in Nowosibirsk musste Wagner absagen. „Man kann nicht alles machen“, sagt er fast entschuldigend.

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