Bringt neue Klasse ins Schongauer Damentennis: Liselot Prechtel aus den Niederlanden führt die Tennis-Weltrangliste der Damen 55 an und spielt für den TCS.
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Bringt neue Klasse ins Schongauer Damentennis: Liselot Prechtel aus den Niederlanden führt die Tennis-Weltrangliste der Damen 55 an und spielt für den TCS.

Tennis

Die Weltbeste spielt für Schongau und soll den TC zum Aufstieg führen

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Die Damen 50 des TC Schongau sind mit einem Derby in die Saison gestartet. Zum Auftakt gab es einen Sieg, das Ziel ist groß. 

Möchte aufsteigen: Luise Humml, Schongaus Teamführerin, gewann zum Auftakt 6:4, 6:2.

Schongau – Als Corona begann, die Welt zu umrunden, traf Luise Humml „die Lisa“. Die Lisa heißt mit bürgerlichem Namen Liselot Prechtel, war in diversen Altersklassen Welt- und Europameisterin. Derzeit führt die Niederländerin die Tennis-Weltrangliste der Damen 55 an. Im Januar schlugen sie und die Schongauer Teamführerin beim selben Turnier in Oberschleißheim auf. Weil sich die beiden kennen und verstehen, erzählte Humml von ihrem neuen Projekt und ihrer Vision: Das Damen-50-Team des TC Schongau war vorigen Sommer in die Bayernliga aufgestiegen, in die zweithöchste Liga dieser Altersstufe. Mit der Lisa, wenn sie denn Lust habe, wäre mehr möglich. Regionalliga, beste Klasse. Vor Jahren haben Humml und ihre Kolleginnen schon einmal in der edlen Gesellschaft getanzt. Da spielten sie noch Damen 40. Prechtel überzeugte die Aussicht auf stärkere Gegnerinnen. Sie schlug ein. Das durfte man damals noch. Geld kriegt sie keines vom TCS. Nur ein paar Turnierbälle hat die Mannschaft spendiert. Ein Antrittsgeschenk.

Am Samstag nun sind die Schongauer Damen 50 in die Saison gestartet. Sie besiegten Weilheim 7:2, was in vielerlei Hinsicht ein besonderes Ereignis war: erster Sieg in der Bayernliga, dann im Derby und auch noch gegen Weilheim, eines der Spitzenteams, das 2018 Meister dieser Klasse war. Doch Corona hat die Achse der Welt, die der Tenniswelt im speziellen, verbogen. So gerne Schongau aufsteigen würde, Schongau kann nicht. Der Bayerische Tennis-Verband (BTV) hat eine Übergangssaison ausgerufen. Ohne Auf- und Abstieg. Das verkompliziert die Sache für Schongau unnötig. „Ziel war, aufzusteigen“, betont Humml. So hatte sie es der Lisa angekündigt. Derzeit suchen sie nach Schlupflöchern. Denkbar wäre etwa ein Aufstiegs-Antrag an den Verband, falls sie die Bayernliga als Erste abschließen sollten. „Wir wissen das alles noch nicht“, sagt Humml.

Zuschauer derzeit noch verboten

Zunächst einmal müssen sie gewinnen. Bestenfalls jede Partie. Weilheim schätzt Humml als den „richtigen Gegner“ ein, „um zu wissen, wo wir stehen“. Sie werden sich am oberen Ende einreihen. So viel darf man schon sagen nach einer Partie. Prechtels Verpflichtung schafft angenehme Verästelungen: Alle Schongauerinnen rücken in der Setzliste einen Platz nach hinten, treffen somit auf potenziell schwächere Gegnerinnen. Die Lisa wird in dieser Liga kein Spiel verlieren, wohl auch keinen Satz, vielleicht einmal ein paar Punkte. „Die ist Wow. Eine eigene Klasse. Eine, die immer da ist. So eine wünscht man sich“, sagt Luise Humml. Ihr erstes Duell gewann die Niederländerin 6:0, 6:0. „Ich spiele einfach gerne, ob das ein schwerer oder ein einfacher Gegner ist“, sagt Prechtel. Nebenher läuft sie noch für Murnau in der Landesliga auf. Dort kann es schon einmal vorkommen, dass Lisa Prechtel, 58 Jahre alt, auf eine 14-Jährige trifft. Vorige Woche hat sie eine Eggenfelderin bezwungen, die war 27 Jahre jünger. Vom Vorstand erhielt das Team danach aber kein Lob, sondern eine Rüge. Was sei den Frauen bloß eingefallen, Zuschauer auf die Anlage zu lassen. Denn das ist aktuell noch verboten. So viele Sportarten das Virus im Schwitzkasten hält, so wenig limitiert es das Tennis. In Weilheim stellte der Klub Desinfektionsmittel auf. Die Gästeteams erhalten ohnehin eine eigene Umkleide – schon vor Corona. Seit dieser Woche darf man unter Auflagen die Duschen wieder nutzen.

Umarmung und Handschlag sind auf dem Platz verboten

Nur auf dem Platz müssen sich die Damen an eine wesentliche Änderung gewöhnen: Man hat ihnen die Umarmung verboten, auch den Handschlag. „Fehlt mir schon, beim Doppel abzuklatschen“, sagt etwa Ulrike Chab, die Spielführerin aus Weilheim. Aber für eine Saison könne sie auch darauf verzichten. Vor ein paar Wochen, als der Verband die Saison aufschob, fragte sie alle gegnerischen Mannschaften der Bayernliga: „Lohnt es sich? Unsicherheit war da.“ Aber dann lockerte die Bayerische Regierung. Bis auf ein Team machen alle mit. Neun Klubs, der letzte Spieltag findet am 1. August statt. Daheim in Schongau. Vielleicht der Termin der Meisterfeier. Wer weiß das schon in diesen Zeiten?

TC Weilheim – TC Schongau 2:7

Einzel: Sabine Diesel-Kemper - Liselot Prechtel 0:6, 0:6; Christine Reiser - Luise Humml 4:6, 2:6; Ulrike Chab - Paula Feith 1:6, 4:6, Christiane Rill - Monika Habersetzer 1:6, 3:6; Ruth Schütz - Cilly Gratz 6:3, 6:3; Christiane Quint - Sabine Hutter 6:0, 6:0. Doppel: Diesel-Kemper/Quint - Prechtel/Humml 4:6, 2:6; Chab/Rill - Feith/Habersetzer 3:6, 2:6; Reiser/Schütz - Alexandra Sturm/Gratz 0:6, 1:6

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