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Mega-Langlauf-Spektakel: Beim Wasalauf in Schweden gehen jährlich rund 16 000 Langläufer an den Start. Am ersten Anstieg kommt es regelmäßig zu Superstaus. 

Wildsteiger startet beim Wasalauf

Brüder in der Spur der Väter

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Jürgen Treude erfüllt sich einen Traum. Der Wildsteiger startet beim Wasalauf, dem größten Langlauf-Rennen der Welt. Gemeinsam mit seinem Bruder Harald. Sein Ziel ist ein Platz unter den Top-300. Um den zu erreichen, muss er vor allem eines: früh aufstehen.

Wildsteig – Jürgen Treude muss am Sonntagmorgen richtig schnell sein. Die erste Etappe des Wasalaufs in Schweden, dem weltgrößten Langlauf-Rennen, beginnt schließlich schon lange vor dem eigentlichen Startschuss. Ab 5 Uhr bilden sich lange Schlangen vor dem Startbereich – obwohl dieser erst um 6 Uhr geöffnet wird. Das Rennen beginnt sogar erst um 8 Uhr.

Es geht darum, sich einen guten Platz in seiner Startgruppe zu sichern, seine Skier möglichst weit vorne abzulegen. Der frühe Vogel kriegt die beste Spur. Es ist ein bisserl wie Kampf um die Sonnenliegen im Sommer-Urlaub. Nur eben mit Langlaufskiern. Wer zu spät kommt, muss sich weit hinten anstellen. Und das kann die Teilnehmer mehrere hundert Plätze kosten. Bevor das Rennen überhaupt begonnen hat.

300.000 Läufer und Fans

Seit 1922 findet der Lauf statt. Die Zeitung „Vestmanlands Läns Tidning“ hatte damals einen Gedenklauf für den Freiheitskämpfer und späteren König Gustav Vasa ausgerufen. Es ist Schwedens größtes Sportereignis. Ein Volksfest. 300 000 Skilangläufer und Zuschauer zieht es jedes Jahr in die abgeschiedene Waldregion am Siljansee, wo noch Elche und Bären leben. Zwischen den Kleinstädten Sälen und Mora gilt es, 90 Kilometer auf perfekt präparierten Loipen zu absolvieren.

Mit Vollgas nach vorne: Der Wildsteiger Jürgen Treude startet am Sonntag beim Wasalauf in Schweden. Sein Ziel: ein Platz unter den ersten 300. 

Treude (34), der gebürtig aus Winterberg stammt, ist zum ersten Mal dabei. Gemeinsam mit seinem Bruder Harald (40). Für beide geht ein Traum in Erfüllung. Den ersten Teil der Strecke wollen sie zusammen in Angriff nehmen. Als Team Treude. Sie werden sich gegenseitig pushen und unterstützen. Das Ziel will er aber vor seinem älteren Bruder erreichen. „Normalerweise bin ich schneller als er. Er hat mich heuer aber auch schon einmal geschlagen. Ich hoffe, diesmal bin ich wieder vorne“, sagt er und lächelt.

Lange Wartezeit am ersten Anstieg

Der erste Anstieg gleicht einem Nadelöhr. Es kommt zum Mega-Stau. Bis zu einer Stunde Wartezeit müssen die Letzten hier einplanen, bis sie richtig loslaufen können. Treude hat Glück. Er darf in der zweiten Gruppe, direkt hinter der Elite, starten. Er wird wahrscheinlich gut durchkommen. Die Position hat er sich mit guten Platzierungen bei anderen Rennen erlaufen. Sein Ziel beim Wasalauf: Ein Platz unter den ersten 300. „Das sollte zu packen sein“, sagt er. „Aber abwarten, wie ich auf der Strecke zurechtkomme.“

Klar ist, dass er nicht um den Sieg mitlaufen wird. Schließlich sind zahlreiche Profis am Start. Und als solchen will sich Treude nicht bezeichnen. Langlaufen ist sein Hobby. Seine Brötchen verdient der gelernte Metallbauer bei der Firma Franz Mayr in Böbing. Sein Arbeitgeber unterstützt ihn nach Kräften, lässt auch mal ein kleines Sponsoring springen oder stellt einen Raum als provisorische Ski-Werkstatt zur Verfügung.

Läufer verlieren drei Kilo

Im Morgengrauen geht es dann am Sonntag durch Wälder, vorbei an Bauernhöfen und durch kleine Dörfer. Die Beanspruchung ist hoch. Durchschnittlich braucht ein Teilnehmer achteinhalb Stunden für die 90 Kilometer. Verliert dabei drei Kilogramm Körpergewicht. Am späten Vormittag ist das Feld weit auseinandergezogen. In kleinen Grüppchen quälen sich die Läufer voran. Immer wieder geht es tief hinein in Waldgebiete, die für Zuschauer nur schwer zugänglich sind. Minutenlang sind die Teilnehmer dann allein unter sich.

Treude ist gut vorbereitet. 1600 Schneekilometer hat er in diesem Winter schon abgespult. Die meisten davon auf den Loipen rund um seine Wahlheimat Wildsteig. Rund zehn Stunden pro Woche verbringt er mit Training. Oft ist er mit der Stirnlampe unterwegs, zieht spät abends seine Runden. Das zahlt sich aus. Die Form stimmt. Bei den sogenannten Euroloppet-Rennen war er heuer immer unter den Top-15. Beim größten deutschen Volkslauf, dem König Ludwig Lauf in Oberammergau, kam er vor ein paar Wochen als 28. ins Ziel. Für die 42 Kilometer in klassischer Technik benötigte er rund zwei Stunden.

Beim Wasalauf erreichen nach gut vier Stunden die ersten Läufer Mora. Auf der Hauptstraße ist das Ziel. Ein Holztor. Dessen Inschrift lautet: „In der Spur der Väter, für die Siege der Zukunft“. Gleich dahinter liegt das Wasalauf-Museum. Als Preisgeld gibt es für den Sieger nur 7350 Euro. Aber eigentlich gewinnt jeder, der die 90 Kilometer übersteht – und morgens früh an der Loipe ist.


mit DPA

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