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Auch der Pöckinger Sportpark bleibt bis auf Weiteres geschlossen: Sascha Assmann, Mitglied der Fußballabteilung beim SC Pöcking-Possenhofen, brachte am Freitag die Sperrungs-Schilder am Eingangstor an.

Bayerischer Fußball-Verband ordnet Spielpause an

„Das wird ein Chaosjahr für den Fußball“

  • Michael Baumgärtner
    vonMichael Baumgärtner
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Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) hat am Freitagvormittag den Spielbetrieb im gesamten Freistaat eingestellt. Funktionäre und Trainer im Landkreis beurteilen die Entscheidung einhellig als richtig.

Landkreis – Zumindest bis einschließlich 23. März ruht in ganz Bayern der Fußball. „Als Vorsorgemaßnahme hinsichtlich der weiter steigenden Zahl von Corona-Infizierten“, heißt es unter anderem in der Presseerklärung, die der BFV am Freitag verschickt hat (siehe Kasten unten). Stefan Schwartling begrüßt die Maßnahme. Allerdings geht sie ihm nicht weit genug. „Man sollte jetzt einen kompletten Schnitt machen und die Saison, wie in anderen Sportarten bereits geschehen, beenden. Einfach zwei Monate dicht machen, das wäre das Vernünftigste“, sagt der Abteilungsleiter des TSV Gilching-Argelsried. Weil die Gemeinde das gesamte Sportgelände für jeglichen Sportbetrieb gesperrt hat, können die Mannschaften auch nicht trainieren – was auch die Empfehlung des BFV ist. Deshalb versteht Schwartling nicht, „warum der Verband weniger als die Bundesliga macht, die ab nächsten Dienstag bis nach der Länderspielpause bis 2. April ihre Spiele aussetzt“.

Schwartling favorisiert die drastische Lösung, obwohl sie für seinen Verein einen enormen finanziellen Verlust bedeuten würde. „Wir hätten noch sechs Heimspiele, da gingen uns mit Zuschauereinnahmen und Kioskbetrieb etwa 10 000 Euro ab“, erklärt der Spartenchef des Landesligisten. Außerdem ist noch nicht geklärt, ob und wie die Aufwandsentschädigungen für die Spieler weiter gezahlt werden. Schwartling mutmaßt: „Das muss bei uns wohl der Finanzausschuss entscheiden.“ Ähnlich sieht es mit den Gehältern für die Trainer aus.

Wie Schwartling begrüßt auch Isi Yilmaz die BFV-Maßnahme. „Man muss zwar nicht in Hysterie verfallen, aber man muss einfach vorbeugen“, sagt der Vorsitzende des Bezirksligisten SC Pöcking-Possenhofen. Auch er plädiert dafür, die Saison sofort zu beenden, „dann weiß man, woran man ist“. Und wie soll es dann nächste Saison weitergehen? Wer soll auf-, wer absteigen? Da ist sich Yilmaz mit nahezu allen befragten Verantwortlichen einig: „Man muss den Resetknopf drücken und alles auf Null stellen und dann im Sommer eine neue Saison mit den gleichen Teams wie bisher anfangen. Einen Tod muss man halt sterben. Sportliche Erfolge sind nicht so wichtig, wenn die Welt brennt.“

Florian Garke stößt ins gleiche Horn, auch wenn er sich noch nicht festlegen will, ob die Saison vorzeitig beendet werden soll. „Ich denke jetzt nur von Tag zu Tag. Gefühlt ändert sich ja alle zehn Minuten die Lage. Keine Ahnung, ob man jetzt gleich ganz Schluss machen soll“, sagt der Abteilungsleiter des MTV Berg. Dennoch befindet er die Entscheidung des BFV als notwendig. „Wie sollen wir das den Eltern erklären, dass bei uns trainiert und gespielt wird, wenn ab Montag alle Schulen und Kitas dicht sind?“, gibt er zu bedenken. Außerdem möchte er als Vereinsvertreter nicht die Verantwortung dafür übernehmen, wenn sich ein Spieler anstecken sollte. „Unsere Kinder und Jugendlichen können ja privat kicken gehen“, meint Garke. Auch er erachtet es als sinnvoll, dass man die nächste Saison bei Null anfängt, sollte tatsächlich diese Spielzeit gar nicht mehr angepfiffen werden. Wenngleich: „Eine gerechte Lösung wird es nicht geben.“

Gautings Trainer Uwe Lehner geht die Anordnung des BFV nicht weit genug. Seiner Meinung nach müsste man die Spiel- und Trainingspause „mindestens verlängern, am besten aber komplett abbrechen“. In einer solchen Ausnahmesituation „muss das der Fußball akzeptieren“. Auch für Franz Möhwald hat der Fußball-Verband „viel zu spät reagiert“. Für den Trainer des TSV Pentenried steht ohnehin fest: „Das wird ein Chaosjahr für den Fußball.“ Das jedoch sei zweitrangig. Möhwald appelliert an seine Trainerkollegen: „Der Egoismus muss jetzt zurückgestellt werden. Man muss auch an seine Mitmenschen denken.“

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