1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport
  4. Landkreis Starnberg

Der Trainer mit den Schutzengeln: Ex-Fußballcoach Lothar Böhm sprang dem Tod von der Schippe

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Ernstberger

Kommentare

Ein knappes Jahr Cheftrainer: Lothar Böhm (hinten r.) beerbte 1984 Rudi Zeiser (l.) bei der SpVgg Starnberg (Mannschaftsfoto der Reserve).
Ein knappes Jahr Cheftrainer: Lothar Böhm (hinten r.) beerbte 1984 Rudi Zeiser (l.) bei der SpVgg Starnberg (Mannschaftsfoto der Reserve). © Repro Thomas Ernstberger

Lothar Böhm sprang einst dem Tod von der Schippe - dank dreier Schutzengel. Der Ex-Fußballtrainer aus Starnberg ist Teil unserer Serie „Aufgespürt - was wurde aus...?“.

Starnberg – Bei den Recherchen zur „Aufgespürt“-Serie ist immer wieder die gleiche Frage aufgekommen: „Wie geht’s Lothar Böhm?“ Das soll an dieser Stelle beantwortet werden: Der frühere Fußballtrainer ist heute 79 Jahre alt und lebt mit seiner Frau Elfriede, mit der er seit 57 Jahren verheiratet ist, ein bisschen zurückgezogen in Starnberg.

Große Unternehmungen wie kürzlich den Besuch des Gedenkgottesdienstes für seinen Freund Karl Geitner, den ehemaligen Vizepräsidenten der SpVgg Starnberg, schafft Lothar Böhm wegen diverser körperlicher Probleme kaum mehr. Aber er ist geistig topfit und freut sich, wenn er über alte Zeiten plaudern kann. Und vor allem: Böhm ist glücklich, dass er noch auf dieser Welt ist.

In Starnberg haben sie zu meiner Frau gesagt: In drei Tagen ist er tot.

Lothar Böhm über seine Blutvergiftung vor 22 Jahren

Der Grund liegt mittlerweile 22 Jahre zurück. Eine Sepsis, also eine Blutvergiftung, hätte ihn um ein Haar das Leben gekostet. Am 3. Oktober 1999 kam er ins Krankenhaus. „Da war ich praktisch tot“, erzählt er. Die Ärzte in Starnberg und Tutzing gaben ihm nur noch ein paar Tage: „In Starnberg haben sie zu meiner Frau gesagt: In drei Tagen ist er tot.“

Ursache für die Sepsis war eine Spritze: „Ich war wegen Rückenproblemen in Behandlung und bekam drei Spritzen in den Rücken und ins Gesäß. Eine war nicht sauber.“ Böhm gibt zu: „Seither habe ich eine Heidenangst vor Spritzen.“

Die drei Schutzengel von Lothar Böhm

Damals standen seine Chancen extrem schlecht. Doch Böhm hatte drei ganz besondere Schutzengel. Zunächst einmal seine Ex-Schwiegertochter Brigitte, die im Tutzinger Krankenhaus arbeitete. Sie ließ ihn auf die dortige Intensivstation bringen und stellte den Kontakt zu zwei Professoren her, die an einem Projekt über Möglichkeiten der Blutreinigung arbeiteten.

„Auch da hieß es erst mal: In ein, zwei Tagen ist alles vorbei. Ich war aber zum Glück körperlich noch so gut beinander, dass ich in das Projekt mit einbezogen und mit den Mitteln behandelt werden konnte“, erinnert sich Böhm. „Dadurch haben mir die beiden Professoren in Tutzing das Leben gerettet“ – seine anderen beiden Schutzengel. Und er weiß noch: „Die Ärzte haben ganz schön gestaunt, als mich meine Frau abgeholt hat. Sie konnten es gar nicht glauben, dass ich überlebt hatte.“

Böhm verbringt den Großteil seines Fußball-Lebens bei der SpVgg Starnberg

Gut möglich, dass ihm auch seine gute Konstitution aus einem langen Sportlerleben half. Lothar Böhm begann schon als Achtjähriger unter dem legendären Jugendleiter Georg Schiller (1934 bis 1974 im Amt) bei der SpVgg Starnberg mit dem Fußballspielen. Fritz Groll war mit im Team. Unter Trainer Max Fundeis kickte er in den Siebzigern als rechter Verteidiger in der Ersten – unter anderen an der Seite von Vereinslegende Alfred „Buale“ Haas.

Böhms Trainerkarriere begann ein Jahrzehnt später. Zunächst als Coach der Jugendmannschaft, in der sein Sohn Andi (56) – später Spieler in Tutzing und Grünwald sowie Trainer unter anderem in Wolfratshausen und Weßling – spielte. „Wir waren nah dran, in die Bayernliga aufzusteigen“, erzählt Lothar Böhm.

1984 beerbt Lothar Böhm Meister-Löwe Rudi Zeiser als Chefcoach in Starnberg

In der Saison 1984/85 wurde er, mittlerweile Trainer der Starnberger Reserve, zum Assistenten von Chefcoach Rudi „Fuchse“ Zeiser, dem Meister-Löwen von 1966, der die SpVgg aus der Bezirks- in die Landesliga führen sollte. Der Ex-Profi wurde allerdings schon nach zwei Spieltagen gefeuert – wegen vereinsschädigenden Verhaltens. Der 1993 auf Bahngleisen in München unter nie geklärten Umständen tödlich verunglückte Zeiser hatte öffentlich verkündet: „Die Starnberger Verantwortlichen verstehen nichts vom Fußball.“

Heute verfolgt Lothar Böhm Fußball nur noch am Fernseher.
Heute verfolgt Lothar Böhm Fußball nur noch am Fernseher. © Privat

Böhm rückte zum Chefcoach auf, schaffte aber wie seine Vorgänger den Aufstieg nicht und wurde am Ende der Saison von Sigi Daschner abgelöst. „Die wollten mich nicht mehr“, sagt der Geschasste heute und erinnert an die Toptruppe: „Torwart Hans Estner war überragend, Herfried Ruhs und Richard Mamajewski waren Superspieler, und Stürmer Joe Schuster war blitzschnell und hat seine Tore gemacht.“

Niedergang des Fußballs in Starnberg laut Böhm „eine Katastrophe“

Danach verließ Böhm, der bis zu seiner Krankheit bei Rodenstock in der Entwicklungsabteilung arbeitete, erstmals die SpVgg. Abteilungsleiter Günter Neubig holte ihn als Trainer zu A-Klassist TSV Tutzing, wo er mit Spielern wie „Strafraumgespenst“ Jogi Schwinghammer, Viro Pocchiesa und den Threm-Brüdern Didi und Wolfgang arbeitete.

Nach zwei Jahren bei den Grünhemden ging’s für zwei Spielzeiten zum TSV Gilching-Argelsried, anschließend zum FC Ludwigsvorstadt München, bevor Böhm noch einmal die Reserve der SpVgg übernahm. „Das war’s dann“, erzählt er. „Danach habe ich meine Trainertätigkeit beendet.“

Und interessiert sich der ehemalige Coach noch für Fußball? „Natürlich“, sagt er. „Vorm Fernseher halt. Ich bin nach wie vor sehr sportbegeistert, schaue aber nicht nur Fußball.“ Für wen sein Herz schlage? Da gibt sich der „ehemalige Blaue“ diplomatisch: „Ich verfolge 1860 in der dritten Liga genauso wie die Bayern in der Champions League.“ Und was sagt Lothar Böhm zum Niedergang des Starnberger Fußballs, für den er so viel getan hat? Da muss er nicht lange nachdenken: „Das ist eine Katastrophe.“

Thomas Ernstberger

Auch interessant

Kommentare