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Ein fast schon historischer Sieg: Die Herrschinger Volleyballer bejubeln den ersten Erfolg gegen Friedrichsh afen. 

Volleyball

Magischer Abend am Ammersee

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Der Bann ist gebrochen: Im 14. Aufeinandertreffen konnten die Bundesliga-Volleyballer des TSV Herrsching erstmals den Deutschen Rekordmeister VfB Friedrichshafen bezwingen.

HerrschingEs war wieder einer dieser magischen Abende. Auch wenn man mit Superlativen vorsichtig umgehen sollte: Der knappe, aber nicht unverdiente 3:2 (18:25, 25:23, 22:25, 25:16, 15:8)-Heimsieg der WWK Volleys Herrsching am Samstag gegen den VfB Friedrichshafen darf durchaus als historisch bezeichnet werden. Im 14. Versuch war es der erste Sieg für die Ammerseer über die Bodenseer. „Endlich, endlich haben wir es geschafft“, jubelte Herrschings Trainer Max Hauser nach dem 115-Minuten-Krimi. „Die zwei Punkte sind enorm viel wert“, sagte Hauser angesichts einiger bereits liegengelassener Zähler im bisherigen Saisonverlauf. In der Tabelle bleibt Herrsching auf dem fünften Rang und konnte den Vorsprung auf den ersten Nicht-Playoff-Platz auf acht Punkte ausbauen.

Die 1000 Zuschauer in der erstmals in dieser Saison ausverkauften Herrschinger Nikolaushalle erlebten mal wieder ein Auf und Ab der Gefühle. Auch Hauser lobte das Publikum: „Die Stimmung war einfach gigantisch.“ Gedrückte Stimmung herrschte nach der Partie dagegen in der Gästekabine. „Wir haben eineinhalb Sätze lang gut gespielt“, sagte Friedrichshafens Trainer Michael Warm. „Danach haben wir Herrsching stark gemacht, indem wir unser Spiel nicht mehr durchgezogen haben. Wir wissen, dass uns das nicht passieren darf, denn diese Chancen hat Herrsching genutzt.“ Patrick Steuerwald, seit dieser Saison Co-Trainer des VfB Friedrichshafen, hatte sich die Rückkehr an seine ehemalige Wirkungsstätte anders vorgestellt. „Verlieren ist die eine Sache“, aber mit der Art und Weise zeigte sich der 33-Jährige alles andere als zufrieden. Noch unzufriedener war Friedrichshafens Statistiker Radomir Vemic. Der Serbe wütete auf der Pressetribüne wie ein Irrwisch und musste nach der Niederlage von Steuerwald beruhigt werden.

Auf 20 Prozent hatte Hauser die Siegchancen seiner Mannschaft vor dem Südderby gegen den Deutschen Rekordmeister und -pokalsieger taxiert, zumal mit Jalen Penrose und Jori Mantha zwei Stammspieler eigentlich ins Bett statt auf das Feld gehört hätten. Beide waren krank. Auch Hauser schleppte einen fiesen Husten mit sich rum, trotzte diesem aber. „Da haben wir immer 0:3 verloren, wenn ich gefehlt habe“, lautete die Erklärung des 35-Jährigen.

Nachdem der erste Satz klar mit 25:18 an die Gäste gegangen war, standen die Chancen noch schlechter als 20 Prozent. Doch die Herrschinger bissen sich in die Partie hinein und boten den zuvor noch ungeschlagenen Gästen ordentlich Paroli. Mit 16:20 lagen die Hausherren bereits zurück (Hauser: „Wir waren ganz schön down“), doch wenn es etwas gibt, was das Herrschinger Team in dieser Saison auszeichnet, dann ist es dieser eiserne Wille. Mit vereinten Kräften, vor allem im Block, drehten die WWK Volleys den Durchgang noch zu ihren Gunsten (25:23).

Bereits diesen Satzgewinn feierten die Zuschauer wie einen Sieg. Doch die Häfler, angefeuert von knapp 30 mitgereisten Fans, erhöhten wieder die Schlagzahl und sicherten sich den dritten Umlauf (22:25). Doch anstatt den Sack zuzumachen, ließen die Gäste die Hausherren wieder gewähren. Und wie. Fast schon nach Belieben punktete die Hauser-Crew und holte sich deutlich mit 25:16 den Satzausgleich. Hallensprecher Alexander Tropschug wagte ein vorzeitiges Sieger-Tänzchen, und auch auf den Rängen hielt es keinen mehr auf den Sitzen. „Während bei Friedrichshafen die Köpfe sanken, haben wir immer euphorischer gespielt“, meinte Ferdinand Tille. Der 30-jährige Libero war einmal mehr der Turm in der Abwehr und Annahme.

Im Tie-Break gelang den Hausherren dann praktisch alles, die Gäste ihrerseits spielten fahrig und ideenlos. „Wir sind komplett auseinandergebrochen“, resümierte Steuerwald. Ein Servicewinner von Dorde Ilic zum 15:8 besiegelte schließlich den ersten Herrschinger Sieg gegen Friedrichshafen.

Damit darf Max Hauser wieder ein Häkchen auf seiner ganz persönlichen To-do-Liste als Herrschinger Trainer setzen. Jetzt hat er gegen jedes Bundesliga-Team mindestens einmal gewonnen. Den nächsten Karriere-Höhepunkt kann Hauser mit seinem Team am kommenden Sonntag erreichen. Dann reisen die Ammerseer im Pokalhalbfinale zum Liga-Primus Berlin Recycling Volleys.

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