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Richtiges Signal – mit Abstrichen: Handballer im Landkreis begrüßen Saisonunterbrechung

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Von: Christian Heinrich

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Klaus Schmid, Handball-Trainer des TSV Gilching, echauffiert sich in einer Auszeit.
Die Unvernunft vieler Menschen nervt Klaus Schmid. Der Gilchinger Trainer glaubt nicht, „dass jetzt alle die Füße stillhalten“. Eine Saisonfortsetzung in drei Wochen sieht er daher skeptisch. © Andrea Jaksch

Im Landkreis Starnberg sieht man die Unterbrechung der Handball-Saison positiv. Einzig die Dauer der Pause stellt der eine oder andere Funktionär infrage.

Landkreis – Anfang dieser Woche hat Kurt Neumaier einen Anruf aus Simbach erhalten. Der Trainer der Herrschinger Handballer wurde gefragt, ob die Partie zwischen den beiden TSVs am Wochenende stattfindet. Neumaiers Eindruck nach dem Telefonat: „Simbach hätte zu 100 Prozent gespielt.“ Obwohl zu diesem Zeitpunkt sowohl im Landkreis Starnberg als auch im Landkreis Rottal-Inn, wo Simbach liegt, der Inzidenzwert der in den letzten sieben Tagen mit Corona infizierten Menschen die kritische Marke längst überschritten hatte. Die Frage, ob die Begegnung ausgetragen wird oder nicht, hat sich seit Mittwoch von selbst erledigt, nachdem der Bayerische Handball-Verband (BHV) die kommenden drei Spieltage für den gesamten Freistaat komplett abgesagt hat.

„Ich finde, dass es das richtige Signal ist, um endlich eine einheitliche Regelung zu haben“, kommentiert Veronika Jakob die Entscheidung des Verbands im Hinblick auf die zahlreichen Begegnungen, die seit dem Saisonauftakt Anfang Oktober bereits abgesagt wurden. Die kommissarische Abteilungsleiterin des SC Weßling hatte ihre Sparte ohnehin schon in den Ruhemodus versetzt.

Das Training bei den Damen ist bis Ende Oktober ausgesetzt, auch die Minis und die D-Jugend dürfen wegen der rasant steigenden Corona-Infizierungen vorerst zu Hause bleiben. „Ich habe das Gefühl, dass die Trainer schon vernünftig mit dem Thema umgehen“, sagt Jakob. Ihre Übungsleiter räumten der Gesundheit den größeren Stellenwert ein als dem Sport.

Aufatmen nach der Entscheidung des Bayerischen Handball-Verbands (BHV)

Dass die Spitzenfunktionäre nach langer Funkstille nun ähnlich denken, sorgt auch bei Christina Reich für Aufatmen. „Ich bin froh, dass der BHV den Vereinen die Verantwortung abgenommen hat“, sagt die Abteilungsleiterin des TSV Herrsching. Vor einer Woche sah sie sich noch selbst zum Handeln genötigt, weil der Verband den Vereinen die Entscheidung selbst überließ, ob sie ihre Spiele in Risikogebieten austragen wollen oder nicht. Reich sagte daraufhin alle Partien ihrer Mannschaften ab und wurde mit ihrer Entschlossenheit auch zum Vorbild für andere Vereine.

Allerdings ist der Spielbetrieb zunächst nur für die kommenden drei Spieltage ausgesetzt. Bis zum 4. November will der BHV dann mitteilen, ob und wie die Runde nach der Pause wieder aufgenommen wird. Klaus Schmid, Trainer des TSV Gilching, rechnet damit, dass die Infektionszahlen weiterhin steigen: „Ich glaube, dass es in den nächsten drei Wochen eher schlechter statt besser wird.“

Herrschings Coach Neumaier würde 2020 nicht mehr spielen

Schmid geht weiter von der Unvernunft der Menschen aus, die Vorgaben der Regierung zu unterlaufen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jetzt alle die Füße stillhalten.“

Das müssen aber nun die Handballer in Bayern zumindest für die kommenden drei Wochen tun. „Was mache ich in dieser Zeit?“, fragt sich nicht nur Kurt Neumaier. Zumal nicht einmal feststeht, ob die Kommunen unter dem Eindruck rasant steigender Werte die Vereine in ihre Hallen lassen. „Ich selber hätte die Entscheidung getroffen, 2020 nicht mehr zu spielen“, sagt Herrschings Coach. Er hätte sich den radikalen Schnitt gewünscht, um im nächsten Jahr mit entsprechender Vorlaufzeit einen neuen Versuch zu wagen, die Saison wiederzubeleben.

hch

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