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Vlado Verusevic (r. bei der Begrüßung durch Manager Werner Anzill) stand nur wenige Minuten bei der SpVgg Starnberg auf dem Platz.

Die bittere Geschichte des hochkarätigen Vorstoppers

Vlado Verusevic - Karriereende bei der SpVgg Starnberg nach nur 27 Minuten 

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Die SpVgg Starnberg war einst immer wieder für verwunderliche, seltsame und Schlagzeilen-trächtige Erinnerungen gut. Es gab aber auch unglückliche Geschichten.

VON THOMAS ERNSTBERGER

Wie die von Vlado Verusevic, damals 27 Jahre alt und Vorstopper beim SV Türk Gücü München. Sie begann im Prinzip schon im Dezember 1988. Da vermeldete SpVgg-Präsident Jochen Kress, der Mann der großen Sprüche, den Wechsel des Abwehrspielers nach Starnberg als perfekt: „Es ist alles klar. Er wird am 1. Februar seinen Dienst bei uns antreten.“ Nicht nur Trainer Gerd Ritzer freute sich über die versprochene Verstärkung, denn sein Landesliga-Team steuerte zwar auf Bayernliga-Aufstiegskurs hin, pfiff aber personell aufgrund einer Reihe von Verletzungen aus dem letzten Loch.

Aber die SpVgg wäre nicht die SpVgg gewesen, wäre die Verpflichtung vor 30 Jahren ohne Probleme über die Bühne gegangen. „Der Wechsel ist leider geplatzt“, verkündete Starnbergs Manager Werner Anzill Anfang Februar 1989. Nur eine Woche später die Rolle rückwärts: Bei der Abfahrt ins zweitägige Trainingslager nach Garmisch-Partenkirchen tauchte Verusevic plötzlich auf, fuhr mit und zeigte gleich, was er noch drauf hat – trotz OP nach einer schweren Knieverletzung, die er sich ein Jahr zuvor zugezogen hatte. „Wir haben gesehen, dass er wieder völlig gesund und ein hervorragender Fußballer ist. Mit ihm hätten wir wieder ein echtes Abwehrbollwerk“, urteilte der damalige Vizepräsident, Michael Conradt, über den sofort spielberechtigten Jugoslawen. Das letzte Wort hatte der Trainer. Und Ritzer entschied sich nach mehreren überzeugenden Trainingseinheiten für die Verpflichtung Verusevics. „Wir waren uns sicher, dass er eine echte Verstärkung für uns wird“, erinnert sich der damalige Coach.

Aber es kam ganz anders. Am 11. März startete Starnberg mit dem Heimspiel gegen Aindling in die Rückrunde. Beim 2:1-Sieg stand der Neuzugang in der Startelf. Aber nur exakt 27 Minuten: Beim Aindlinger Führungstreffer verletzte sich Verusevic erneut am operierten Knie und musste das Feld räumen. Aus „ein paar Tagen Pause“ wurden zunächst ein paar Wochen, dann ein paar Monate – und schließlich das Karriereende des Abwehrmannes. Ritzer: „Das war wirklich traurig. Da kämpft man ewig um einen Spieler, und dann kommt er gerade mal eine halbe Stunde zum Einsatz.“ Damit war er der Starnberger, der mit den wenigsten Spielminuten zum Aufstieg beitrug.

Verusevic war aber nicht der einzige „Winterwechsel-Pechvogel“ der Starnberger. Christian Feicht (damals 24), der Torjäger, der vom TSV Herrsching zur SpVgg gekommen war, lag nach einer Blinddarm- und einer weiteren OP im Magenbereich sechs Wochen im Seefelder Krankenhaus. Einen Tag nach dem ersten Training wurde er eingeliefert, einen Tag vor dem ersten Spiel entlassen. „Ich hoffe, dass ich es noch auf ein paar Kurzeinsätze bringe“, sagte er damals. Er schaffte es: Der Stürmer wurde fünfmal eingewechselt. Feicht ist nach dem Aus beim TSV Oberalting mittlerweile Trainer der zweiten Mannschaft des SC Oberweikertshofen. Zu Verusevic gibt es keinen Kontakt mehr.

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