Stark angefangen, stark nachgelassen: Nadine Böhm (r.) und Ann-Christin Goliaß brachen gegen Ende der 470er-WM in Vilamoura (Portugal) ein.
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Stark angefangen, stark nachgelassen: Nadine Böhm (r.) und Ann-Christin Goliaß brachen gegen Ende der WM ein.

Segel-WM der 470er

Traum von Tokio geplatzt: Böhm/Goliaß und Diesch/Autenrieth verpassen Olympia-Tickets überraschend deutlich

  • vonChristian Heinrich
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Sie hatten das Olympia-Ticket im Visier, doch der Plan scheiterte. Die Segel-WM der 470er in Portugal verlief für drei Sportler vom Starnberger See enttäuschend.

Starnberg/Tutzing – Die Olympischen Sommerspiele in Tokio finden in diesem Jahr ohne ein Segel-Team vom Starnberger See statt. Sowohl Nadine Böhm und Ann-Christin Goliaß (Deutscher Touring Yacht-Club) als auch Simon Diesch (Württembergischer Yacht-Club) und Philipp Autenrieth (Bayerischer Yacht-Club) gingen bei der Weltmeisterschaft der 470er in Vilamoura (Portugal) leer aus.

Bei den Damen landeten die beiden Tutzingerinnen nur auf dem 21. Platz und waren damit das schwächste von insgesamt vier Teams des Deutschen Segler-Verbands (DSV) bei der WM. Das Olympia-Ticket, das sich Deutschland als Nation schon vorher gesichert hatte, heimsten Luise Wanser und Anastasiya Winkel vom Norddeutschen Regatta Verein ein.

Deutschland verpasst das Nationenticket im Segeln für Olympia 2021

Bei den Männern kämpften Diesch/Autenrieth sowie die Mecklenburger Malte Winkel und Matti Cipra vergeblich unter der Flagge des DSV um den letzten freien europäischen Nationenplatz für Tokio. Der ging verdient an das portugiesische Duo Diego und Pedro Costa, die hinter Anton Dahlberg und Frederik Bergström Vizeweltmeister wurden. Diesch und Autenrieth landeten dagegen nach elf Wettfahrten abgeschlagen auf dem 15. Rang und damit zwei Plätze vor ihren nationalen Kontrahenten.

„Bei solchen Regatten spielen immer auch die Nerven eine Rolle“, kommentierte Ilja Wolf aus der Ferne das Abschneiden der Crew. Der Manager aus dem BYC in Starnberg konnte nur darüber mutmaßen, warum Diesch/Autenrieth trotz hervorragender Vorbereitung am Ende gegen die internationale Konkurrenz chancenlos waren. „Da sieht man, dass die anderen mindestens genauso viel machen.“

Diesch/Autenrieth bei der WM: Achterbahnfahrt der Resultate

Die einzelnen Platzierungen verdeutlichen, dass es dem deutschen Duo nicht am Potenzial fehlte, um sich unter 29 Konkurrenten ganz vorne zu behaupten. Diesch und Autenrieth fuhren immer wieder starke Ergebnisse ein (3/6/4/2). Aber sie reichten nicht aus, weil das Team eine wahre Achterbahnfahrt in seinen Resultaten erlebte (16/20/19/12/20/26).

Fatal wirkte sich die Disqualifikation im ersten Rennen aus, mit der die Süddeutschen gleich ihren Streicher verpulverten. „Es ist das Schlechteste, was man machen kann, mit einem Frühstart anzufangen“, resümierte Wolf.

Böhm/Goliaß aus Tutzing zunächst voll auf Kurs - dann kommt der Einbruch

Ganz anders verlief der Einstieg von Böhm und Goliaß. Nach fünf Rennen lag das Team aus dem DTYC an fünfter Stelle und hatte damit allerbeste Aussichten auf die Fahrkarte nach Tokio. „Da war ich noch sehr hoffnungsvoll“, sagte Christian Teichmann. Er ging davon aus, dass sich bei seiner Crew trotz schwieriger Vorbereitung am Ende alles zum Guten wenden würde.

Der Vorsitzende des DTYC, der im vergangenen Sommer für seine beiden Damen die englische Olympiasiegerin Saskia Clark als Trainerin verpflichtet hatte, durfte sich zunächst voll bestätigt fühlen. Böhm/Goliaß langten zwar einmal kräftig daneben, als sie einen 23. Platz schrieben, doch sie befanden sich nach zwei Tagen mit brauchbaren Ergebnissen (8/2/5/10) als bestes deutsches Team voll auf Kurs.

DTYC-Vorsitzender Teichmann: „Olympia ist nicht alles“

Was dann passierte, kann sich Teichmann nicht erklären. Obwohl die Crew bereits ihre zweite Olympia-Kampagne nach Rio 2016 absolvierte, schaffte sie es nicht mehr, das Ruder herumzureißen und dem negativen Fahrwasser zu entkommen (24/19/21/23/17/17).

Teichmann brach eine Lanze für sein Team: „Man darf diese neun Jahre nicht auf einen Faktor reduzieren.“ Böhm und Goliaß seien in dieser Zeit vor allem durch die vielen Rückschläge sehr gereift und wieder einmal nah dran gewesen, ihren großen sportlichen Traum zu verwirklichen. „Olympia ist nicht alles“, stellte der Chef des DTYC klar. „Sie haben eine Menge erreicht, eine Menge geleistet. Aus meiner Sicht haben sie mehr gewonnen als verloren.“

hch

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