Handballer Gian-Luca Postoy vom TSV Herrsching
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Wegen Corona: Gian-Luca Postoy sagte seinem Trainer wenige Stunden vor Spielbeginn ab. Foto: SVJ

Handball

Personalnot beim TSV Herrsching wegen Pandemie

  • vonChristian Heinrich
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Die Handballer des TSV Herrsching klagen über erhebliche Personalnot. Grund: Wegen Corona wollen einige Akteure nicht spielen. Das ist auch ein Hauptgrund, warum das erste Landesligaspiel verloren ging.

Herrsching – Vier Stunden vor Spielbeginn bekam Kurt Neumaier bereits einen Eindruck von dem, was ihn in dieser Saison noch alles erwarten kann. Gian-Luca Postoy meldete sich beim Trainer des TSV Herrsching per Sprachnachricht und informierte ihn, dass er an der Auftaktbegegnung gegen den TSV Allach nicht teilnehmen wird. „Weil er Angst vor Corona hat“, teilte der Handballcoach mit. Genauer gesagt hat Postoy Angst vor den Konsequenzen, sollte er sich wegen seines Sports mit dem Covid-19-Virus infizieren oder in Quarantäne müssen. Sein Arbeitgeber habe ihm angedeutet, dass er in diesem Fall unbezahlten Urlaub nehmen müsse. Als Neumaier dann in Allach ankam, konnte er nur noch auf ein Notaufgebot aus neun Feldspielern und zwei Torhütern zurückgreifen. Denn viele seiner anderen Akteure befinden sich im Krankenstand oder ziehen es wegen der Pandemie vor, erst einmal ihr Hobby nicht mehr zu betreiben. Der Trainer machte dann auch die Personalprobleme für die 21:26 (12:12)-Niederlage in Allach verantwortlich: „Das ist unserer schlechten Aufstellung geschuldet.“ Da es offenbar auch anderen Mannschaften im Freistaat ähnlich ergeht (in der Bayernliga wurde nur eine einzige Partie ausgetragen), forderte der Coach den Bayerischen Handball-Verband auf, seine Entscheidung, die Saison durchzuführen, „noch mal zu überdenken“.

Bis das der Fall ist, muss Neumaier den Notstand verwalten. Seine Mannschaft machte dies unter den gegebenen Voraussetzungen hervorragend. Die fehlenden personellen Alternativen machten die Herrschinger durch vermehrten Kampfgeist wieder wett. „Wir haben sehr gut gespielt“, lobte der Coach seine Mannschaft für ihr Engagement. Weil auch die Gastgeber mit demselben Elan zu Werke gingen, sprach Neumaier von einem echten Punktspiel. „Von draußen hast du nichts gemerkt.“ Nur die Zuschauer fehlten, was vielleicht auch daran lag, dass der TSV Allach die Partie auf seiner Facebook-Seite live übertrug.

Zur Pause hatten sich die Herrschinger das 12:12-Unentschieden redlich verdient, nachdem sie bereits nach einer Viertelstunde mit drei Treffern in Rückstand geraten waren. Allerdings wurden die Schwächen der Ammerseer langsam auch dem Gegner offenbar. „Die haben gemerkt, dass wir keinen Rückraum dabei hatten“, stellte Neumaier fest. Allach spielte nun noch defensiver als zuvor, was den Gästen überhaupt nicht schmeckte, die nach dem Seitenwechsel nur noch neun Treffer zustande brachten. Als Knackpunkt erwies sich die erste Viertelstunde nach Wiederbeginn, als der Gegner auf vier Tore davonzog. „Diesem Rückstand sind wir dann über das gesamte Spiel nachgelaufen“, konstatierte der Trainer.

Wie es weitergehen soll, weiß Trainer Neumaier nicht zu sagen. Wahrscheinlich ist nur, dass sein bereits ausgedünnter Kader wegen der Überbelastung der wenigen einsatzfähigen Spieler noch mehr schrumpfen wird. „Da kannst du darauf warten, dass Verletzungen kommen“, warnt er vor den Konsequenzen. Es werden sich wohl bald noch weitere Spieler bei ihm per Sprachnachricht abmelden.

Torschützen: E. Engelhard 6, Huskic 5, P. Herz 4/2, A. Engelhard 3, Tietz 1, Zech 1, A. Herz 1

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