Eine Ära geprägt: In 22 Jahren als Handballabteilungsleiter des TSV Herrsching hat Uli Sigl viel geleistet. Sein Abschied fällt allen Beteiligten schwer.
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Eine Ära geprägt: In 22 Jahren als Handballabteilungsleiter des TSV Herrsching hat Uli Sigl viel geleistet. Sein Abschied fällt allen Beteiligten schwer.

Nach 22 Jahren

Der Uli Hoeneß vom Ammersee tritt ab - Sigl legt Amt als Herrschinger Handball-Abteilungsleiter nieder

  • vonChristian Heinrich
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22 Jahre hat Uli Sigl den Handball beim TSV Herrsching geprägt und in dieser Zeit viel erreicht. Bald tritt er als Abteilungsleiter ab, seine Nachfolge ist noch geheim.

Herrsching – Am liebsten hätte Uli Sigl den 28. Juni einfach so kommen lassen. Mit der ganzen Erfahrung, die er in den vergangenen 22 Jahren als Abteilungsleiter der Herrschinger Handballer gesammelt hat, hätte er auch seine elfte Jahresversammlung mit Vorstandswahlen hinter sich gebracht. Aber irgendwie konnte er nach all dieser Zeit seinen von langer Hand geplanten Rücktritt nicht geheimhalten. So bald es die Corona-Pandemie zulässt und sich Menschen in Bayern wieder frei versammeln dürfen, wird der 53-Jährige sein Amt beim TSV niederlegen.

„Es ist an der Zeit, dass da ein frischer Wind reinkommt“, sagt Sigl. „Es war schon manches ein bisschen abgedroschen.“ Diese Aussage mag viele überraschen. Sigl prägte bei den Handballern vom Ammersee eine Ära.

Ihm selbst mag dieser Begriff nicht recht sein, umgürtete er sich doch stets mit Bescheidenheit und nahm sich immer zurück. Sigl spricht wie selbstverständlich vom Kollektiv, das die Sparte leitet: „Wir sind keine One-Man-Show, sondern zehn Mann im Vorstand.“

Uli Sigl formte die Handball-Abteilung zum Aushängeschild

Dabei liegt es ihm fern, Komplimente für seine angenehme Zurückhaltung zu erhaschen. Das Herrschinger Gemeinderatsmitglied (SPD) charakterisiert sich als einen eher leiseren und unscheinbaren Vertreter seiner Zunft. „Ich war nie die Rampensau“, sagt er. Auch Lautsprecher wollte Sigl nie sein. Als Spieler stand er für harte Maloche in der Abwehr.

Diese Arbeitermentalität bewahrte er sich, als er den Posten des Jugendleiters übernahm und dann die Führung bei den Handballern. Vielleicht war Sigl nie ein Visionär, aber mit seinem Sinn für das Wesentliche und Notwendige formte er die Handballer zum Aushängeschild unter den Abteilungen des TSV. Als er seinen Posten antrat, zählte seine Sparte 300 Mitglieder, heute sind es 550.

Der Name TSV Herrsching ist mindestens bayernweit bekannt

Während sich die Zahl der Handballer fast verdoppelt hat, hat sich ihr Etat in den vergangenen zwei Jahrzehnten verfünffacht und beträgt nun rund 130 000 Euro. Der Name TSV Herrsching ist nicht nur im Spielbetrieb des Bayerischen Handball-Verbands bei drei Bayernliga- und drei Landesliga-Mannschaften ein Begriff. Sigl führte den Verein auch in nationale Regionen des Sports.

Das so genannte Wintermärchen, das mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2007 in Deutschland endete, hatte seinen Ursprung in Herrsching, wo Bundestrainer Heiner Brand sein Siegerteam zusammenschweißte. Selbst ein Länderspiel gegen Ägypten – wenn auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit – wurde damals in der Nikolaushalle ausgetragen.

Das Damen-Nationalteam wie die B-Jugend zählten in den vergangenen Jahren genauso zu den Gästen wie Handball-Bundesligisten. Der so genannte BIG-Cup, der den Vereinen Spielpraxis während der Olympiapause 2000 verschaffen sollte, erlebte in den Folgejahren einige weitere Auflagen.

Viele Einblicke und neue Freundschaften

„Es war interessant, auf diesem Niveau Einblicke zu erhalten“, sagt Sigl, der diese Zeit nicht missen will, in der feste Freundschaften entstanden wie zum Beispiel mit dem ehemaligen Nationalspieler, Trainer und Funktionär Martin Schwalb.

Die Herrschinger wussten stets, was sie an Sigl hatten. Nie musste er sich bei Wahlen einem Herausforderer stellen. „Ich war immer der einzige Kandidat“, sagt der Abteilungsleiter. Verblüfft haben dürfte ihn auch, dass er es fast so lange auf seinem Posten ausgehalten hat wie seine drei Vorgänger Sepp Siglstetter, Hans Wannenmacher (jeweils zehn Jahre) und Christoph Otter (drei Jahre) zusammen. Für diesen Vergleich hat Sigl jedoch nichts übrig: „Vielleicht wird da viel zu viel mit meinem Namen in Verbindung gebracht.“

Der Uli Hoeneß vom Ammersee hört auf - Nachfolger noch geheim

Der Mittelschullehrer packt zu einem Zeitpunkt seine Sachen, an dem er sich mit seinem Latein am Ende wähnt. Neben einer gewissen Amtsmüdigkeit („Vor 15 Jahren habe ich sicherlich viel mehr gemacht als jetzt“) beklagt er auch einen geistigen Stillstand, der sich während seiner langen Amtszeit über die Abteilung legte. „Wir brauchen frisches Blut“, fordert ausgerechnet der Mann, der selbst immer für neue Ideen und frischen Wagemut stand. Nicht umsonst bezeichnet man ihn als den Uli Hoeneß vom Ammersee.

Genau wie der große Ex-Präsident des FC Bayern München tritt Sigl nicht ab, ohne sein Feld vorher bestellt zu haben. Bereits bei seiner letzten Wahl vor zwei Jahren avisierte er seinen Rücktritt. Da er nie ein Mann von großen Worten war, diese bei ihm aber stets gewaltiges Gewicht hatten, wusste die Sparte, dass er es ernst meinte. Die Zeit nutzte der Verein, um einen Nachfolger zu finden, dessen Name noch der Geheimhaltung unterliegt.

Schleichender Übergang beim TSV Herrsching

„Ich bin darauf bedacht, dass alles kompetent weiterläuft“, sagt Sigl. Er spricht von einem „schleichenden Übergang“, bei dem sein Nachfolger langsam in das Amt eingearbeitet werden soll, während er sich Stück für Stück ausklinkt, um wieder mehr Zeit für sich selbst zu haben.

Allein schon die Corona-Krise, deren Folgen zur immensen Herausforderung für den TSV werden können, legen diese schonende Form nahe, die er für sich und seine Sparte wählte. „Es ist nicht leicht, da loszulassen“, räumt Sigl ein. Der Abschied fällt ihm sichtlich schwer.

Das trifft sowohl auf den 53-Jährigen selbst als auch auf seine Abteilung zu. Die Handballer des TSV Herrsching ohne Uli Sigl als Vorsitzenden – an diese Vorstellung muss man sich erst noch gewöhnen.

hch

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