Kilometer abspulen für die Deutschland-Tour: Die Handball-Nachwuchsspieler des TSV Herrsching wie Benedikt, Ludwig und Maxi gehen fleißig laufen.
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Kilometer abspulen für die Deutschland-Tour: Die Nachwuchsspieler des TSV Herrsching wie Benedikt, Ludwig und Maxi gehen fleißig laufen.

Lauf-Challenge am Ammersee

Zu Besuch bei allen Bundesligisten: Herrschings Handball-Jugend durchquert virtuell Deutschland

  • vonChristian Heinrich
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Einmal im Laufschritt virtuell alle Handball-Bundesligisten besuchen: Das will die Jugend des TSV Herrsching. Motivation gibt‘s von Rhein-Neckar-Löwen-Coach Martin Schwalb.

Herrsching – Die Herrschinger Handballer sind im vergangenen Jahr noch um den Ammersee gejoggt, um sich die Zeit während der Pandemie zu vertreiben. Heuer haben sich zumindest die C- und die B-Junioren des TSV wesentlich ehrgeizigere Ziele gesteckt. „Jetzt greifen wir Deutschland an“, beschreibt Max Kilzheimer die ambitionierten Pläne des Nachwuchses.

Der Jugendkoordinator will sich nicht damit abfinden, dass seine Buben durch Homeschooling und Kontaktbeschränkungen noch träger werden. Zwar versuchten die fünf Übungsleiter der Jugendteams zuletzt, ihre Schützlinge durch ein Online-Training bei Laune zu halten, doch richtig erfolgreich war diese Maßnahme nicht.

Motivation für Online-Training sinkt in Herrsching: Lauf-Challenge als Lösung

„Die Motivation ist von Woche zu Woche geringer geworden“, stellte Kilzheimer mit einer gewissen Enttäuschung fest. Die Rettung war eine sogenannte „Lauf-Challenge“, die die beiden Teams vor neue Herausforderungen stellen sollte.

Auf ihrer virtuellen Tour durch die Republik besuchen die Jugendlichen jeden einzelnen Verein der Handball-Bundesliga. Im Uhrzeigersinn bewegten sich die Herrschinger zunächst Richtung Bodensee und von dort nach Balingen, ihrem ersten Etappenort. Natürlich durchqueren sie Deutschland nur rein theoretisch. Die Kilometer, die zusammengezählt werden, spulen die Jungs weiterhin in ihrer Heimat rund um den Ammersee ab. Vorwärts kommen sie nur, wenn sie die nötigen Distanzen erlaufen.

Lilian und Quirin laufen vorweg - Als Belohnung winken besondere Preise

Jeweils zwei Buben bilden ein Team, um sich gegenseitig zu unterstützen. „Die Jungs müssen alle an einem Strang ziehen“, stellt Kilzheimer klar. Es gehe darum, sich gegenseitig zu motivieren. Denn wer läuft schon gerne bei Wind und Wetter durch die Prärie? In der ersten Woche sammelten seine Läufer gleich 490 Kilometer, was wohl auch dem guten Wetter geschuldet war. Danach pendelte sich die Leistung auf ungefähr 415 Kilometer im Schnitt ein.

Inzwischen sind die Handballer des TSV Herrsching mit ihrer Lauf-Challenge virtuell an der niederländischen Grenze angelangt.

Das eifrigste Duett bilden nach drei Wochen Lilian Herault und Quirin Rummel mit 233 Kilometern. Zwei weitere Duos können noch gerade so den Anschluss halten, der Rest der Mannschaft scheint nicht vollkommen überzeugt von der Umschulung zum Marathonläufer zu sein.

Motivation von Rhein-Neckar Löwen: „Klasse, dass ihr durchzieht. Respekt!

Damit dies etwas leichter fällt, lobte Kilzheimer für die drei fleißigsten der ungefähr ein Dutzend Lauf-Teams besondere Preise aus. Daneben wird auch immer das Team der Woche ausgezeichnet. Außerdem beteiligen sich die Bundesligisten an der Aktion. Erreichen die Herrschinger einen Etappenort, gibt es per Videoclip ein paar aufmunternde Worte von einem Bundesliga-Coach oder einem Spieler.

Die Hilfe der Profis war allerdings nicht ganz einfach zu haben. Zunächst hatte Kilzheimer versucht, die Topklubs über Instagram zum Mitmachen zu bewegen. „Dieser Weg hat nicht ganz so funktioniert“, musste sich der Jugendchef eingestehen. Erst als er den ehemaligen Herrschinger Tobias Wannenmacher einschaltete, der beim HC Erlangen für den gesamten Nachwuchsbereich zuständig ist, erhielt Kilzheimer die gewünschten Antworten.

Darüber hinaus ließ Vizeabteilungsleiter Uli Sigl seine Kontakte zu Martin Schwalb spielen, der die Rhein-Neckar Löwen trainiert. „Klasse, dass ihr die Lauf-Challenge so durchzieht“, spornte der Coach die Burschen vom Ammersee an, als sie virtuell die SAP Arena in Mannheim erreichten. „Respekt!“

Mittlerweile sind die Spieler des TSV Herrsching virtuell in Norddeutschland

Inzwischen haben sich die Herrschinger bis an die holländische Grenze vorgekämpft und steuern nun ostwärts Richtung Hannover. Dass alles mit rechten Dingen zugeht und niemand mogelt, ist verbürgt. Über Apps auf ihren Smartphones oder mit speziellen Uhren werden die Kilometer gezählt. „Es hat noch keiner geschummelt“, sagt Kilzheimer.

Bis zum 31. Mai wollte er seinen Junioren Zeit für die 3500 Kilometer auf ihrer Deutschlandtour geben. Mittlerweile zeichnet sich ab, dass sie ihren Ausgangs- und Zielpunkt am Ammersee viel schneller erreichen werden. Möglicherweise wird sich an der Streckenführung deshalb noch etwas ändern. Ein Abstecher nach Polen, wo Nationaltorhüter Andreas Wolff in der ersten Liga aktiv ist, ist denkbar. „Die Jungs geben Gas“, sagt Kilzheimer erfreut. „Ich bin stolz, dass wir das in dieser Form hinkriegen.“

hch

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