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Zum bislang letzten Mal fand der Wallberg-Lauf 2015 statt.

„Der Lauf steht nicht auf unserer Prioritätenliste“

Auch heuer kein Wallberglauf

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Auch in diesem Jahr wird der beliebte Wallberglauf nicht stattfinden. Der Grund sind Schwierigkeiten bei der Kommunikation zwischen dem Veranstalter und der Bergbahn.

Rottach-Egern – Erst Vorfreude, dann Absage: Nach einer Pause im vergangenen Jahr hätte heuer am 1. Mai wieder der Startschuss für den Wallberglauf in Rottach-Egern fallen sollen. Der Münchner Helmut Reitmeir (73), der den Lauf ins Leben gerufen hatte, stellte bereits vor Monaten eine Ausschreibung online. Ende Februar dann die Nachricht: kein Lauf. Was war passiert?

Eigentlich war alles schon fertig geplant. Was Reitmeir noch fehlte, um die Anmeldung freizuschalten: eine Antwort der Wallbergbahn. Weil die lange auf sich warten ließ und dann wenig positiv ausfiel, gibt es die Veranstaltung auch heuer nicht. Reitmeir haben viele enttäuschte Reaktionen seiner Läufer erreicht. Der Wallberglauf war schließlich seit zwölf Jahren ein fester Eintrag in ihrem Laufkalender gewesen.

Kein Interesse und trotzdem einen Euro Gebühr pro Läufer: Vergangenes Jahr war Reitmeir frustriert gewesen über die fehlende Unterstützung durch den Deutschen Leichtathletikverband (wir berichteten). Heuer hätte die Gebühr bei nur 50 Cent gelegen, deshalb hat Reitmeir einen neuen Versuch gestartet. Auch, weil viele ihn darum gebeten hatten. Aber der neue Versuch scheitert ebenso an Desinteresse.

Sechs E-Mails habe Reitmeir der Pressestelle der Wallbergbahn geschickt. Es musste nämlich geklärt werden, wie und zu welchem Preis die Wechselklamotten und anderes Gepäck der Läufer mit der Bahn nach oben befördert werden und die Läufer am Ende wieder nach unten. Zuletzt hatte die Talfahrt für jeden der rund 300 Teilnehmer sechs Euro gekostet. „Wäre der Preis wie 2015 wieder gestiegen, wäre das nicht mehr bezahlbar gewesen“, sagt Reitmeir. Er habe als Organisator sowieso immer draufgezahlt.

Der Tenor der E-Mail, die die Wallbergbahn dann im Februar an ihn schickte: negativ. Das Hauptaugenmerk müsse den Bergbahn-Gästen gelten, die am 1. Mai bei schönem Wetter meist sehr zahlreich den Wallberg und das Panoramarestaurant besuchen. So hieß es in der Mail an Reitmeir. Auch unserer Zeitung gegenüber sagt Pressesprecherin Antonia Asenstorfer: „Sowohl für die Bahn als auch für das Restaurant war es in der Vergangenheit immer eine Herausforderung, die Veranstaltung mit dem regulären Gästeaufkommen zu koordinieren.“

Seine Laufsportler sind unerwünscht, so fasst Reitmeir das Schreiben auf. Weil es mit den Anmeldungen langsam knapp geworden wäre, sagte er den Lauf ab. Er kann die Reaktion der Bergbahn-Betreiber nicht verstehen. „Am 1. Mai sind doch eh die meisten aus dem Tegernseer Raum beim Maibaumaufstellen.“ Zudem seien seiner Ansicht nach die Wirte froh um die Veranstaltung, schließlich war für jeden Teilnehmer ein Kaiserschmarrn bezahlt worden. Asenstorfer sieht es eher so, dass die Läufer ihre eigenen Riegel dabei hatten und bei den Wirten keinen Umsatz gemacht haben.

Kaiserschmarrn hin oder her – heuer findet kein Lauf statt. Die Wallbergbahn als „Sündenbock“ für die Absage vorzuschieben, sei nicht nachvollziehbar, sagt Asenstorfer. Sie finde es seltsam, dass im vergangenen Jahr jemand anderes schuld war und heuer die Wallbergbahn. „Wir haben den Lauf bisher immer unterstützt“, sagt sie. „Aber das Kosten-Nutzen-Verhältnis muss auch stimmen.“

Reitmeir, der mit seinen 73 Jahren noch regelmäßig Berge rauf und runter läuft, wäre generell zu einem Wallberglauf 2018 bereit. Aber: „Ob er nochmals stattfindet, liegt ausschließlich an der Geschäftsführung der Bahn.“ Die ist grundsätzlich nicht dagegen. Asenstorfer sagt aber: „Der Lauf steht nicht auf unserer Prioritätenliste.“

Kommentar: Zusammenarbeit statt Gegenwehr

Wer ehrenamtlich einen Wettkampf organisiert, macht das in seiner Freizeit. Wenn man da statt Zuspruch Steine in den Weg gelegt bekommt, ist es nur verständlich, dass die Lust am Organisieren schwindet. Zugegeben: Mit den Ehrenamtlichen, die oft stur und wenig kompromissbereit sind, hat man es nicht immer leicht. Es ist aber wahnsinnig schade, dass Veranstaltungen wie der Wallberglauf aussterben, weil man außerhalb der Sportgemeinschaft auf Gegenwehr und Unverständnis stößt. Wie groß der Nachteil für die Betreiber der Wallbergbahn wirklich gewesen wäre, hätte der Lauf stattgefunden, ist fraglich. Vielleicht hätte man gar an einem Strang ziehen und den Lauf gemeinsam ausrichten können. Im kommenden Jahr sollten sich die beiden Parteien frühzeitig zusammensetzen. Einer Bahn, die als solche ja Teil des Sports ist, würde das gut stehen.

Nina Probst

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