Fokussiert: Lea Mehringer gehört auch ohne Kader-Training zur deutschen Spitze.
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Fokussiert: Lea Mehringer gehört auch ohne Kader-Training zur deutschen Spitze.

LEICHTATHLETIK - Schaftlacherin empfiehlt sich und hat jetzt Kontakt zu Bundestrainer

Lea Mehringer gewinnt DM-Bronze über 80 Meter Hürden

  • VonLudwig Stuffer
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Schaftlach – Ein grandioser Erfolg: Leichtathletin Lea Mehringer hat bei den Deutschen U16-Meisterschaften am Wochenende in Hannover die überraschende Bronzemedaille über 80 Meter Hürden erobert.

Es klingt fast wie ein Märchen, denn zu Jahresbeginn befand sich die Nachwuchsleichtathletik im ganzen Land förmlich am Nullpunkt: Athleten ohne Kaderzugehörigkeit durften im Zuge der Corona-Maßnahmen nicht in der Halle trainieren und auch im Frühjahr keine Wettkämpfe absolvieren (wir berichteten). Dies traf auch den TSV Schaftlach um Trainerin Margret Gremm sehr hart, denn während des Winters musste draußen alleine, nach Anleitung oder Plänen trainiert werden. Erst im Frühjahr kristallisierte sich im Zuge der sportlichen Lockerungen ein mögliches Wettkampfjahr heraus.

Lea Mehringer war eine dieser vielen Athletinnen ohne Perspektive. Im Vorjahr war sie über 80 Meter Hürden bereits sehr schnell unterwegs, allerdings fehlte ihr eine Hundertstelsekunde, um in den Bayern-Kader aufgenommen zu werden und die Chance auf ein mögliches Hallen-Training während des Winters zu haben. Aber: Die Athletin aus Waakirchen rappelte sich auf, ließ die Saison ohne Druck einfach auf sich zukommen – und hatte damit riesigen Erfolg. Bereits Anfang Juli stürmte sie in Erding nicht nur zum Oberbayern-Titel, sondern erzielte eine – zu diesem Zeitpunkt – neue deutsche Jahresbestzeit mit 11,74 Sekunden und qualifizierte sich damit mühelos für die deutschen Titelkämpfe (wir berichteten).

Zwei erfolgreiche Wochen für Mehringer

Das Schöne: Die Gmunder Finsterwald-Realschülerin aus der angehenden neunten Klasse im Werkzweig wird bei ihrer Trainerin Gremm unter normalen Umständen zur Leistung gebracht. In einer kleinen Gruppe mit Julie Schmitt und Maria Frauenrieder absolviert sie pro Woche eigentlich „nur“ dreimal ein Programm. Dreimal pro Woche. Montags und mittwochs konzentriert sie sich auf die Hürdentechnik, die Sprintschnelligkeit und auf den Weitsprung, während samstags längere Wechselläufe absolviert werden. Dabei plant Gremm alles so, dass es für ihren Schützling maßgeschneidert passt, denn die erfahrene Trainerin hat sie seit ihrem neunten Lebensjahr und damit dem Beginn ihrer sportlichen Leichtathletik-Aktivitäten in ihrer Gruppe. Mehringer: „Meine Trainerin schaut, dass alles passt, und richtet mein Training individuell nach mir, falls es mal zu anstrengend wird.“ Und mit diesem Konzept fuhr die 14-Jährige in dieser Saison perfekt und scheint mit diesem Trainingsumfang sehr gut zurechtzukommen.

Die vergangenen beiden Wochen standen nun im Zeichen von großen Erfolgen, obwohl sie zuvor nur zwei Wochen zur Vorbereitung trainiert hatte. Nach einem zweiwöchigen Erholungsurlaub in den Abruzzen fing sie quasi bei Null an. Vor einer Woche wurde sie in Hösbach bayerische Vizemeisterin über 80 Meter Hürden der W15 (wir berichteten), deshalb startete die LGO-Athletin nun am Sonntag gestärkt – aber ohne echte Erwartungen – bei den deutschen Titelkämpfen in Hannover. „Ich habe mir eigentlich nichts Spezielles vorgenommen und wollte einfach unter den schnellsten zehn Athletinnen landen“, sagt Mehringer zurückhaltend.

Fehler kostet Mehringer Silber

Bereits nach dem Vorlauf über 80 Meter Hürden stand sie vor ganz neuen Chancen: Mit 11,63 Sekunden war sie im Feld der 18 Teilnehmerinnen die zweitschnellste Athletin. Damit stand sie im Finale – und dies mit echten Medaillenchancen. Im Endlauf lief es zwar nicht ganz glatt, aber die Sensation war dennoch perfekt. An der dritten Hürde stieß sie mit ihrem Schwungbein an, verlor kurz den Rhythmus und damit auch ein wenig Zeit. Mit 11,76 Sekunden überquerte Mehringer schließlich als Dritte das Ziel und gewann unerwartet Bronze.

Bei ihrem bislang größten Erfolg unterlag sie über die 76 Zentimeter hohen Hindernisse nur der favorisierten Emma Kaul vom USC Mainz mit 11,59 Sekunden und der bayerischen Meisterin Alexandra Scharf vom LA-Team Alzenau mit 11,72 Sekunden. „Ich bin wirklich sehr überrascht über diese Medaille, weil der Zieleinlauf so knapp war“, freut sich die 1,74 Meter große Athletin, die lange glaubte, dass sie Vierte wäre. Auch Gremm freut sich riesig: „Ich bin sehr zufrieden, denn es hätte nicht besser sein können. Dass ich nach fast 30 Jahren Trainertätigkeit noch mal so ein Talent haben darf, ist schon echt klasse.“ Mit ihrer Bestzeit von 11,63 Sekunden aus dem Vorlauf spiegelt Mehringer nun übrigens exakt das Meisterschaftsergebnis wider: Sie ist Dritte in der deutschen Jahresbestenliste.

Mehringer startet bei Länderkampf

So ganz ist die Saison für die 14-Jährige aber noch nicht vorbei: Ihren letzten großen Auftritt hat sie nun am 18. September in Aichach: Dort wird sie im Trikot der Auswahl des Bayerischen Leichtathletik-Verbands beim Länderkampf mit Hessen und Württemberg über 80 Meter Hürden, 100 Meter und mit der Staffel an den Start gehen. Also genau für die Institution, die ihr zu Jahresbeginn noch einen Kaderplatz verwehrte. Ebenso trat in Hannover nach dem Finale der Bundestrainer an sie heran.

Neben dem Sport hat Lea Mehringer seit knapp einem halben Jahr noch ein Hobby: Beim Trachtenverein Schmied von Kochel & Bodenschneid Waakirchen ist sie beim Trachtentanz aktiv. „Das ist schön, denn da kommt man mit Leuten zusammen.“ Für das Jahr 2022 hat sie noch kein sportliches Ziel: „Ich lasse es einfach mal auf mich zukommen, allerdings wäre ich froh, wenn es unser LGO-Trainingslager in der Toskana wieder geben würde.“ Im Zuge der Corona-Lockerungen scheint dieser Wunsch ebenso möglich, wie der, dass das anstehende Wintertraining wieder in der örtlichen Halle stattfinden kann.

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