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Nichts geht mehr: Nach nur wenigen Metern streikte der BMW von Jörg Weidinger (r.) in Gubbio.

Team ist trotzdem stolz auf Auftritt in Gubbio

Nach nur einer Kurve: Frühes Aus für Jörg Weidinger beim Hillclimb Masters

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Da hat der Defektteufel aber früh zugeschlagen. Nach nur einer Kurve musste Jörg Weidinger aus Schaftlach seinen BMW 320 Judd V8 beim Hillclimb Masters in Italien abstellen.

Schaftlach/Gubbio – Auf einmal war es still im Wald. Das wäre normalerweise nichts Außergewöhnliches am Fuß des Monte Ingino im Apennin. Bei einem Bergrennen wie dem FIA Hillclimb Masters aber schon. Vor allem, wenn Jörg Weidinger aus Schaftlach mit seinem BMW 320 Judd V8 die 3,3 Kilometer lange und durchschnittlich 6,1 Prozent steile Straße Richtung Gipfel hinaufjagt. Nur eine Kurve lang konnten die Fans das unvergleichliche und durch das Echo der Berge noch verstärkte Brüllen des Achtzylinder-Aggregats genießen. Dann hörte die Crew des „Never forget – Tribute to Georg Plasa Teams“ von KW automotive nichts mehr.

Ohne Funk war sie auf die Infos der Zuschauer angewiesen. Und die überbrachten die traurige Nachricht: Der BMW war liegen geblieben. „Nix geht mehr. Ausfall. Zefix“, beschreibt das Team in seinem Internet-Blog die Gefühlslage nach dem frühen Ende im ersten Wertungslauf. Es kam nicht ganz überraschend. Schon am Start habe sich Weidingers Rennwagen mit extremem Schlupf den Berg hochgequält. Funken schlugen unter dem Fahrzeug hervor. Wie sich später herausstellen sollte, hatte die Kupplung gestreikt, berichtet Weidinger. „Sehr ärgerlich und schade“, sagt der Schaftlacher. Die Hoffnung ruhte nun auf Lauf zwei – und die Mechaniker wussten, dass sie eine lange Nacht vor sich hatten.

Das waren sie jedoch bereits gewohnt. Denn eigentlich war nach dem sensationellen dritten Platz beim Goodwood Festival of Speed (wir berichteten) kein weiterer Auftritt des wiederaufgebauten Wagens des 2011 bei einem Bergrennen tödlich verunglückten Georg Plasa geplant. Doch als das Team um KW-Geschäftsführer Klaus Wolfarth die Einladung zum Hillclimb Masters erhielt und damit die Möglichkeit, das Kultauto des Kultfahrers wieder vor italienischer Kulisse zu zeigen, gab es im Werk kein Halten mehr. In zahlreichen Nachtschichten bereiteten die Schrauber den BMW 320 auf seinen Einsatz vor.

Dieses Engagement überzeugte letztlich auch die FIA, den Wagen nicht nur im Showprogramm, sondern mit einer Wildcard auch am Rennen teilnehmen zu lassen. „Nur zum Schaufahren wären wir auch nicht gekommen“, betont Weidinger. „Da hätte uns der Georg das Fell über die Ohren gezogen.“

Fast schon sprichwörtlich in letzter Minute wurde das Auto fertig, und der KW-Truck rollte gen Italien. Schon auf der Autobahn meldete sich der Defektteufel mit einem ersten Stich: Ein Reifenplatzer am Lastwagen zwang die Crew zu einem ungeplanten Boxenstopp. Ein Omen für das Wochenende? Möglicherweise, denn das Pech blieb am Team kleben und übertrug sich letztlich auf den BMW 320 Judd V8.

Dabei lief es im Training noch wie geschmiert. Mit einer Zeit von 1,31.93 Minuten heizte Weidinger als schnellster Tourenwagen im Teilnehmerfeld von 170 Rennwagen aus 21 Nationen die kurvige Bahn mit 221 Höhenmetern hinauf – trotz zahlreicher Kinderkrankheiten am Fahrzeug auf Basis eines 28 Jahre alten Chassis.

Die starke Trainingsfahrt sollte aber der einzige Gipfelsturm des BMW 320 Judd V8 bleiben. Denn obwohl die Crew nach dem Ausfall fieberhaft in den Eingeweiden des Fahrzeugs nach einer Lösung suchte, gelang es ihr nicht, den Wagen für den zweiten Lauf wieder zusammenzuflicken. „Schade, aber so ist Motorsport“, heißt es auf dem KW-Blog. Den Schriftzug „Arrivederci“ auf den Türen des BMW nimmt man aber durchaus wörtlich: „Wir kommen wieder.“

Wann und zu welchem Event, steht laut Weidinger noch nicht fest. „Es muss einfach passen. Es geht uns darum, den Geist von Georg Plasa dorthin zu tragen, wo auch er gerne gefahren ist.“

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