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Versteht die Welt nicht mehr: Viktoria Rebensburg kann die Vorwürfe von Alpindirektor Wolfgang Maier nicht nachvollziehen. Die Kreutherin möchte nun das persönliche Gespräch mit dem 59-Jährigen suchen.

Vorwurf des Alpindirektors

Rebensburg reagiert auf Kritik: „Inhaltlich absolut unverständlich“

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Viktoria Rebensburg nimmt erstmals Stellung zu den Vorwürfen von Alpindirektor Wolfgang Maier. „Die gewählte Vorgehensweise ist für mich unbegreiflich“, sagt sie.

Kreuth/Bansko – Eigentlich wollte sich Viktoria Rebensburg in diesen Tagen auf die nächsten Rennen vorbereiten. Es ist wieder Speed angesagt, in Bansko stehen ab Freitag zwei Abfahrten und ein Super-G auf dem Programm. Das ist aber gerade nicht das Hauptthema im deutschen Skisport. Der Weltcup in Bulgarien wird überstrahlt von Aussagen, die DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier gegenüber dem Sport-Informations-Dienst (SID) in Richtung Viktoria Rebensburg getätigt hat. Der Vorwurf: Sie trainiere zu wenig.

Alpindirektor Maier: „Sie muss Trainingsumfang intensivieren“

„Mit dem derzeitigen Aufwand ist das Leistungsniveau auf dem Podium nicht mehr zu halten“, sagte Maier. „Sie muss Trainingsinhalt und -umfang intensivieren. Sie hat ihr Potenzial über die Jahre aufgrund ihres unsagbaren Talents abgerufen, aber die Weltspitze gleicht das jetzt mit konsequenter Arbeit aus.“ Maier sagte zwar auch: „Der DSV steht definitiv auf ihrer Seite.“ Aber die öffentlichen Vorwürfe sind deutlich und drastisch.

Rebensburg: „Ich kann es nicht auf sich beruhen lassen“

Rebensburg, die in dieser Saison in ihrer Spezialdisziplin Riesenslalom einen vierten Platz als bestes Ergebnis stehen hat, dafür aber einen Super-G gewann, reagierte am Donnerstag erstmals auf die Vorwürfe. „Die Kritik von Wolfgang Maier an meiner Person ist für mich sowohl inhaltlich als auch in der Art und Weise absolut unverständlich“, sagt die 30-Jährige. „Die getätigten Aussagen sind so grundlegend und die gewählte Vorgehensweise ist für mich unbegreiflich, dass ich es nicht auf sich beruhen lassen kann. Das bin ich auch meinem Betreuerteam, meinen Sponsoren und mir selbst schuldig. Im Gegensatz zu Wolfgang Maier möchte ich das aber erst intern mit ihm und dem DSV besprechen, bevor ich damit an die Öffentlichkeit gehe. Mehr möchte ich im Moment auch nicht dazu sagen.“

Rebensburg konzentriert sich auf Rennen in Bansko

Rebensburg wird also den Weg über das persönliche Gespräch wählen und versucht, sich ansonsten auf ihren Sport zu konzentrieren – „auch wenn es nicht einfach ist“, wie sie zugibt. Dann legt sie aber doch den geistigen Schalter um, spricht vom Hang in Bansko und von der sehr steilen Abfahrt, die „Super-G-ähnlich“ sei. „Sie muss drehend gesetzt sein, damit man das Tempo kontrollieren kann“, sagt Rebensburg. Die Piste selbst sei unruhig und wellig. „Man muss überzeugt skifahren und es durchziehen.“ Das hat sich Rebensburg auch für den Super-G am Sonntag vorgenommen: „Ich will da weitermachen, wo ich in Lake Louise aufgehört habe“, sagt die Kreutherin, die im Dezember in Kanada ihren 18. und bis dato letzten Weltcup-Sieg feiern konnte.

cf

Kommentar von Autor Christoph Fetzer

Wer als Funktionär im Jahr 2020 mal eben „einen raushaut“ und öffentlich seine eigene Athletin kritisiert, dem muss klar sein, dass solche Aussagen Kreise ziehen. In Zeiten des Internets verbreiten sich Vorwürfe, wie sie Wolfgang Maier Viktoria Rebensburg gemacht hat, wie ein Lauffeuer. Im Sport gilt das ungeschriebene Gesetz, dass solche Themen unter vier Augen geklärt werden. 

Unabhängig von der unterschiedlichen Auffassung über das Trainingspensum: Wolfgang Maier hat mit seinen drastischen Aussagen gegen dieses Gesetz verstoßen. Während andere vielleicht überlegt haben, wie sie den aufgetürmten Schneemassen am besten Herr werden, hat Maier die Lawine einfach gesprengt und Viktoria Rebensburg davor geschubst. Damit hat er ihr den Stempel des trainingsfaulen, schlampigen Genies verpasst. Das ist weder die feine Art noch besonders zielführend.

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