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Gemeinsam standen nach Schlusspfiff Spieler von Bayern und Hoffenheim mit Dietmar Hopp auf dem Platz.

Vorfall in der Bundesliga

Schmähplakate gegen Hopp: Das sagen die Bayernfreunde Tegernseer Tal

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Schmähplakate, Spielunterbrechung, Herumgekicke: Nach dem Vorfall beim Bayern-Spiel in Hoffenheim bezieht der Vorsitzende der Bayernfreunde Tegernseer Tal klar Stellung.

Gmund/Hoffenheim – Von einem Fußballspiel konnte während der Schlussviertelstunde der Auswärtspartie des FC Bayern in Hoffenheim keine Rede mehr sein. Zwar standen noch 22 Spieler und der Schiedsrichter auf dem Platz, doch statt zu versuchen, ein Tor zu erzielen, schoben sich die Mannschaften den Ball wie im Training hin und her. Nachdem Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp mehrfach von den Bayern-Fans beleidigt und das Spiel bereits zweimal unterbrochen worden war, beschlossen die Beteiligten, das Fußballspielen einzustellen. Die richtige Entscheidung, findet Sebastian Lechner, Vorsitzender der Bayernfreunde Tegernseer Tal.

„Ich finde es gut, wie sie das gemacht haben“, sagt der 21-Jährige. „Die Mannschaften haben ein klares Zeichen gegen die Fans gesetzt, die Dietmar Hopp beleidigt haben.“ Mit den Fans, die mehrfach Schmähplakate hochgehalten haben, kann er nichts anfangen. „Damit kann ich mich nicht identifizieren, und auch unser Verein tut das nicht. Wir wollen gemeinsam ins Stadion gehen und Fußball schauen.“

Der Vorsitzende der Dägansäa, wie sich der Fanclub selbst bezeichnet, steht laut eigenen Angaben selbst öfter in der Südkurve der Allianz Arena. Deshalb glaubt er, dass nur ein Bruchteil der Bayern-Anhänger in Sinsheim von der Aktion gewusst hat: „Oft ist es so, dass man ein Banner mit hoch hebt und gar nicht sieht, was darauf geschrieben ist.“ Deshalb ist er auch gespannt, ob Bayern-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge die Drohung, den beteiligten Fanclubs den Mitgliedsstatus zu entziehen, wahr macht. Damit könnten letztlich Unschuldige bestraft werden.

Rassismus: „Lebenslanges Stadionverbot“

Sebastian Lechner (M.)

Was Lechner überhaupt nicht versteht: Warum nahezu alle Fanszenen am vergangenen Wochenende ihren Unmut auf den Hoffenheimer Gönner konzentriert haben. „Ich glaube, dass die Fans, die Dietmar Hopp angreifen, sich nicht damit auseinandersetzen, was er für den Sport und die Region dort getan hat.“ Letztlich hätten sich alle Fans in den vergangenen Jahren gewünscht, dass die Liga spannender ist, als sie war und in dieser Saison wieder ist. „Aber es versteht keiner, dass dafür Geld im Fußball sein muss“, findet Lechner. Viele Fans würden im alten Traditionsdenken festhängen.

Wobei im Fußball und den Fanszenen mittlerweile wieder „ziemlich viel Feuer“ drin sei. Das habe sich nicht nur am vergangenen Wochenende gezeigt, sondern in den Wochen und Monaten zuvor. Etwa durch rassistische Äußerungen in den Stadien. „Wir haben 2020. Ich finde, da sind solche Äußerungen nicht mehr angebracht“, sagt er. Wenn es gelingt, die Täter zu identifizieren, könne es nur eine Konsequenz geben: „Ein lebenslanges Stadionverbot.“

Mannschaften sollen geschlossen vom Platz gehen

Lechner glaubt auch, dass eine kollektive Reaktion der Mannschaften, wie sie Bayern und Hoffenheim am Wochenende gezeigt haben, eine Lösung für das Problem sein kann. „Ich glaube, es wäre gut, wenn die Mannschaften geschlossen vom Platz gehen und ein klares Zeichen der Solidarität setzen“, sagt der 21-Jährige. Einen Spielabbruch, wie ihn der neue Drei-Stufen-Plan des Deutschen Fußballbunds (DFB) im Ernstfall vorsieht, sieht er dagegen skeptisch. „Ich weiß nicht, ob man das so umsetzen kann“, sagt er. Schlussendlich würden zigtausende Fans wegen einiger weniger Unverbesserlicher bestraft.

Bleibt die Hoffnung, dass die deutschen Fußballfans sich wieder auf das besinnen, was sie eigentlich tun wollen und sollen: ihre Mannschaft unterstützen. Gelingt das nicht, dann schieben die Spieler künftig wohl häufiger eine ruhige Kugel – wie am Samstag in Sinsheim.

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