Ankunft nach etwas mehr als 80 Tagen: Als erster Deutscher nahm Boris Herrmann an der Vendée Globe teil. Eine Kollision kurz vor Schluss kostete ihn bei der Weltumseglung eine Podestplatzierung.
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Ankunft nach etwas mehr als 80 Tagen: Als erster Deutscher nahm Boris Herrmann an der Vendée Globe teil. Eine Kollision kurz vor Schluss kostete ihn bei der Weltumseglung eine Podestplatzierung.

Yacht-Club-Vorsitzender Peter Kathan zur Weltumseglung von Boris Herrmann

Kathan zu Unfall bei Weltumseglung: „Mir ist etwas Ähnliches passiert“

  • Sebastian Schuch
    vonSebastian Schuch
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Mit Begeisterung hat Peter Kathan, Vorsitzender des Yacht-Clubs Bad Wiessee, die Weltumseglung von Boris Herrmann verfolgt. Er kann sich selbst an einen beinahe Unfall in Kroatien erinnern.

Bad Wiessee – Als erster Deutscher nahm Boris Herrmann an der Solo-Weltumseglung Vendée Globe teil. In etwas mehr als 80 Tagen fuhr er einmal um den Globus. Dabei hatte Herrmann bis kurz vor der Ankunft im Zielhafen sogar die Chance auf einen Podestplatz – bis eine Kollision mit einem Fischer diese 90 Seemeilen (circa 167 Kilometer) vor der Ankunft zunichtemachte.

Im Abschlussklassement wurde der Hamburger Fünfter. Eine Leistung, die auch am Tegernsee honoriert wird. Peter Kathan (53), Vorsitzender des Yacht-Clubs Bad Wiessee, spricht im Interview über Herrmanns besondere Werbung für den Segelsport und erzählt, dass er sich schon selbst einmal in einer ähnlichen Situation befunden hat.

Herr Kathan, für 28 000 Seemeilen (knapp 52 000 Kilometer) müsste man den Tegernsee etwa 2465 Mal umrunden. Würden Sie das in rund 80 Tagen schaffen?

In seiner Lebenszeit würde es ein Tegernseer Segler bestimmt schaffen. Wir haben Mitglieder, die den Tegernsee mehrfach umrunden, wenn die Sonne nur ein bisschen durchspitzt. Aber in 80 Tagen vermutlich nicht.

Wenn man so lange im Kreis fährt, wird ein Segler ja auch bestimmt ein bisschen gaga?

Gaga würde ich nicht sagen, man wird vielleicht ein bisschen wirr. Aber das würde die schöne Landschaft am Tegernsee aufwiegen. Wenn man 24 Stunden im Kreis fährt, lassen auch Konzentration und Kraft nach.

Würde es Sie auch faszinieren, einmal die Welt zu umrunden?

Wenn ich diese Frage vor 20 Jahren gestellt bekommen hätte, bestimmt. Heute ist wahrscheinlich der eine oder andere Hafen politisch etwas schwierig. Aber ich bin mit Leidenschaft ein Fahrtensegler, fahre gerne im Mittelmeer. Vor zwei Jahren habe ich mit einem 40 Fuß „Dickschiff“ sieben Tage an der Copa del Rey bei Mallorca teilgenommen. Ein tolles Erlebnis. Aber nach einem mehrwöchigen Urlaubströn auf See ist man auch froh, wieder in der bayerischen Heimat und am schönsten See der Welt zu sein.

Haben Sie die Vendée Globe verfolgt?

Man kommt als Segelbegeisterter gar nicht davon aus. Ein Freund aus Rottach hat mich zum Beispiel angerufen und gefragt, ob ich die tolle Leistung von Boris Herrmann mitbekommen habe. Alle Leute ringsrum sind einfach begeistert. Die Veranstaltung und der Sympathieträger Boris Herrmann haben, denke ich, dem Segelsport zu mehr Popularität verholfen.

Auch dem Yachtclub Bad Wiessee?

Wir hatten schon in den vergangenen zwei Jahren viele Anfragen. Letztes Jahr haben wir die Mitgliederzahl von 300 überschritten, mehr als jemals zuvor in den vergangenen 50 Jahren.

Kurz vor Schluss der Vendée kam es zu dem Zusammenstoß von Boris Herrmann mit einem Fischer. Wie können Sie sich das erklären?

Man liest verschiedene Dinge. Selbst bei 80 Tagen muss der Mensch mal schlafen. Angeblich hat er geschlafen und das automatische Kollisionswarnsystem nicht angeschlagen. Wobei es am Ende egal ist, ob es Platz zwei oder fünf ist. Die Leistung überwiegt einen Podiumsplatz.

Ist Ihnen schon mal etwas Ähnliches passiert?

Ja, bei einer Nachtfahrt in Kroatien. Wir sind schlafen gegangen und haben uns auf das Radar verlassen. Da hatten wir Glück im Unglück, dass wir eine Person zur Nachtwache eingeteilt hatten und die Kollision vermeiden konnten.

Welche Sicherheitsmaßnahmen gibt es auf dem Tegernsee, um Kollisionen zu vermeiden?

Peter Kathan

GMV: Gesunder Menschenverstand und Augen auf. Es läuft alles auf Sicht, wir haben hier keine Kollisionswarner oder Radar. Auch wenn der Tegernsee mit knapp zehn Quadratkilometern viel befahren ist, gibt es kaum Unfälle. Mir ist aus den vergangenen Jahren nichts Gravierendes bekannt. Wir sind hier unter anderem mit der Wasserwacht und der Wasserschutzpolizei gut aufgestellt.

Aber es gibt doch bestimmt „Vorfahrtsregeln“?

Ja, die staatliche und private Berufsschifffahrt fährt mit orangener Flagge und hat absolute Vorfahrt. Danach kommen die Berufsfischer, dann Segelboote, Kiter und Surfer – alle mit Wind betriebenen. Erst dann kommen Ruderboote, Padelboards und Hobbyfischer.

Kommen wir noch einmal kurz zum Yachtclub zurück: Was steht 2021 bei Ihnen an?

Wir planen für die Saison 2021, erstmals Regatten mit zwei olympischen Klassen zu veranstalten: Finn ist heuer bei den Spielen in Tokio letztmals im Programm, Surfen mit einem IQ-Foilboard ist 2024 in Paris erstmals olympisch. Da haben wir auch ein Mitglied, das 2020 bei GPS-Challenges super Plätze belegt hat. Doch dazu in den kommenden Tagen mehr.

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