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Steht auf dem Steg am Tegernseer Yacht Club neben seinem Elektroboot und ist startklar für die Rennen bei der 50. Segel-WM der Tempest-Klasse: Sepp Höss. Mit seinen 83 Jahren ist der Rottacher der älteste Teilnehmer. 

50. Tempest-WM beim Yachtclub am Tegernsee

Segler Sepp Höss: Haudegen mit Heimvorteil

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Sepp Höss war sieben Mal Deutscher Meister und zwei Mal Weltmeister. Bei der Tempest-WM am Tegernsee bestreitet die 83-jährige Segel-Ikone ihre letzte große Regatta.

Tegernsee – „Der See liegt da wia a Rollschuhbahn“, stellt Sepp Höss mit wenig erfreuter Miene fest und blickt aufs friedliche Wasser. Dabei hätte er jetzt lieber einen „Fetzenwind“, um bei der seit 9. August laufenden Segel-WM der Tempest-Klasse in Tegernsee der Konkurrenz zu zeigen, zu was ein zweifacher Weltmeister und alter Haudegen des Segelsports noch immer fähig ist. Am Dienstagmorgen, dem zweiten Wettkampftag, herrscht Flaute. Zeit für ein kurzes Gespräch mit der 83-jährigen Segel-Ikone aus Rottach-Egern.

Herr Höss, schon fit nach dem Bräustüberl-Abend gestern?

Sepp Höss: Ja, kein Problem. Es war wunderbar und lustig. Es gab eine gute Brotzeit und zwei, drei Halbe für jeden, das hat allen gut gefallen. Mehr gab’s nicht, wir müssen ja wieder segeln heute.

Haben Sie noch Lampenfieber vor einer Regatta?

Sepp Höss: Nein, wir sind ja eine Amateurklasse. Wenn’s um den Sieg geht, wird’s schon ernst, aber im Vordergrund steht der Spaß an der Freude.

Sie haben so viele Siege eingefahren, können Sie die alle noch aufzählen?

Sepp Höss: Ich war sieben Mal Deutscher Meister in verschiedenen Klassen und zweimal Weltmeister in der Tempestklasse. Den ersten Titel hab’ ich 1983 vor England geholt, das zweite Mal ein Jahr später im damaligen Jugoslawien auf der Adria – also immer auf offenen Revieren, das hat mir gut getaugt.

Sie sind schon viele Bootsklassen gefahren, ist Tempest Ihre Lieblingsklasse?

Sepp Höss: Auf jeden Fall. Die Leute sind sehr, sehr nett, da fahren auch Damen mit, was die Sache auflockert. Tempest ist ein sehr sicheres Boot, deshalb kann ich auch mit meinen 83 Jahren noch mitsegeln. Zugleich ist es sehr sportlich, und man braucht einen jungen flinken Vorschotmann, um Trapez und Spinnaker zu bedienen. Bei mir ist das Roland Metzner. Wir haben zusammen auch eine 20er-Rennjolle, mit der wir zweimal die Centomiglia am Gardasee gewonnen haben. Er ist Gitarrenbauer von Beruf. Und wenn einer Gitarren aus Holz bauen kann, dann kann er auch mit einem Segelboot aus Holz umgehen.

Wie heißt denn Euer Boot?

Sepp Höss: Sepp-Maier-Bär (lacht). Den Namen hat mir der Auracher gegeben (Anm.d.Red.:Thomas Auracher aus Tegernsee, Olympiateilnehmer, Europa- und Weltmeister). Über Nacht haben die mir den Namen aufs Boot geklebt. Dem Auracher hab’ ich das Segeln gelernt. Dann hab’ ich ihn an die Chiemseer übergeben, die den Rohdiamanten geschliffen haben. Und heut’ ist er einer der besten Team-Segler, die es in Deutschland gibt.

Wie mussten Sie sich qualifizieren?

Sepp Höss: Gar nicht, jeder kann mitmachen. Deshalb sind wir auch so viele, 43 Teilnehmer-Boote. Und das Teilnehmerfeld ist wirklich edel.

Wie stark ist die Konkurrenz?

Sepp Höss: Diese WM war lange nicht mehr so gut besetzt wie hier. Von der Extra-Klasse fehlt aus beruflichen Gründen nur ein Schweizer Ehepaar, das schon zweimal Weltmeister war.

Habt Ihr Tegernseer einen Heimvorteil?

Sepp Höss: Ein leichter Heimvorteil ist gegeben, ja, weil wir bei bestimmten Winden von Haus aus wissen, wo’s hingeht.

Das müssen Sie erklären.

Sepp Höss: In der Kreuz nach dem Start ist es sehr wichtig, wo man startet. Wir starten ja alle auf einer Linie. Nach dem Startschuss sind fünf Minuten Zeit. In der letzten Minute darf man den Bug über die gedachte Linie bringen. Da wird genau gepeilt, und wer einen Fehlstart macht, muss sich wieder hinten einordnen. Wir kennen uns da halt besser aus am Tegernsee.

Jetzt ist gerade Flaute. Ist der Tegernsee wirklich ein gutes Segelrevier?

Sepp Höss: Der Tegernsee ist ein ideales Segelrevier bei Hochdruckwetter. Da haben wir in der Früh den Südwind, tagsüber den Nordostwind. Wir haben die Berge im Süden, da entsteht eine schöne Thermik, mit der man bei schönstem Wetter, wenn die anderen großen Seen eher keinen Wind haben, wunderbar segeln kann. Jetzt warten wir halt auf den Wind. Die Segel sind jedenfalls angeschlagen, wir brauchen sie nur hochziehen, und dann geht’s dahin. Aber wir haben auch ein schönes Rahmenprogramm, und da ist mächtig was los. Am Sonntag hatten wir eine Auftakt-Regatta, bei der ich Siebter geworden bin.

Sie sind mit 83 der älteste Teilnehmer. Wie halten Sie sich fit?

Sepp Höss: Ich muss viel im Schiff sitzen, um mich fit zu halten und um den Automatismus der Bewegungen beibehalten zu können. Ich geh’ auch viel auf die Berge, aber nicht auf so hohe, weil ich einen Herzschrittmacher und zwei Stents habe. Mir der Luft ist es also nicht so gut. Ein Segler muss sich bewegen können und viel Kraft haben. Und die hab’ ich noch.

Wie viel Zeit verbringen Sie noch auf dem Wasser?

Sepp Höss: Eigentlich segle ich fast täglich. Ich bin auch bei den letzten beiden Weltmeisterschaften mitgesegelt, eine in St. Raphaël bei St. Tropez, wo ich von 36 Schiffen aus sieben Nationen immer noch 16. geworden bin. Inzwischen segle ich auch viel mit meinen Enkeltöchtern, die sehr begeistert sind. Und das freut den Opa. Diese WM ist jedoch das letzte große Event, dann mach’ ich nur noch kleinere Sachen, wie Gaudiregatten. Ich bin ja die letzten zwei Jahre noch Clubmeister geworden bei uns. Und des g’freit mi wirklich.

gr

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