Besondere Starts: In Cortina durfte Christopher Rubens Holm vom SLV Tegernsee, der für Brasilien antritt, mit nur 16 Jahren WM-Luft schnuppern.
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Besondere Starts: In Cortina durfte Christopher Rubens Holm vom SLV Tegernsee, der für Brasilien antritt, mit nur 16 Jahren WM-Luft schnuppern.

Christopher Rubens Holm genoss Premiere trotz Quali-Aus

Christopher Holm vom SLV Tegernsee startete für Brasilien bei WM in Cortina

  • vonHeidi Siefert
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Mit gerade einmal 16 Jahren feierte Christopher Holm vom SLV Tegernsee seine alpine WM-Premiere. Möglich machte das seine doppelte Staatsbürgerschaft.

Gmund/Cortina d’Ampezzo – Als Christopher Rubens Holm gestern zum Skitraining am Sonnenbichl kam, scharten sich die Kollegen um ihn. „Alle wollten alles wissen“ sagt der Skifahrer des SLV Tegernsee, für den ein Sportlertraum wahr wurde. Zwei Wochen vor seinem 17. Geburtstag startete der Gymnasiast in Cortina d‘Ampezzo bei den Ski-Weltmeisterschaften (wir berichteten).

„Da weht schon ein anderer Wind“, sagt er. Im Riesenslalom war dem Debütanten ein Innenski-Fehler zum Verhängnis geworden. Im Slalom lief es besser, auch wenn er es als 36.  nicht ins Rennen schaffte. Doch das schmälert die Freude kaum.

Die Inspiration habe Hubertus von Hohenlohe geliefert, erzählt Papa Andreas Holm. Wer jemals ein Ski-Großereignis gesehen hat, der weiß um ihn als die Personifikation der „Exoten“ im alpinen Skizirkus. Auch in Cortina war der mittlerweile 62-Jährige für Mexiko am Start. Wäre das nicht auch etwas für den leidenschaftlichen Nachwuchs-Skifahrer Christopher? Diesen Gedanken spielten die Holms, die dank Mama Maleens brasilianischer Familie eine Doppelstaatsbürgerschaft haben, durch. Vor zwei Jahren habe das konkrete Züge angenommen und eine Nachfrage beim Olympischen Komitee ergab, dass es sehr wohl auch Wintersportler gibt. „Die spielen nicht nur Fußball“, sagt Andreas Holm lachend. So habe sich Christopher zu Saisonbeginn entschlossen, unter brasilianischer Flagge zu starten.

Seit dem FIS-Slalom in Hochfügen im Dezember listet ihn der internationale Skiverband als Brasilianer. Und weil er die Qualifikationskriterien seines neuen Verbandes erfüllte, nominierte ihn dieser für die WM. „Irgendwann kam per Post der Rennanzug“, erzählt Christopher Holm. Die zugehörige Jacke brachte einer seiner beiden Teamkollegen mit. Sie kannte er bereits von einem Trainingslager am Stilfserjoch.

Sonnenbichl-Trainer mit in Cortina

Möglich sei alles nur durch die Unterstützung des Sonnenbichl-Teams, betont der Vater und unterstreicht die Bedeutung dieser besonderen Trainingsgruppe. Seine Heim-Trainer Niki und Simon Nantschev vom SC Rottach begleiteten den jungen Athleten – finanziert vom brasilianischen Verband – nach Italien. „Ein cooles Event“, schwärmt Simon Nantschev (22) und lobt seinen Schützling, der das „richtig gut gemacht“ hat. Vor allem im Slalom, in dem er beide Läufe sicher ins Ziel brachte. Natürlich habe man noch Arbeit vor sich, aber Holm sei ja erst im ersten FIS-Jahr.

Dass schon in der Qualifikation der beiden Technik-Disziplinen Endstation für den bayerischen Brasilianer war, damit konnten die Trainer leben. „Schon hier war das Niveau hoch“, betont Nantschev, der selbst noch aktiv Rennen fährt. Dazu war ihr Athlet der Zweitjüngste im Feld. Zusammen kosteten sie die Atmosphäre aus, die Kontakte im WM-Quartier, das Zuschauen bei der Weltspitze. Ob es eine Wiederauflage geben wird? Das hänge in erster Linie vom brasilianischen Budget ab. Mit einem Auto voller Ski nach Cortina fahren ist eine leichte Übung, eine Flugreise eine andere Nummer.

In Cortina verhinderte Corona, dass auch Familie Holm dabei sein konnte. „Schon schade“, findet Vater Andreas, auch wenn man sich im Lauf der Saison daran gewöhnt habe. „Schade, dass man ihn nicht in den Arm nehmen konnte, als er im Riesenslalom in der Qualifikation ausgeschieden ist“, sagt er und schiebt schnell lachend nach, dass das einem Heranwachsenden wahrscheinlich ohnehin lieber sei. Vielleicht darf Christopher Holm auch bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking dabei sein. „Dann hoffentlich auch mit Eltern“, träumen diese. Nehmen sie sich auch da ein Beispiel an Hubertus von Hohenlohe, sollten sich in den kommenden 40 Jahren noch einige Gelegenheiten bieten.

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