Marlies Oberlechner
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Schnell und fokussiert war Marlies Oberlechner auf der Piste – und auf dem besten Weg in den Nationalkader. Diese Eigenschaften will sie nun abseits des Sports nutzen.

Kreutherin entscheidet sich gegen mögliche Weltcup-Karriere

Marlies Oberlechner: „Ich hab nicht mal mehr Ski“

  • vonHeidi Siefert
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Sie stand vor dem Sprung in den Nationalkader, entschied sich aber gegen den Sport. Marlies Oberlechner aus Kreuth hat ihre Ski an den Nagel gehängt.

Schliersee – Es ist der Traum jedes ambitionierten Nachwuchssportlers: Erfolge feiern. Den Sprung in einen Kader schaffen. Den Sport zum Beruf zu machen. Auch die Kreutherin Marlies Oberlechner träumte diesen Traum. Hatte ihn zum Greifen nah. Doch kurz vor einem entscheidenden Karriereschritt entschied sie sich anders. Statt mit ihren Freundinnen als Dreamteam zu dritt den Rennzirkus aufzumischen, stellte die 17-Jährige die Ski in die Ecke, zog dem internationalen Skizirkus das normale Leben daheim vor und ist heute glücklich, sich dafür entschieden zu haben.

„Es war eine so schöne Zeit“, erzählt Oberlechner von ihrer Skikarriere, die beim heimischen SC Kreuth begann und stetig nach oben führte. Zuletzt wurde sie Zweite im Deutschen Schülercup der U16 und hätte damit auf Anhieb den Sprung in den DSV-Nachwuchskader geschafft. Das war im Winter 2018/19, und die drei Mädels aus dem Oberland – Lara Klein, Sophia Zitzmann und Oberlechner – nahezu unschlagbar. Sie hatten Spaß am Skifahren, wurden von Trainerin Michaela Schmotz unterstützt und malten sich aus, wie sie weitere Erfolge feierten.

Nicht schlafen, bis eine Entscheidung gefallen ist

Doch zuvor stand eine Entscheidung an. „Wie wir es bisher organisierten, wäre es nicht mehr weiter gegangen“, sagt die sympathische Gymnasiastin über ihre zwangsläufig vielen Fehltage. Kurz hatte das Trio geträumt, mit Schmotz daheim trainieren zu dürfen, doch das unterstützte der Deutsche Skiverband (DSV) nicht. Eine Option war, weiter in Tegernsee zur Schule zu gehen und am Garmischer Stützpunkt zu trainieren. Ein enormer logistischer Aufwand und keine Lösung für die Fehltage. Die andere Möglichkeit: das Skiinternat in Berchtesgaden. „Man kann dort echt gut trainieren, ist mit Sportlern von überall unterwegs und Schulaufgaben werden vorzugsweise nach der Saison geschrieben.“ Eigentlich perfekt.

Aber was ist mit den Freunden daheim? Mit dem Trachtenverein? Und was, wenn eine Verletzung käme, wie sie es bei Marisa Messmer aus Schliersee erlebt hatte? Die Aussicht, in so einem Fall allein im Internat zu sitzen, gefiel ihr ebenso wenig wie die Zukunftsperspektiven. „Die Wahrscheinlichkeit, in den Weltcup zu kommen, ist so gering“, überlegte Oberlechner. „Und was dann?“

Marlies Oberlechner

Bundeswehr sei nicht ihr Berufsziel, so die vielseitig interessierte junge Frau, der eher ein Studium der Meteorologie oder Astrophysik vorschwebt. Irgendwann sei sie mit dem Vorsatz zu Bett gegangen, nicht eher zu schlafen, bis eine Entscheidung getroffen sei. Bis vier Uhr lag sie wach. Am nächsten Morgen verkündete Marlies Oberlechner Familie, Freunden und Trainern, dass sie aufhören würde, und freute sich, dass ihr keiner ins Gewissen reden wollte.

Oberlechner: Schön, Zeit für die Familie zu haben

Auch SVO-Alpin-Sportwart Jörg Zitzmann nicht, der es aus sportlicher Sicht sehr bedauert, aber menschlich weiß, dass es die „außergewöhnliche Athletin“ für sich richtig gemacht hat. So klar strukturiert wie sie sei keine.

Gepaart mit ihrem Fleiß und Talent wäre diese Fähigkeit im Skizirkus sicher vorteilhaft gewesen, sagt Zitzmann, der sie als Freundin der eigenen Tochter seit Jahren kennt und weiß, dass was sie tut, Hand und Fuß hat. „Sie ist ein besonderer Mensch, den jeder mag.“

Marlies Oberlechner selbst lebt gut mit ihrer Entscheidung, die sie auch nicht anzweifelte, als sie die Freundinnen bei Rennen am Sonnenbichl oder in Lenggries besuchte. „Ich kann mir schon vorstellen, dass es schön gewesen wäre.“ Aber es sei auch schön, Zeit für Familienfeste und Trachtenverein zu haben – oder mal ohne Trainingsplan auf den Berg zu gehen. Sie hat angefangen, Volleyball zu spielen.

Skifahren war sie im vergangenen Winter nur zweimal. „Ich hab nicht mal mehr Ski“, sagt sie lachend. Nur während der Olympischen Jugendspiele heuer in Lausanne (wir berichteten) sei sie etwas wehmütig gewesen, weil sie gute Chancen gehabt hätte, dort zu starten.

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