Einer der deutschen Hoffnungsträger in Kitzbühel: Andreas Sander.
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Andreas Sander holte sensationell Abfahrts-Silber.

Markus Veith aus Tegernsee erinnert sich, wie es ist, um wenigste Hundertstelsekunden Gold zu verpassen

Veith erinnert sich an knappes WM-Silber: Freude überwiegt

  • Sebastian Schuch
    vonSebastian Schuch
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Um eine Hundertstel verpasste Andreas Sander bei der Ski-WM Gold. Wie sich das anfühlt, weiß der Tegernseer Michael Veith aus eigener Erfahrung.

Tegernsee/Cortina d’Ampezzo – 0,01 Sekunden oder lediglich 27 Zentimeter fehlten Andreas Sander am Sonntag bei der WM-Abfahrt im italienischen Cortina d’Ampezzo zum Titel. Der 31-Jährige freute sich trotz des minimalen Rückstands auf den Österreicher Vincent Kriechmayr übermäßig über Silber. Der Tegernseer Michael Veith kann das voll nachvollziehen, war er vor 43 Jahren doch in der gleichen Situation. Damals, bei der Heim-WM in Garmisch, holte der heute 64-Jährige ebenfalls mit einem minimalen Rückstand Silber hinter einem Österreicher. Um 0,07 Sekunden oder 87 Zentimeter verpasste Veith den ganz großen Triumph.

„Ich war einfach froh, dass ich eine Medaille gemacht hab’“, erinnert sich Veith an den größten Erfolg seiner aktiven Skikarriere. Genau wie zuletzt der Schlierseer Markus Wasmeier freut er sich, dass die deutsche Mannschaft bei der WM in Cortina bislang so gut abschneidet und die Erwartungen übertrifft.

Michael Veith holte 1978 Silber in Garmisch.

„Nein, ärgert mich nicht“, sagte Sander über die hauchzart verpasste Goldmedaille. Auch das kann Veith aus eigener Erfahrung nachvollziehen. „Klar spielt jeder darauf an, aber die Freude überwiegt“, betont der Tegernseer. Diese Medaille, diesen Erfolg könne keiner mehr nehmen. Klar ist aber auch: „Die paar Hundertstel findet man immer.“ Das komme aber erst etwas später.

Veith gehörte zum Favoritenkreis

Eine weitere Parallele zwischen Sander und Veith: Der Weltmeister – 2021 Kriechmayr, 1978 Josef Walcher – hatte bei Zieleinfahrt seinen Lauf schon hinter sich. Bei beiden deutschen Startern leuchtete also die „Zwei“ auf. Für beide ist es zudem die erste WM-Medaille.

Doch es gibt auch Unterschiede: Sander ging bereits als zweiter Starter auf die Piste. „Er wusste nach Kriechmayr, dass was geht“, ist sich Veith sicher. Immerhin war der Österreicher bereits im Super-G nicht zu schlagen. Allerdings warteten einige Medaillenfavoriten noch auf ihren Lauf. Bei Veith war das etwas anders. Mit Startnummer 15 waren die meisten Kontrahenten bereits vor ihm an der Reihe. „Ich wusste, es kann sich ausgehen mit einem Stockerlplatz“, sagt er deshalb – und behält in der Retrospektive recht.

Veith freut sich über jede Medaille

Ein weiterer Unterschied: Bei Veith konnten die deutschen Fans eher mit einer Medaille rechnen, als bei Sander und zuvor auch Romed Baumann im Super-G. Denn der Tegernseer war im letzten Rennen vor der WM in Kitzbühel bereits nur wenige Hundertstel langsamer als Walcher. „Bei uns war es damals auch eng“, sagt Veith und lacht. Aufgrund der vorherigen Ergebnisse – und natürlich aufgrund des WM-Orts – sei der Druck, die Erwartungen zu erfüllen, groß gewesen.

Das Maskottchen der Ski-WM 1978 hat Leser Horst Billenkamp, der in Garmisch vor Ort war, bis heute aufbewahrt.

Doch in diesen Tagen kann Veith die deutschen Erfolge aus der Ferne genießen. Und sich für die aktuell drei deutschen Medaillengewinner freuen – vor allem für Sander. „Das hat er sich absolut verdient, dass er das mal runter gebracht hat. Er hatte zum ersten Mal im Rennen die Lockerheit.“ Vielleicht darf sich Veith in den verbleibenden Rennen mit seinen Nachfolgern ja noch über weiteres Edelmetall freuen.

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