Vor fast 50 Jahren hat Otto Schwarz das Langlauf-Fieber gepackt und seitdem nicht losgelassen. Foto: Arndt Pröhl
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Vor fast 50 Jahren hat Otto Schwarz das Langlauf-Fieber gepackt und seitdem nicht losgelassen.

Deutscher Skiverband kürt Otto Schwarz (70)

Otto Schwarz: Langlauftrainer des Jahres

  • vonHeidi Siefert
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Mit 70 Jahren ist Otto Schwarz (SLV Tegernsee) eine Ehre zuteil geworden, mit der er nicht gerechnet hatte: Der Deutsche Skiverband kürte ihn zum Langlauf-Trainer des Jahres.

Tegernsee – „Ich als Trainer des Jahres – das ist ja unvorstellbar.“ Otto Schwarz kann es noch immer nicht recht glauben, dass ihm der Deutsche Skiverband (DSV) diese Ehre in der Kategorie Langlauf zuteil werden ließ. Nicht minder erfreut, aber weniger überrascht ist Oliver Kesper. Der Sportwart nordisch im Skiverband Oberland (SVO) weiß um die Qualitäten des 70-jährigen Vollblutsportlers, der seit einem Vierteljahrhundert tatkräftig den Nachwuchs unterstützt, seine Leidenschaft fürs Langlaufen vermittelt und den Mädels und Burschen seines Heimatvereins SLV Tegernsee ebenso in die richtige Spur hilft, wie den Schülern im Gau: „Er ist ein Vollbluttrainer, der seine Sportler liebt – und sie lieben ihn.“

Vor einigen Jahren sei ein guter Bekannter als „Trainer des Jahres“ ausgezeichnet worden, aber für ihn sei das utopisch gewesen, erzählt der Reichersbeurer Schwarz und ergänzt lachend, dass es der neunköpfigen Jury aus DSV-Präsidium, Vorständen und sportlichen Leitern scheinbar gefallen habe, was er tut. Er selbst stand vor fast 50 Jahren mit Arbeitskollegen von der Spielbank Bad Wiessee erstmals auf den schmalen Brettern. Nach einer halben Stunde sei er platt gewesen, aber gleichzeitig so begeistert, dass er bald erste Volksläufe lief und überall in der Langlauf-Welt unterwegs war. Viele nationale und internationale Titel hat er geholt, wurde im Winter 1998/99 Senioren-Weltmeister in Lake Placid und hatte eindrucksvolle Erlebnisse in den skandinavischen Langlauf-Hochburgen, etwa auf den Olympia-Loipen von Lillehammer. Nur eine Einladung nach Russland habe er ausgeschlagen. Dort wären die Athleten kaserniert gewesen –ohne die Möglichkeit, abseits der Sportanlagen etwas von Land und Leuten zu sehen.

Wenn Otto Schwarz erzählt, schwingt seine Begeisterung mit. Und seine Dankbarkeit für die familiäre Unterstützung. „Ohne den Rückhalt meiner Frau wäre das alles nicht möglich gewesen“, sagt er über Angelika, die mit ihm die Freude am Sport teilt und auch sein Engagement für den Skinachwuchs mit trägt. Das begann vor 25 Jahren beim SLV Tegernsee. Irgendwann sei er nebenbei dann auch beim Gau eingestiegen. Zunächst an der Seite von Hansi Fischhaber. Heute bildet der Routinier mit Manuela Gschwendtner ein Team, in dem sie sich optimal ergänzen, weil die junge Kollegin zu seinen Erfahrungen moderne Trainingsansätze bringe.

Auf welch fruchtbaren Boden das fällt, zeigen die Resultate ihrer Schützlinge, von denen eine ganze Reihe in der bayerischen und sogar deutschen Spitze etabliert ist. Unter anderem seine Tegernseer Tobias und Maximilian Tent, Maria und Johannes Gatter. Seit sie mit dem Langlaufen begonnen haben, begleitet Schwarz deren sportlichen Werdegang. „Ob beim sommerlichen Skirollertraining oder im Winter auf Schnee, Otto Schwarz ist immer zur Stelle“, hebt Kesper hervor. „Auch mit 70 Jahren läuft er immer noch selbst auf Roller und Ski mit“, beschreibt er das Engagement des Trainers mit mindestens zwei bis drei Einheiten pro Woche. Dazu Trainingslager im In- und Ausland, wie das bevorstehende in der Skihalle in Oberhof und die Wettkämpfe „bei denen er seinen Aktiven nicht nur als Trainer, sondern auch als Wachser, Rennbetreuer und väterlicher Freund zur Seite steht“, ergänzt der Sportwart.

16 Schützlinge hat Schwarz beim SVO unter seinen Fittichen. „Das passt genau in unsere zwei Busse“, erzählt er pragmatisch, und Kesper ergänzt, wie Schwarz den Nachwuchs bisweilen direkt an der Schule abholt, wenn sie nach Seefeld oder Leutasch fahren müssen, weil im Oberland noch nicht genug Schnee liegt.

Umgekehrt freut sich der Trainer über die unkomplizierte Unterstützung durch die Eltern. Erst jüngst hätte er ohne die nichts machen können. Beim Skirollertraining im Juni hatte ihn ein Auto erfasst. „Das Schlüsselbein war gebrochen“, erzählt er – und dass er so froh sei, dass es nur ihn erwischt habe und keines der Kinder. Die konnten dennoch gleich wieder auf ihren Otto zählen, der sich zum Training bringen ließ, damit beim Nachwuchs nichts ausfallen musste. So etwas sei bezeichnend für ihn, loben die Sportler-Kollegen und erzählen, wie Schwarz mit Christine von Miller vom Tegernseer Tal Tourismus den Nordic Cross Skitty Park am Sonnenbichl ins Leben rief oder Treffen der Loipenfahrer im Tegernseer Tal initiierte.

Bis ihm sein Preis überreicht wird, muss sich Otto Schwarz noch etwas gedulden. Wegen der Corona-Pandemie werden die Feierlichkeiten erst nächstes Jahr nachgeholt. Wer weiß, welche Erfolge seiner Schützlinge bis dahin seine schon jetzt beeindruckende Trainerbilanz ergänzen werden.

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