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Faire Verliererin: Viktoria Rebensburg (r.) gratuliert Weltmeisterin Petra Vlhova. Mikaela Shiffrin wurde Dritte.

Kreutherin verpasst Gold

Rebensburg: „Ich habe Silber gewonnen“

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Nach Bestzeit im ersten Durchgang, freut sich Viktoria Rebensburg über WM-Silber im Riesenslalom. Einen ganzen starken Auftritt liefert Marlene Schmotz ab.

Åre – Einen kleinen Moment brauchte Viktoria Rebensburg, um sich zu freuen. Zu groß war die Enttäuschung, den WM-Titel ganz knapp verpasst zu haben. Aber die Kreutherin hat bei den Alpinen Skiweltmeisterschaften in Åre die erhoffte Medaille geholt. Silber im Riesenslalom, in ihrer Lieblingsdisziplin. Nur die Slowakin Petra Vlhova, die im zweiten Durchgang einen absoluten Traumlauf erwischte, war schneller. „Ich habe Silber gewonnen. Das hier bei einem Großereignis zu machen, ist extrem cool“, sagte Rebensburg im ZDF, nachdem sie sich ein wenig sortiert hatte.

Die 29-Jährige war im ersten Durchgang Bestzeit gefahren und lag im zweiten Lauf bis zur letzten Zwischenzeit noch mit vier Zehnteln vorne, die Goldmedaille war zum Greifen nahe. Im Ziel war die Kreutherin aber 14 Hundertstelsekunden langsamer als Vlhova.

Ihr bestes Riesenslalomergebnis fuhr Marlene Schmotz bei der WM mit Platz 19 ein.

Die zweite Starterin aus dem Landkreis, Marlene Schmotz, fuhr bei ihrer ersten Weltmeisterschaften auf einen starken 19. Platz und holte damit ihr bisher bestes Riesenslalom-Ergebnis. „Der zweite Lauf war nicht ganz fehlerfrei, aber ich habe mein Bestes gegeben“, sagte die Fischbachauerin.

Für Rebensburg war das entscheidende Ass im Ärmel auf dem Weg zu Silber wieder einmal ihre Lockerheit. Nach dem vierten Platz im Super-G mit zwei Hundertsteln Rückstand auf Bronze und Rang elf in der Abfahrt war der Riesenslalom ihre letzte Chance auf eine Medaille. Eine Drucksituation. Manch einer mag sich verwundert die Augen gerieben haben, als die Kreutherin rund eine Viertelstunde vor ihrem zweiten Lauf im Fernsehen eingeblendet wurde und noch lässig scherzte und lächelte. Das war keine aufgesetzte Lockerheit. Schon im Vorfeld des Riesenslaloms hatte sich Rebensburg nicht verrückt machen lassen. „Ich weiß, was ich draufhabe und dass ich schnell fahren kann“, sagte Rebensburg vor dem Rennen in ihrer Paradedisziplin.

Mit dieser Gewissheit ging sie in Åre an den Start und zeigte es allen Kritikern. Schließlich war Rebensburg förmlich aus dem Favoritenkreis herausgeredet worden. Man konnte das Gefühl bekommen, dass ihr nicht einmal die Verantwortlichen des Deutschen Skiverbands (DSV) eine Medaille zugetraut hatten. Etwas ungewohnt war dabei Rebensburgs Ausgangsposition vor dem zweiten Durchgang. Bei ihren bisherigen Medaillen bei Großereignissen war sie nach dem ersten Durchgang noch in Lauerstellung gelegen und hatte sich dann im zweiten Lauf nach vorne katapultiert – bei den Olympischen Spielen 2010 vom sechsten Platz zu Gold, bei den Olympischen Spielen 2014 vom sechsten Platz zu Bronze und bei der WM 2015 sogar vom elften Platz zu Silber.

In Åre war Rebensburg nicht Jägerin, sondern die Gejagte. Beinahe hätte sie alle Angriffe der Konkurrentinnen abgewehrt. Aber Vlhova schaffte es dann doch noch, die Kreutherin abzufangen. Im unteren Teil verlor Rebensburg die entscheidenden Hundertstel. „Die letzte Welle hat sich nicht so schlecht angefühlt für mich. Aber anscheinend habe ich da ganz schön viel Zeit liegen gelassen. Das ärgert einen dann kurzzeitig noch einmal.“

Der Ärger wird aber wohl schnell wieder verflogen sein. Rebensburg hat wieder einmal eindrucksvoll bewiesen, dass im Riesenslalom immer mit ihr zu rechnen ist – vor allem auf der ganz großen Bühne. 

cf

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