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Acht Sekunden fehlen zum Ironman-Glück

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Von: Paul Hopp

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Da war das dramatische Finish noch nicht absehbar: Beim Radfahren arbeitete sich Stefan Schmid in die Spitzengruppe vor. Dennoch verausgabte sich der 28-Jährige dabei nicht vollends. foto: kutsche (archiv)
Da war das dramatische Finish noch nicht absehbar: Beim Radfahren arbeitete sich Stefan Schmid in die Spitzengruppe vor. Dennoch verausgabte sich der 28-Jährige dabei nicht vollends. © Kutsche (archiv)

Peißenberg - Stefan Schmid belegt in Chattanooga in einem der knappsten Rennen der Geschichte den dritten Platz. Acht Sekunden fehlten ihn zum Ironman-Glück.

 Es war ein Wettbewerb für die Geschichtsbücher, und Stefan Schmid spielte eine Hauptrolle darin. Begeistert war der Peißenberger Triathlon-Profi davon aber keineswegs: „Sowas wünscht sich kein Athlet. Es war furchtbar.“ Beim Ironman in Chattanooga (USA/Tennessee) lag Schmid eine Meile vor dem Ziel mit dem Esten Kirill Kotsegarov und dem US-Amerikaner Matt Chrabot gleichauf – und kämpfte mit ihnen um den Sieg. Für gewöhnlich sind die Athleten beim Ironman in der Schlussphase minutenweise voneinander getrennt. „Da verwaltet man eigentlich immer nur das Ergebnis“, sagte Schmid. Nicht in diesem Fall. 400 Meter vor dem Zielstrich kam es schließlich zu einem Sprintfinale. Dabei konnte Schmid nicht mehr zusetzen. Kotsegarov triumphierte mit zwei Sekunden Vorsprung auf Chrabot, der auf den letzten Metern auch noch stolperte. Schmid hatte als Dritter acht Sekunden Rückstand auf den Sieger. Am Ende lagen alle drei Kontrahenten völlig ausgepumpt im Ziel.

Besonders für Schmid war der Ausgang – nach Aussage der Veranstalter der bis dato knappste in der Ironman-Geschichte – bitter. Nur um eine Winzigkeit verfehlte er seinen ersten Sieg als Profi auf der Langdistanz. Im ersten Moment „war ich sehr enttäuscht“, berichtete der 28-Jährige. Doch nur wenige Stunden danach war der Peißenberger schon wieder deutlich besser drauf: „Ich bin wieder happy und kann lachen“, teilte er mit.

Nach der Analyse des Rennens stand für ihn fest: „Ich habe keine Fehler gemacht und in allen drei Disziplinen sehr gute Leistungen gebracht.“ Im Hinblick auf die Zukunft stimmte ihn der Auftritt zuversichtlich: „Ich entwickle mich immer weiter.“ Das zeigt auch die Statistik. Die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen absolvierte der Peißenberger in 8:08:40 Stunden. Seine bisherige persönliche Bestleistung von 8:11:04 Stunden – aufgestellt heuer in Roth – unterbot er damit deutlich. Darüber hinaus stellte er in Chattanogga einen Streckenrekord mit dem Rad (4:27:31) auf. Das Grübeln darüber, wo er die verflixten acht Sekunden hätte aufholen können, ließ der Athlet vom Post SV Weilheim sein. „Ich habe alles gegeben und hätte zu keinem Zeitpunkt schneller sein können.“

Zwischendrin war mit so einem knappen Ausgang auch nicht zu rechnen gewesen. Das Schwimmen im Tennessee-River „verlief recht unspektakulär“, berichtete Schmid. Mit einer Zeit von 44:25 Minuten und einem Rückstand von rund vier Minuten auf den Führenden Chrabot kam der Athlet vom Post SV Weilheim aus dem Wasser.

Auf der wegen zahlreicher Wellen ziemlich unrhythmischen Radstrecke hielt sich Schmid zunächst zurück. „Ich tendiere ansonsten immer dazu, gleich am Anfang zu viel Gas zu geben“, sagte er. Diesmal zwang er sich regelrecht, das Tempo auf einem für ihn eher gemäßigten Level zu halten. Dies sei rückblickend die entscheidende Aktion gewesen, „die mir das Podium beschert hat“, so Schmid. Nach 130 Kilometern löste sich der Peißenberger mit Kotsegarov und einem Schweden aus der Verfolgergruppe und verringerte den Rückstand auf den Zweit- und Drittplatzierten deutlich.

Während des Marathons spitzte sich der Wettbewerb dann zu. Auf der anspruchsvollen, zweimal zu durchlaufenden Laufrunde – die erste Hälfte war flach, der zweite Teil hügelig – legte Schmid furios los. Sukzessive verringerte er den Rückstand auf den zu diesem Zeitpunkt führenden Eric Limkemann (USA). Als er nach 15 Kilometern den Spitzenreiter im Blick hatte, kam von hinten Chrabot heran. Schmids Versuch, mit dem US-Amerikaner mitzugehen, scheiterte. Er fiel sogar auf den vierten Rang zurück. Doch der Peißenberger überwand das Tief. Nach weiteren 10 Kilometern hatte er zum nunmehr drittplatzierten Kotsegarov aufgeschlossen. Gemeinsam gingen sie an Limkemann vorbei. Sechs Kilometer vor dem Ziel sahen Schmid und Kotsegarov dann plötzlich Spitzenreiter Chrabot. Wenig später kam es zum Zusammenschluss. „Vor allem bei den Bergab-Passagen hatte ich zu kämpfen, ließ mich aber nicht abschütteln“, so Schmid. Bei einem Acht-Stunden-Wettkampf auf den letzten Metern mit zwei anderen um den Sieg kämpfen zu müssen, sei „der absolute Horror“. Am Schluss „hat niemand mehr taktiert“, so der Peißenberger. Jeder aus dem Trio gab alles. 400 Meter vor dem Ziel war bei Schmid jedoch „Schicht im Schacht“, sagte er. Das Duell auf der Zielgeraden „musste ich mir von hinten anschauen.“

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