Freude auf den letzten Metern: Markus Brennauer an der Starnberger Seepromenade.
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Freude auf den letzten Metern: Markus Brennauer an der Starnberger Seepromenade.

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Markus Brennauer umrundet Starnberger See in Rekordzeit

  • Paul Hopp
    vonPaul Hopp
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Corona lässt auch heuer kaum Laufwettkämpfe zu. Markus Brennauer lässt sich davon nicht beirren. Der Penzberger sucht sich spezielle Lauf-Herausforderungen. Bei einer hat er nun einen Rekord erzielt.

Penzberg – Die drei Sportkameraden von Markus Brennauer hatten sich genau richtig postiert. Am Ende des Anstiegs beim Buchheim-Museum mit 30 Höhenmetern stand das Trio, darunter Vereinskollege Sascha Pirke, um den Läufer des TSV Penzberg anzufeuern. Die Unterstützung nach 31 Kilometern kam gerade recht, denn in dieser Phase seines Laufs rund um den Starnberger See hatte er einige Probleme. „Meine Beine wurden zusehends müder und ich fürchtete mich schon ein wenig vor dem längsten Anstieg der Strecke am Buchheim Museum“, berichtete der Penzberger. Vom Applaus der drei sei er dann beflügelt worden.

Am Ende schaffte der 41-Jährige ein beachtliches Ergebnis: Die 49,3 Kilometer lange Strecke absolvierte Brennauer in 3:07:04 Stunden. Damit stellte der Realschullehrer eine neue „Fastest known time“ (FKT) auf. FKT steht in Athletenkreisen für die schnellste nachgewiesene Zeit für eine bestimmte Strecke; online gibt es dazu eine große Datenbank. Den Rekord für diesen Lauf hielt bislang Florian Neuschwander mit 3:13:56 Stunden; er war im April 2016 gelaufen.

Brennauer deutlich schneller als Ultralauf-Ass Neuschwander

Exakt um 9.25 Uhr war Brennauer am Starnberger Bahnhof im Uhrzeigersinn um den See herum gestartet. Von Beginn an musste er gegen extrem starken Wind ankämpfen. Trotzdem startete der Penzberger „recht offensiv in sein Vorhaben“, wie er es nannte. Den ersten Kilometer legte er in 3:36 Minuten zurück. Es folgten die beiden Brücken im Starnberger Hafen am Nepomukweg mit vielen Treppenstufen. „Nach den Stufen fand ich am Ostufer in meinen Rhythmus und war deutlich schneller als geplant unterwegs“, berichtete er. Die ersten zehn Kilometer hatte er nach 37:20 Minuten absolviert.

Beim Weg durch Ammerland und Ambach wurde der Wind immer stärker. „Teilweise wurde ich richtig aus der Bahn geschleudert und musste selbst auf der schnurgeraden Strecke Kurven laufen. Ich musste ständig Druck machen, um wegen des Gegenwindes nicht langsamer zu werden.“ Nach 19 Kilometern stand Ehefrau Conny Lechner-Brennauer bereit, um Verpflegung zu reichen. Beim Verzehr eines Kohlenhydratgels verschluckte sich Markus Brennauer und musste kurz stehen bleiben. Diese kurze Zwangspause kostete ihn nur wenige Sekunden. Nach 20 Kilometern zeigte die Uhr 1:14:40 Stunden. Langsam entfaltete die Sonne ihre Kraft, sodass sich Brennauer seines Laufpullovers entledigte. Die Hälfte war geschafft. „Durch Seeshaupt hindurch spürte ich zum ersten Mal, dass meine Beine etwas müde werden. Zwar hatte ich bereits vier Minuten auf die FKT von Florian Neuschwander herausgelaufen, aber leichte Zweifel stellten sich ein“, so der TSV-Läufer.

Am Schloss Seeseiten nach 27 Kilometern bekam er seine nächste Flasche gereicht. Mit dem Trinken ließ er sich mehrere Kilometer Zeit. Grund dafür war, dass sich ein leichtes Völlegefühl im Magen breit gemacht hatte, das ihm später noch größere Probleme bereiten sollte. Als er Bernried passiert hatte, standen seine Lauffreunde zum Anfeuern parat. Vereinskamerad Sascha Pirke wollte Brennauer eigentlich für 20 Kilometer begleiten, doch starke Rückenschmerzen hatten den Plan zunichte gemacht. Von den Freunden motiviert, nahm Brennauer wieder Fahrt auf, wobei ihm das abfallende Gelände in Richtung Tutzing half. Auch ließ der Wind etwas nach.

Die Strecke des bei FKT hinterlegten Laufs führt zu großen Teilen direkt am Ufer des Starnberger Sees entlang.

An der Eisdiele in Tutzing – 37 Kilometer waren geschafft – standen erst seine Frau und 500 Meter weiter seine drei Freunde. „Diese Unterstützung war auch bitter notwendig, denn ich bekam leichtes Seitenstechen“, so Brennauer. Er reduzierte sicherheitshalber seine Geschwindigkeit auf 15 km/h, da er nichts mehr gegessen und getrunken hatte. Dadurch verschwand das Seitenstechen wieder. „Ab dem Schloss Garatshausen war ich mir sicher, dass ich die FKT von Florian unterbieten würde“, so Markus Brennauer. Selbst, wenn er die letzten zehn Kilometer in 45 Minuten gelaufen wäre, hätte es gereicht.

Mit der Gewissheit konnte Brennauer „nun den Weg vorbei an der Roseninsel genießen“. Ab dem Possenhofener Schloss wechselte er vom Wanderweg auf die Straße, nur noch vier Kilometer lagen vor ihm. Sein Schnitt pendelte sich bei 3:45 Minuten pro Kilometer ein, wobei er das leicht abschüssige Gelände in Richtung der Starnberger Seepromenade zu einer weiteren Temposteigerung nutzte. „Ich war erstaunt, wie gut sich mein Körper auf den letzten Kilometern anfühlte“, so Brennauer. Am Ende hatte er den bisherigen Rekord von Deutschlands bestem Ultraläufer um fast sieben Minuten unterboten. Neuschwander war seinerzeit nicht mit vollem Einsatz gelaufen, wie er Brennauer im November 2020 verraten hatte. Allerdings war auch der Penzberger nicht ganz am Limit gelaufen. Erst eine Woche davor hatte er sich zu der Aktion entschieden. „Ich hatte im Training bemerkt, dass ich richtig gut drauf bin. Zudem wird es immer wahrscheinlicher, dass auch 2021 im Frühjahr und Sommer keine Wettkämpfe stattfinden werden“, erklärt er seine Beweggründe für den Lauf.

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