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Schwieriger Saisonstart für Iris Schmidbauer

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Von: Paul Hopp

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Iris Schmidbauer beim Red Bull Cliff Diving in Saint-Raphael
Schweben unter Wasser: Iris Schmidbauer nach dem Eintauchen beim Red Bull Cliff Diving in Frankreich. © Alex Voyer / Red Bull Content Pool

Sie springt wieder: Iris Schmidbauer war beim ersten Red-Bull-Cliff-Diving in Frankreich am Start. Dort hatte die Pählerin aber zu kämpfen. Die lange Wettkampfpause hat sich bemerkbar gemacht. Dennoch wagte sie im Finale einen Mega-Sprung.

Saint-Raphaël – Die Athletinnen vor Iris Schmidbauer hatten ordentlich Party gemacht. Bevor sie sich aus 21 Metern Höhe ins Meer stürzten, winkten Jaki Valente (Brasilien) und Genevieve Bradley (USA) gut gelaunt ins Publikum und brachten so die auf Booten, Kajaks und Surfbrettern Sitzenden zum Jubeln und Lärmmachen. Die Klippenspringerin aus Pähl verzichtete dagegen auf jegliches Animiergehabe. Voll konzentriert ging sie die vierte, finale Runde beim „Red Bull Cliff Diving“ nahe Saint-Raphaël an. Als sie zum Absprung bereit stand, schnaufte Schmidbauer noch zweimal gut vernehmbar durch.

Schmidbauer zeigt im Finale den schwierigsten Sprung

Es war der 26-Jährigen anzumerken, dass ihr zum Saisonstart nicht alles so einfach von der Hand ging. Die lange Wettkampfpause – 2020 fand wegen Corona keine Cliff-Diving-Serie statt – und die während ihres Neuseeland-Aufenthalts (wir berichteten) fehlende Möglichkeit, von Höhen über zehn Meter zu springen, machten sich bemerkbar. Das letzte Red-Bull-Cliff-Diving hatte im September 2019 in Bilbao stattgefunden. Wenige Tage vor dem Saisonstart in Frankreich hatte die Pählerin zumindest die Gelegenheit, in der „Area 47“ in Haiming (Tirol) zwei Tage lang zu trainieren. Da zeigte sich aber schon, vor welcher Herausforderung sie steht: Den ersten High-Dive wollte sie eigentlich aus 17 Metern machen, doch auf der Plattform entschied sie sich spontan dagegen. „Ich musste auf die 15-Meter-Plattform gehen und mich langsam hocharbeiten.“

 Die Plattformen waren in Frankreich direkt an Klippen angebracht. Auf dem Foto ist rechts Iris Schmidbauer im Flug zu sehen.
Höhenangst verboten: Die Plattformen waren in Frankreich direkt an Klippen angebracht. Auf dem Foto ist Iris Schmidbauer im Flug zu sehen. © Red Bull Content Pool

Wieder in den Wettkampfmodus zu kommen und die Angst zu überwinden, 20-Meter-Sprünge zu absolvieren, „war ein harter und verrückter Ritt“, teilte Schmidbauer danach mit. Selbst die einfacheren Sprünge waren ihr nach so einer langen Pause geradezu unheimlich geworden. Zumindest mit den Dives in den ersten beiden Runden war sie recht zufrieden. „Noch nicht ganz das, was ich kann, aber gut genug“, so lautete das Fazit. Als in der dritten Runde ein neuer und im Finaldurchgang ihr schwierigster Sprung anstanden, „rasten tausende Schmetterlinge durch meinen Bauch“, verriet Schmidbauer.

In der abschließenden Runde zeigte die Pählerin einen rückwärts gesprungenen Dreifach-Salto mit zwei Schrauben. Der hat in der offiziellen Wertungsliste die Schwierigkeit 4,3 – keine andere Athletin wählte im Schlussdurchgang ein so hohes Level. Doch beim Klippenspringen kommt es vor allem auf die Ausführung an. Und da unterlief Schmidbauer ein Missgeschick: Im letzten Flugteil (einem Barani) musste sie, um die letzte Drehung hinzubekommen und mit den Füßen voraus im Wasser zu landen, die Streckung verlassen und die Beine anziehen. Auf so etwas schauen die Punktrichter ganz genau – und bestrafen Abweichungen mit hohen Abzügen. Im Rückblick, so Schmidbauer, „bin ich sicher, ich hätte die Beine gestreckt lassen können“. Doch nach so einer langen Zeit ohne Sprünge aus großer Höhe habe sie so reagiert, „um mich selber zu schützen“. Die Athleten tauchen immerhin mit Geschwindigkeiten bis zu 85 km/h ins Wasser ein. Schmidbauer wusste gleich, dass ihr der Sprung nicht viele Punkte bescheren würde. Unmittelbar nach dem Auftauchen machte sie mit den Händen eine enttäuschte Geste.

Iris Schmidbauer unmittelbar nach dem Absprung von der Plattform, die 21 Meter über dem Wasser installiert ist.
Volle Konzentration, höchste Anstrengung: Das Foto zeigt Iris Schmidbauer unmittelbar nach dem Absprung von der Plattform, die 21 Meter über dem Wasser installiert ist. Die Springerinnen sind maximal drei Sekunden in der Luft. Das Eintauchen ins Wasser muss aufgrund der hohen Geschwindigkeit immer mit den Füßen voraus erfolgen. © Red Bull Content Pool/Alex Voyer

Aufgrund der niedrigen Bewertung durch die Richter (deren Noten werden mit dem Schwierigkeitsgrad multipliziert) schaffte es Schmidbauer nicht mehr, sich nach vorn zu schieben. Die zweifache WM-Teilnehmerin musste sich mit dem neunten Platz (219,65 Punkte) unter zwölf Springerinnen zufrieden geben. Es gewann Topfavoritin Rhiannan Iffland (Australien) mit 376,45 Punkten. Die zweite Deutsche im Feld, Anna Bader (37), wurde Siebte (257,95).

Entmutigen lässt sich Schmidbauer von dem Auftakt freilich nicht. Sie freut sich auf die weiteren Wettbewerbe in diesem Jahr und will „so hart wie möglich daran arbeiten, mich zu verbessern“. Allerdings hat die Pählerin auch einen Nachteil gegenüber der Konkurrenz: Sie hat keinen eigenen Trainer und keine externen Sponsoren. So muss sie, nunmehr aus Neuseeland zurückgekehrt, erst noch schauen, wo sie Trainingsmöglichkeiten findet. In Kanada hat Klippenspringen schon einen sehr hohen Stellenwert. Dort gibt es sogar die Möglichkeit, indoor 20-Meter-Sprünge zu absolvieren. In Frankreich landeten die Kanadierinnen Molly Carlson (313,30) und Jessica Macaulay (300,55) auf den Rängen zwei und drei. Schmidbauer kann immerhin für alle Red-Bull-Springen planen: Sie ist heuer eine von acht Fixstarterinnen. Der nächste Wettkampf steigt am 14. August in Norwegens Hauptstadt Oslo.

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