Sebastian Rapp hat als Mathe-Lehrer bei seinen Schülern in der Corona-Zeit Kultstatus erreicht.
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Vektorenberechnung im Basketballdress: Sebastian Rapp hat als Mathe-Lehrer bei seinen Schülern in der Corona-Zeit Kultstatus erreicht.

Sebastian Rapp dreht als Lehrer Mathe-Clips in Sportausrüstung

Das Einmaleins des Basketballs

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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In der Basketball-Szene in der Region ist Sebastian Rapp bestens bekannt. Beim TSV Weilheim und Beim ESV Staffelsee gehörte er zu den besten Scorern. Als Lehrer hat er nun Kultstatus erlangt - mit besonderen Lehrvideos.

Weilheim – Bei Sebastian Rapp hätte sich niemand gewundert, wenn seine Karriere ewig weiter vor sich hingeplätschert hätte. Ruhig und stetig wie ein Fluss, bei dem auch niemand weiß, wie alt er eigentlich ist. Mit 30, als der Basketballer als Top-Scorer der 2. Regionalliga vom TSV Weilheim in seine Heimat Murnau zurück wechselte, sah er noch aus wie 20. Das ist zehn Jahre her, und ohne allzu charmant sein zu wollen – er hat sich in einer Dekade nur unwesentlich verändert.

Wenn der Basti, wie ihn alle nennen, gelegentlich noch das Basketballfeld betritt, nur mehr zur Gaudi, mit seinen früheren Teamkollegen beim ESV Staffelsee, staunen die, was er noch drauf hat. An manchen Tagen, das ist nicht übertrieben, ist er immer noch der beste Basketballer einer ordentlichen Bayernliga-Mannschaft. Wahrscheinlich würde er dort immer noch auflaufen, immer noch am meisten punkten, immer noch die Riesen ärgern mit seinen verflixten Tricks und Finten. Aber so wenig das Alter sein Äußeres bislang berührt, so sehr nagt es am Knie. Seit Jahren wehrt er sich gegen eine Patellasehnen-Entzündung. Was er auch versucht, er wird sie nicht los. „Die Kosten meiner Karriere muss ich jetzt zahlen“, sagt der 39-Jährige. Andere in seinem Alter würden einfach aufhören. Rapp aber stellt klar: „Sag niemals nie.“

Er hätte Lust auf ein neues Projekt mit alten Kameraden aus Weilheim und Murnau. Auf eine Ü40-Mannschaft, wie sie sein früherer Teamkollege Christian März schon vor Jahren in Rosenheim aufgebaut hat. „Würde mich reizen“, sagt er. Sie haben solch ein Konglomerat bereits angestoßen. Dann schlich sich Corona heran und kassierte sämtliche Pläne ein. Im Fußball haben die Murnauer ähnliches vorgehabt für den Herbst 2020: eine Alte-Herren-Mannschaft mit allen, die in und um Murnau in den vergangenen 20 Jahren gekickt haben. „Wenn das zusammen kommt, spiele ich“, sagt Rapp, der früher für den ASV Habach bis in die Kreisliga hinauf gekickt hat. Die Bünde nach Habach sind nie gerissen. Dort schenken sie etwa noch immer das Weißbier aus, das seine Frau Victoria braut. Fußball spielt Rapp heute noch aktiv, weil er dabei nicht so viel springen muss. Diese ganzen Luftkämpfe in der Basketball-Regionalliga haben seine Gelenke abgenutzt. Das war nicht zu vermeiden bei nur etwas mehr als 1,80 Meter Körpergröße.

Die aktive Laufbahn ist beendet: Sebastian Rapp wünscht sich aber, dass beim ESV Staffelsee eine Ü40-Mannschaft entsteht.

Doch Rapp hat einen Schleichweg gefunden, der ihn zurück zum Basketball geführt hat, wenn auch nicht mehr aufs Feld. Er macht einfach alles andere drumherum. Mittlerweile trainiert er die U16-Mannschaft, beaufsichtigt den männlichen Nachwuchsbereich als Sportlicher Leiter und koordiniert die Hallen wie Trainingszeiten im ESV-Vorstand. „Ich hab’ nie gedacht, dass das so ein großes Amt wird.“ Doch mit Corona und sämtlichen kausalen Wirrungen telefoniert er plötzlich mehr mit Behörden und Funktionären, als er Kinder betreut. „Wenn die dadurch trainieren können, mache ich das gerne.“ Möglicherweise erlebt man ihn in den nächsten Jahren auch bei einem Senioren-Team als Coach, er schließt das nicht aus.

Doch im Moment sehe er sich im Jugendbereich, auch weil seine beiden Kinder Levin (9) und Lilly (7) gerade das Basketballspielen lernen. Wobei die Eltern auf eine vielseitige Ausbildung achten. Sie unterscheiden sich da nicht vom Papa, der in seiner Jugend praktisch alles durchprobiert hat. So ist das nun auch bei den Kleinen: Auf dem Sportplatz in Murnau, der nur ein paar hundert Meter von daheim entfernt ist, spielen sie Fußball, Basketball, Football oder Baseball, die Lilly zieht’s zudem „brutal zum Wasser hin“. Sehr streng gehe er mit ihnen um. „Ich kann es nicht abstellen, dass ich Lehrer bin“, gesteht er.

Am Staffelsee-Gymnasium, seiner beruflichen Heimat, hat er in der Viruskrise Kultstatus erlangt. Er drehte für seine Schüler Mathe-Clips in Sport-Ausrüstung, assistierte seinem Vater Michael Rapp, Englischlehrer und Altbürgermeister, als tollpatschiger Sprachanfänger in dessen Lehrvideos. Dafür gab’s zwar keinen Comedy-Preis, allerdings „sehr, sehr viel positives Feedback“. Der Name Rapp steht seit Jahren ganz oben auf den Wunschlisten der Elftklässler, die auf einen Mathelehrer hoffen, der sie zuverlässig zum Abitur begleitet. „Man muss mit gutem Beispiel voran gehen“, findet der Murnauer. Und so produziert er immer mehr Lehrvideos, die er in sämtlichen Klassenstufen anbietet. „Ich habe das Gefühl, das kommt gut an.“

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