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Gut gelaunt auf den Gipfel: Silvia und Dieter Spitzl aus Bernried, hier bei ihrer zweiten Auffahrt von Malaucène aus. Für das Foto haben beide ihre Helme extra abgenommen.
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Stempelkarte als Beweis: Um die Fahrt zu dokumentieren, müssen die Radsportler am Startpunkt und am Gipfel in Geschäften eine spezielle Karte abstempeln lassen.
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Guter Aussichtspunkt: Silvia und Dieter Spitzl am Gipfel, von dem aus bei gutem Wetter sowohl die Alpen als auch die Pyrenäen und das Mittelmeer zu sehen sind.

Dreimal an einem Tag gefahren

Verrückte Tour am Mont Ventoux

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Silvia und Dieter Spitzl aus Bernried  haben etwas außergewöhnliches geschafft.   Sie bezwangen den Mont Ventoux binnen eines Tages auf  drei verschiedenen Strecken.

Bernried – Als „verrückt“ möchten wohl nur die wenigsten bezeichnet werden. Silvia (57) und Dieter Spitzl (59) sind sogar stolz drauf, dass sie nun ganz offiziell einer Vereinigung von Irren angehören. Das Ehepaar aus Bernried hat es in den „Club des Cinglés du Mont Ventoux“. (dt.: Club der Verrückten des Mount Ventoux) geschafft. Um Eingang in diesen besonderen Zirkel zu erlangen, muss ein Radsportler den berühmt-berüchtigten Mount Ventoux in der französischen Provence dreimal an einem Tag bezwingen. Und dabei muss auf jeder der drei Strecken gefahren werden. Die Spitzls schafften dies in ihrem jüngsten Urlaub.

Selbst für ambitionierte Radfahrer ist diese Trias auf den „Giganten der Provence“ hinauf eine echte Herausforderung. Immerhin sind dabei insgesamt 137 Kilometer und 4400 Höhenmeter zu absolvieren. Was die Auffahrt so schwierig macht, sind die klimatischen Bedingungen. Temperaturen bis an die 40 Grad und die oft stürmischen Winde des Mistral machen es den Radlern alles andere als einfach. Apropos Wind: Sein heutiger Name leitet sich wahrscheinlich von „Mons Ventosus“ (Lateinisch für „Windiger Berg“) ab.

Silvia und Dieter Spitzl kannten den Mont Ventoux schon gut. So gut wie jedes Jahr verbringen die Bernrieder einen Rennrad-Urlaub in Südfrankreich. Und dabei hat der charakteristische Berg „uns immer wieder angezogen“, so Silvia Spitzl. Elfmal schon packten sie die Auffahrt über eine der Strecken. Im Vorjahr wurden die Bernrieder schließlich auf den „Klub der Verrückten“ aufmerksam. Der Gedanke an die Herausforderung, die Touren an einem Tag zu absolvieren, „ließ uns nicht mehr los“.

Heuer wollten es die Bernrieder dann wissen. Im Frühjahr meldeten sie sich dafür online beim „Club des Cinglés du Mont Ventoux“ an, den es seit 1988 gibt. Um die Fahrt zu dokumentieren, erhalten die Radler Stempelkarten, die sie in den Orten im Tal und auf dem (touristisch erschlossenen) Gipfel abstempeln lassen müssen. Den Tag, den dem die Tour stattfinden soll, können die angehenden Verrückten selbst wählen.

Eine Kaffeepause musste sein

Zu Beginn des Urlaubs sagte der Wetterbericht für die Provence bis zu 37 Grad voraus. „Das war für unser Vorhaben dann doch zu heiß“, so Silvia Spitzl. Die beiden Ausdauersportler (im Winter sind sie gern auf Langlaufskiern unterwegs) machten sich daher zunächst in die französischen Alpen auf und nahmen Pässe und Bergstraßen in Angriff, auf denen regelmäßig die Tour-de-France-Fahrer unterwegs sind. Dazu gehörten Alpe d’Huez, Col de la Sarenne, Col du Glandon, Col d’Izoard und Col d’Agnel. Als das Wetter in den Alpen zu unbeständig wurde und vorhergesagt wurde, dass in der Provence „nur“ mehr 32 Grad herrschen würden, machten sich Silvia und Dieter Spitzl zum Mont Ventoux auf.

Letztlich lag nur ein Tag Pause zwischen einer Tour auf den Col de la Bonette (mit 2802 Metern eine der höchsten Pass-Straßen der Alpen) und dem Trip auf den Mont Ventoux. „Das war zwar nicht die optimale Vorbereitung, wir wollten es aber trotzdem versuchen“, berichtete Silvia Spitzl.

Um 6 Uhr in der Früh starteten die beiden in das große Abenteuer. In einer Bäckerei in Bèdoin ließ das Ehepaar seine Karten abstempeln und wurde mit einem freundlichen „bon courage“ (viel Glück) auf die Reise geschickt. Die Auffahrt von Bèdoin gilt als die schwierigste, verlief aber „sehr angenehm, da die Temperaturen nicht über 17 Grad hinaus gingen“, berichtete die 57-Jährige. Anders als so oft waren keine anderen Rennradfahrer unterwegs. Auf dem Asphalt waren noch die Pinseleien der Tour-de-France-Fans vom vergangenen Jahr zu entziffern. Damals gewann der Belgier Thomas De Gendt am Mont Ventoux auf einer sturmbedingt verkürzten Etappe. „Wir hatten allerdings ideale Bedingungen, also auch keinen Wind am Gipfel“, so Silvia Spitzl.

Nach der Abfahrt „und einer Kaffeepause mit Croissant“ nahm das Ehepaar den Anstieg von Malaucène in Angriff. Diese Auffahrt ist laut Silvia Spitzl „nicht so gleichmäßig steil wie die Auffahrt von Bédoin, allerdings hat sie teilweise steile Rampen, in die nun schon die Sonne schien“. Vor allem auf der ein Kilometer langen steilen Rampe vor dem Mont Serain hieß es in der prallen Sonne durchhalten. Die Abfahrt nach Sault, dem Start der dritten Strecke, „war wunderschön“, so Silvia Spitzl. Denn die Straße führt im letzten Abschnitt durch Lavendelfelder, die eine herrliche Farbe hatten und den charakteristischen Duft verströmten. Der Weg von Sault hinauf „ist sanft, aber der Sonne ausgesetzt“, so die Bernriederin. Am Chalet Reynard mündet die Straße in die Auffahrt von Bédoin – die letzten zwei Kilometer sind also noch einmal ordentlich steil mit Spitzen bis zu 14 Prozent.

„Insgesamt fiel uns unsere große Fahrt leichter, als wir dachten – und es war ein echtes Highlight“, berichtete Silvia Spitzl. Für die 137 Kilometer und 4400 Höhenmeter zeigte der Tacho knapp achteinhalb Stunden reine Fahrtzeit an. „Glücklich rollten wir die zwölf Kilometer von Bèdoin zu unserem Campingplatz zurück“, so Silvia Spitzl. Wieder in Bernried angekommen, schickte das Ehepaar seine Stempelkarten nach Frankreich. Online sind die beiden schon im „Klub der Verrückten“ zu finden. „Wir warten nur noch auf unsere Urkunde.“

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