Spendenaktion: Gerhard und Tina Steinl mit Ulrich Schwab, Sandra Blank sowie Robert Reining von Xylem.
+
Spendenaktion: Mit ihrer Tour sammelten Gerhard und Tina Steinl auch Geld für das weltweite Xylem-Watermark-Projekt. Die Aktion, bei der letztlich 2200 Euro zusammenkamen, wurde von (v.l.) Ulrich Schwab, Sandra Blank sowie Robert Reining ermöglicht und organisiert. Mit dem Geld wird ein Wasserturm in Indien gebaut.

RAD: Race across Germany

1100 Kilometer in 41 Stunden: Tina und Gerhard Steinl schaffen Monstertour

  • Paul Hopp
    VonPaul Hopp
    schließen

Das „Race across Germany“ ist eine Herausforderung: Nonstop geht es für Rennradler durch Deutschland. Tina und Gerhard Steinl haben die Tour in 41 Stunden geschafft - und dabei Geld für einen guten Zweck gesammelt.

Weilheim – Als wahrer Gentleman wollte Gerhard Steinl seiner Ehefrau ein Finale im nächtlichen Dauerregen ersparen. So ließ er den geplanten letzten Stabwechsel nahe Weilheim platzen und fuhr einfach in Richtung Süden weiter. Doch ganz kam er damit nicht durch, schließlich ist Tina Steinl eine echte Racerin. Sie stieg trotz des schlechten Wetters nochmal aufs Rad – und gemeinsam absolvierten die Deutenhausener die letzten zehn Kilometer beim „Race across Germany“.

Von Flensburg bis nach Garmisch-Partenkirchen ging die Nonstop-Reise. Auf den 1100 Kilometern waren 7500 Höhenmeter zu überwinden – eine echte Monstertour. Das Zeitlimit für Zweier-Teams hielten Tina und Gerhard Steinl locker ein. Nach 41:15 Stunden hatten sie den Zielpunkt erreicht. Auf den letzten paar hundert Metern hatten die Veranstalter noch eine kleine Gemeinheit eingebaut. Denn die Ziellinie lag nicht einfach am Auslauf des Skisprungstadions, sondern oben am Schanzentisch. Das hieß, dass ganz am Schluss ein 14-Prozent-Anstieg zu bewältigen war. Doch auch den schafften Tina und Gerhard Steinl – um kurz nach 2 Uhr kamen sie an. Vor den beiden waren lediglich zwei andere Teams und zwei Solofahrer eingetroffen. „Wir waren selbst überrascht, als wir das erfuhren“, teilte das Duo mit. In der Zweier-Mixed-Wertung belegten die Steinls hinter Steffi und Gerry Steinberg (39:26) den zweiten Platz.

Für guten Zweck geradelt

Tina und Gerhard Steinl absolvierten das Race across Germany auch für einen guten Zweck – und zwar im Zuge des Projekts „Cycling for water“. Denn sie halfen damit der Watermark-Spendenaktion, die Sandra Blank am Weilheimer Standort der Xylem Analytics Germany GmbH mit organisiert hatte. Ziel ist die Errichtung eines Wasserturms, mit dem Menschen in Südasien ihre Trinkwasserversorgung sicherstellen können. Pro geradeltem Kilometer spendete die Xylem GmbH zwei Euro. Da die Steinls die komplette Distanz absolvierten, kamen 2200 Euro zusammen. Die Belegschaft an allen Xylem-Standorten Deutschlands stimmte danach ab, in welchem Land der Aqua-Tower gebaut werden soll. Die Mehrheit entschied sich für Indien. Das Projekt wurde letztlich von den Siteleadern Robert Reining (Standort Mainz) und Ulrich Schwab (Standort Weilheim) ermöglicht.

Die Deutenhausener, die heuer schon in Österreich ein Ultrarennen bestritten hatten, waren überglücklich. „Es gab keine technischen Ausfälle, nicht mal einen Platten. Und die Begleitcrew hat uns sicher durch ganz Deutschland begleitet“, so das Ehepaar. Dass die Tour von Nord nach Süd kein Kinderspiel ist, zeigt folgender Umstand: Von 85 Startern kam ein Drittel nicht ins Ziel.

In ihr Abenteuer starteten die beiden Radsportler um exakt 9 Uhr an der Hafenspitze in Flensburg. Die Bedingungen waren bei 20 Grad Celsius und trockenem Wetter ideal. Tina und Gerhard Steinl hatten sich vorgenommen, sich alle 50 Kilometer abzuwechseln. Pro Stint waren zwei Stunden kalkuliert. Das Duo wollte es eigenem Bekunden nach „nicht zu schnell angehen“. Doch beide sind eben auch Wettkämpfer. So kam es, dass sie die ersten 400 Kilometer mit einem Durchschnittstempo von über 30 km/h absolvierten.

Finish im Dunklen: Gerhard und Tina Steinl unmittelbar nach der Ankunft an der Skischanze in Garmisch-Partenkirchen nach 41:15 Stunden Nonstop-Fahrt.

Die Strecke führte von Flensburg über Kiel, Hamburg und Uelzen an Salzgitter und Göttingen vorbei. Als die erste Nacht hereinbrach ging es durch den Harz. „Und spätestens da war Schluss mit lustig“, berichtete Gerhard Steinl (Jg. 1967). Es wurde immer hügeliger, kälter und auch nebliger. Mit dem Pacecar im Rücken, in dem Robert Eßer und Sven Schneider saßen, hatten die Steinls eine verlässliche Unterstützung. Dennoch „wurde die Nacht für uns beide sehr hart“.

Race across Germany

Das Race across Germany ist ein vom Unterfranken Dieter Göpfert organisiertes Radrennen, an dem sowohl Einzelfahrer als auch Teams unterschiedlicher Stärke teilnehmen können. Gefahren wird nonstop, es gilt ein je nach Konkurrenz unterschiedliches Zeitlimit. Erstmals ausgetragen wurde das Rennen 1999, wegen Corona fiel es 2020 aus. Das Race gehört zum Kalender der World Ultracycling Association und ist eine Möglichkeit, sich fürs bekannteste Event dieser Art, das Race across America, zu qualifizieren. Mittlerweile gibt es beim Race across Germany zwei Strecken: eine von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen (1100 Kilometer/7500 Höhenmeter) und eine von Aachen nach Görlitz (780 Kilometer/7800 Höhenmeter).

Der dämmernde Morgen sorgte für eine mentale Aufhellung, die Strecke an der hessisch-thüringischen Grenze entlang blieb aber anspruchsvoll. Kurz vor Fladungen überquerte das „Team Orbea Germany“ die bayerische Grenze. Bis kurz vor Augsburg „war es ein permanentes Auf und Ab“, so Gerhard Steinl. „Das hat fürchterlich Kräfte gekostet.“ Um sich abzulenken, versuchten er und Tina Steinl (Jg. 1971), die Ausblicke in die vorbeiziehende Landschaft und einzelne Momente zu genießen. Ein wichtiger Aspekt war die Verpflegung. „Ein Defizit endet in der Regel fatal und führt zum Abbruch solch’ eines Wettkampfs“, so der Deutenhausener.

Die Wetterprognosen sahen mit Blickrichtung nach Süden eher düster aus. Als Gerhard Steinl bei Augsburg aufs Rad stieg, setzte Dauerregen und Wind aus Süden ein. Binnen fünf Minuten war er komplett nass. Angesichts der widrigen Bedingungen wollte er seiner Frau eine letzte Etappe mitten in der Nacht „nicht mehr antun“. Am Ende ließ sie sich aber nicht abhalten und stieg noch aufs Rad. Das Ganze habe nur funktioniert, „weil wir im Team super harmoniert haben“, so Gerhard Steinl mit Blick auf seine Frau und die Betreuer.

Weilheim-Penzberg-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Weilheim-Penzberg-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Weilheim und Penzberg – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare