Erik Lindenthal beim Kiten mit einem Snowboard auf der Nordseite des Hohen Peißenberg.
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Gefahren wird quer zur Luftströmung: Erik Lindenthal beim Kiten mit einem Snowboard (manche benutzen auch Skier) auf der Nordseite des Hohen Peißenberg.

KITESURFEr aus Fischen

Erik Lindenthal ist fasziniert vom Spiel mit dem Wind

  • Paul Hopp
    vonPaul Hopp
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Geschlossene Liftanlagen sind für Erik Lindenthal noch lange kein Grund, aufs Snowboardfahren verzichten zu müssen. Der 34-Jährige nutzt einfach seine Kite-Ausrüstung, mit der er ansonsten im Sommer auf Seen unterwegs ist.

Pähl – Geschlossene Liftanlagen sind für Erik Lindenthal noch lange kein Grund, aufs Snowboardfahren verzichten zu müssen. Der 34-Jährige nutzt einfach seine Kite-Ausrüstung, mit der er ansonsten im Sommer auf Seen unterwegs ist. Wenn es die Schneelage und die Winderverhältnisse zulassen, dann ist er im Schnitt bis zu fünfmal im Winter als Snowkiter in Aktion. Jüngst war er zusammen mit einem Freund auf der Nordseite des Hohen Peißenbergs unterwegs und flitzte dort gekonnt über die Ebene.

Lindenthal benutzt einen Tubekite. Der hat mehrere Luftkammern, die es vor dem Start aufzupumpen gilt. Diese Art Lenkdrachen wird vornehmlich auf dem Wasser verwendet. Der Wind muss etwa mit zwölf Knoten (das sind rund 22 km/h) mindestens blasen, damit so ein Tubekite einen Snowboardfahrer anständig ziehen kann. Richtig gut läuft es ab 20 Knoten (entspricht 37 km/h). Je stärker der Wind bläst, umso kleinere und damit sportlichere Kites kann man verwenden, erklärt Lindenthal. Der Kumpel, mit dem er am Hohen Peißenberg unterwegs war, hatte einen Softkite dabei – dieser ähnelt einem Gleitschirm und ist ab etwa acht Knoten (knapp 15 km/h) einsatzfähig.

Herrichten des Lenkdrachens: Erik Lindenthal benutzt einen Tubekite, der über Luftschläuche verfügt, die aufgepumpt werden müssen.

Den Kite-Sport betreibt Lindenthal, der aus der Nähe von Würzburg stammt, seit etwa zwölf Jahren. Die Initialzündung ergab sich bei einem gemeinsamen Urlaub mit den Eltern auf Rhodos: „Sie machten Kultur, ich machte einen Drei-Tage-Kurs im Kitesurfen“, sagt der Ingenieur, der in der Elektronik-Industrie beschäftigt ist, mit einem Schmunzeln. Der Sport faszinierte ihn so, dass er dabei blieb. Die Freundin, mit der er zusammen in Mitterfischen wohnt, hat vor zwei Jahren mit dem Kitesurfen begonnen.

Lindenthal hat auf Rhodos mit dem Kitesurfen begonnen

Eine klare Präferenz für Kiten im Sommer oder Winter hat Lindenthal nicht: „Beides hat was, beides ist cool.“ Seinen Top-Speed hat er noch nicht gemessen, aber klar ist: „Man kann richtig Gas geben.“ Profis, so steht es auf einer Homepage, erreichen mit Snowkites bei ordentlich Wind Geschwindigkeiten von über 80 km/h. Der Deutsche Felix Kersten schaffte 2018 auf Skiern mit einem Kite für eine Sekunde ein Maximum von 150 km/h. Die „International Kiteboarding Association“ veranstaltet Weltcups im Sommer und Winter – und zwar in den Disziplinen „Course Racing“ (vergleichbar mit einer Segel-Regatta), „Freestyle“ (Tricks werden geziegt und bewertet), „Wave“ (wie Wellenreiten mit dem Surfbrett), „Slalom“ und „Speed“. Ein Extrem-Wettbewerb ist das „Varanger Arctic Kite Enduro“ in Norwegen: Bei diesem Langdistanz-Rennen auf Schnee sind die Teilnehmer fünf Tage lang unterwegs. Die direkte Route beträgt „nur“ 200 Kilometer, aber je nach Wind und Bodenbeschaffenheit kann der tatsächlich zu fahrende Weg doppelt so lang sein.

Erik Lindenthal beim Snow-Kiten auf der Nordseite des Hohen Peißenbergs.

Wettkämpfe bestreitet Erik Lindenthal keine. Für ihn ist Kitesurfen und Snowkiten einfach ein schönes Hobby. Die Urlaube, so erzählt er, werden allerdings schon danach geplant, ob es auch Möglichkeiten zum Kiten gibt. Im vorigen Jahr, bevor Corona weltweit so richtig zuschlug, reiste er mit der Freundin nach Kenia und war dort im Meer kiten. In der Heimat sind der Ammersee und der Mandichosee bei Augsburg Anlaufpunkte. Der Reschensee ist sommers wie winters ein Mekka der Szene. In der kalten Jahreszeit ist zudem ein Areal am Achensee beliebt; die dortige Topographie sorgt für einen regelrechten Windkanaleffekt.

Vor allem im Wasser müssen Kitesurfer diverse Bestimmungen beachten, sagt Lindenthal. Da gibt es die Vorfahrtsregeln, die zwischen den Verkehrsteilnehmern auf dem Wasser gelten. Darüber hinaus müssen, wie am südlichen Amnmersee, Naturschutzbereiche beachtet werden. Das Kiten selbst ist auch nicht so einfach, das Spiel mit dem Wind und dem Lenkdrachen will gelernt sein. „Es dauert ein paar Tage, bis man allein fahren kann“, sagt Lindenthal. Beim Starten braucht ein Kitesurfer ziemlich Platz, der ist an den Einstiegspunkten an hiesigen Seen spärlich vorhanden. Um sich nicht mit anderen ins Gehege zu kommen, „muss man schon aufpassen“, sagt Lindenthal.

Ein Kurs, so heißt es, ist in Deutschland zwar rechtlich keine Pflicht, aber doch empfehlenswert. An diversen Kite-Revieren sind Lizenzen vorzuweisen, um ins Wasser zu dürfen. Im Schnee ist es einfacher. Wer nicht lenken kann und abgetrieben wird, „kann ja zurücklaufen“, so Lindenthal.

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