So könnte der Spielbetrieb im Herren-Bereich bis Juni 2021 aussehen.
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So könnte der Spielbetrieb im Herren-Bereich bis Juni 2021 aussehen.

Weilheimer Vereine gespalten über BfV-Beschlüsse

ASV Habach: „Saison zieht sich zu lang hin“

  • vonRoland Halmel
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Die Vereine aus dem Landkreis Weilheim bewerten die Entscheidung des BfV, die Saison 2019/20 bis Juni 2021 zu verlängern, unterschiedlich.

Landkreis – Eine Fußballsaison, die sich über drei Kalenderjahre erstreckt, gab es bisher noch nie. Der Beschluss des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), die derzeit unterbrochene Saison 2019/20 bis zum 30. Juni 2021 zu verlängern und gleichzeitig die Spielzeit 2020/21 zu streichen, sorgt nun für dieses Novum. Der Vorschlag, den Lösungsarbeitsgruppe (LAG) „Spielbetrieb Liga und Pokal Erwachsene“ erarbeitet hat, stößt bei den Vereinen in der Region auf unterschiedliche Resonanz.

FC Penzberg und SV Raisting mit Lösung einverstanden

„Unter den aktuellen Umständen ist es, denke ich, die richtige Entscheidung. So stehen die Vereine nicht unter Zeitdruck“, sagt Martin Wagner. Der Trainer des FC Penzberg kann sich mit der Lösung ohne Englische Wochen im restlichen Jahr 2020 und die dann die verbleibenden Spiele im Frühjahr zu absolvieren durchaus anfreunden. Ähnlich sieht es auch Johannes Franz vom Bezirksliga-Rivalen SV Raisting. „Angesichts der Tatsache, dass ja feststeht, dass die Saison fortgesetzt wird, finde ich das noch die beste Lösung.“ Auch Franz wäre von Englischen Wochen, um die Spieltage irgendwie unterzubringen, nicht angetan gewesen.

ASV Habach und SV Polling verweisen auf andere Landesverbände

Etwas kritischer sieht Jürgen Staiger, der Trainer des Kreisligisten ASV Habach, die Situation:„Für mich zieht sich die Saison zu lange hinaus. Ich wäre dafür gewesen die laufende Saison, wie in anderen Bundesländern auch, zu annullieren und im September einen neue zu beginnen. Aber letztendlich müssen wir jede Entscheidung akzeptieren“, so Staiger. Der Abbruchlösung hätte auch Robert Färber, Coach des Kreisligisten SV Polling, den Vorzug gegeben. „Das wäre die bessere Lösung gewesen. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass 16 von 18 Fußballverbänden in Deutschland die aktuelle Saison beendet haben“, so Färber mit Verweis auf die Entscheidung in anderen Bundesländern. Für ihn ist auch noch mehr als fraglich, ob im Herbst überhaupt gespielt werden kann: „Dann macht es überhaupt keinen Sinn, nach über einem Jahr Pause die Saison im Frühjahr 2021 zu beenden“, moniert Färber.

ASV Antdorf: Gleiche Kosten bei weniger Einnahmen

Ein Gegner der Fortsetzung ist auch Anton Panholzer, Vorsitzender des Kreisklassisten ASV Antdorf. Notgedrungen hat er sich wie viele andere mit der Entscheidung des Verbands abgefunden. Er sieht allerdings zusätzliche Probleme auf die Vereine zukommen: „Insgesamt sind es bis nächsten Sommer nur wenige Spiele, was den Fußballvereinen bei gleichen Kosten weniger Einnahmen bringt.“ Er rechnet mit finanziellen Problemen, die angesichts der aktuellen Corona-Durststrecke verstärkt auftreten könnten.

TSV Peiting fürchtet Wettbewerbsverzerrung

Der BFV will dem durch Zusatzwettbewerbe wie einen modifizierten Pokalwettbewerb oder aber auch einer Art Play-off-Runde begegnen. Fabian Melzer, Trainer des Kreisligisten TSV Peiting, führt indessen ein weiteres Argument gegen die Saisonverlängerung ins Feld. Im Frühjahr 2021 „sind dann nur noch ein paar Spiele zu machen“. Das bedeute vermutlich, „dass es für zwei Drittel der Mannschaften um nichts mehr geht.“ Dadurch befürchtet Melzer eine Wettbewerbsverzerrung, dem wie einigen seiner Kollegen die Skepsis anzumerken ist. „Momentan bin ich noch nicht so begeistert“, so Melzer.

„Die Entscheidung, weiter zu spielen, finde ich gut“, sagt Alex Sanktjohanser, Trainer des Kreisklassisten TSV Hohenpeißenberg. „Nur, dass es sich so lange hinzieht, nicht.“ Der TSV-Coach meldet Bedenken an: „Die Spieler für solche Extraspiele, bei denen es eigentlich um nichts geht, zu motivieren, dürfte schwer werden.“

SV Haunshofen: Entscheidung auf dem Platz

Eigentlich wäre es dem SV Haunshofen ganz gelegen gekommen, wenn die Saison abgebrochen worden und die aktuelle Tabelle in Sachen „Aufstieg“ und „Abstieg“ zu Rate gezogen worden wäre. Der Verein aus dem Wielenbacher Gemeindeteil belegt in der A-Klasse Rang eins: Damit wäre das Team von Trainer Korbinian Steigenberger jetzt Meister und Aufsteiger in die Kreisklasse. Doch so ticken sie in Haunshofen nicht: „Die Entscheidung auf dem Platz ist uns lieber“, sagt der Vereinsvorsitzende Georg Ginter. Dem restlichen Saisonverlauf sieht er gelassen entgegen: „Wir machen im Herbst sechs Spiele und im Frühjahr sechs Spiele. Das wird ganz entspannt. Und wenn wir Mitte April nächstes Jahr wieder anfangen, ist das auch für die Plätze gut.“ Wenn er da mal Recht hat.

Text: Roland Halmel

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