Beim Anlanden am Steg müssen die jungen Segler mehr als nur das Steuer im Griff haben.
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Sieht leicht aus, ist es aber nicht: Beim Anlanden am Steg müssen die jungen Segler mehr als nur das Steuer im Griff haben.

SEGELN: „Jugendwoche“ in Seeshaupt

FC-Segler legen Wert auf Vielfalt in der Flotte

  • Paul Hopp
    VonPaul Hopp
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Die „Jugendwoche“ der Segelabteilung im FC Seeshaupt soll Kinder und Jugendlichen den Segelsport nahebringen. Der Andrang auf die Teilnehmerplätze ist stets groß. Größer als sonst war heuer das Angebot an Bootsklassen, auf denen trainiert wurde.

Seeshaupt – Für das kleine Opti-Boot ist es noch ein gutes Stück bis hin zum Steg, doch der Trainer hat die Gefahr schon längst erkannt. „Du bist zu schnell“, ertönt aus dem Motorboot. „Fahr’ nochmal eine Halse.“ Der junge Segler dreht ab, fährt einen Kreis und versucht es erneut mit dem Anlanden. „Anluven“, ruft der Coach, als das Boot den Steg ansteuert. Doch auch dieses Mal passt es nicht, das Tempo ist zu hoch. Ein dritter Versuch ist nötig – dann ist es geschafft, das Manöver vorschriftsmäßig absolviert. Nun kann es zur Mittagspause gehen.

Die Trainer bei der „Jugendwoche“ der Segelabteilung im FC Seeshaupt (FCSS) legen Wert auf die Details. Schließlich sollen die Mädchen und Buben zwischen acht und 14 Jahren ja lernen, worauf es beim Segeln ankommt. Dafür muss manchmal eben ein Handgriff mehrfach wiederholt werden – aber dann sitzt er auch.

Die Plätze bei der FCSS-Jugendwoche waren wieder voll belegt

Das viertägige Angebot des FCSS zu Beginn der Sommerferien war auch heuer wieder ein echter Renner. 24 Plätze standen zur Verfügung, deutlich mehr Kinder und Jugendliche hatten Interesse bekundet. „Wir mussten einigen Externen absagen. Wir versuchen, sie im kommenden Jahr unterzubringen“, sagt Thomas Peter. Er ist Jugendwart im FCSS und als solcher für die Organisation der „Jugendwoche“ zuständig. Der Aufwand ist beträchtlich, aber er lohnt sich. Zwei Teilnehmer, die im Vorjahr als Gäste den Kurs absolvierten, versuchen sich mittlerweile an Regatten. Insgesamt hatte der Verein heuer 13 Zugänge, ein großer Teil rekrutiert sich aus der „Jugendwoche“.

Segeln in Formation: Das Foto zeigt eine Gruppe von Opti-Booten bei der Fahrt zum Heimathafen. Der Trainer (im Motorboot) hat alles im Blick.

Der Kurs richtet sich an Anfänger wie Fortgeschrittene gleichermaßen. Insgesamt fünf Trainer kümmern sich um die Youngster. Fünf, sechs Segler sind das Maximum dessen, was ein Coach auf dem Wasser adäquat betreuen kann. Die Begleitung erfolgt in Motorbooten – die müssen teils von anderen Klubs geliehen werden. Heuer kommen zwei Gefährte vom SVOS (Segelverein Oberland Seeshaupt). „In der Seeshaupter Bucht hilft man sich untereinander“, sagt Peter mit Blick auf die Nachbarn.

Abhängig von ihrem Können sind die Teilnehmer in Gruppen eingeteilt. Viel Zeit verbringen die Mädchen und Buben auf dem Wasser, aber auch Theorie steht auf dem Programm. Welche Knoten sind wichtig? Welche Bedeutung haben die Flaggen? Was gilt bei Regatten? Wer muss wem Vorfahrt gewähren? Solche und weitere Dinge bekommen die jungen Segler vermittelt. Am Ende haben die Teilnehmer die Möglichkeit, die Prüfung zum Jugendsegelschein abzulegen. Dies ist ein Nachweis, „dass jemand grundlegende seglerische Fähigkeiten besitzt“, erklärt Peter.

Es gibt keine Handbremse.

FCSS-Jugendwart Thomas Peter über die Besonderheit, ein Segelschiff zu lenken und an einem Steg anzulegen.

Damit die Kinder eine gute Zeit haben, legt sich der Jugendwart zusammen mit diversen Helfern aus dem Verein ordentlich ins Zeug. Es gibt jeden Tag ein Mittagessen, am Ende bekommt jede und jeder ein T-Shirt. Eine besondere – von Peter initiierte – Aktion ist der „Dickschiff-Nachmittag“: Da stellen Bootsbesitzer ihre Kielschiffe zur Verfügung, damit die Kinder diese Art Schiffe und das Segeln damit kennenlernen können. Heuer, so der Jugendwart, standen erstmals auch Katamarane zur Verfügung. Apropos Boote: In diesem Jahr hat der FCSS sein Angebot bei der „Jugendwoche“ erweitert. So trainierten die Teilnehmer nicht nur mit dem Opti und dem Laser (beides Einmannboote), sondern auch mit dem 420er und 470er. Beides sind Jollen, bei denen zwei Segler (Vorschoter und Steuermann) im Einsatz sind. Im Vergleich zu den kleinen Einmannbooten „ist das ein anderes Segeln“, sagt Peter.

Unterricht auf dem Wasser: Finn Kenter (im Motorboot) gibt der Besatzung im 470er-Boot Tipps.

Einer derjenigen, der die Jungen in die Geheimnisse von 420er und 470er einweihte, ist Finn Kenter. Der 20-Jährige ist regelmäßig bei großen, ja auch internationalen Regatten am Start. Unlängst belegte er bei der dänischen Meisterschaft mit dem H-Boot den zehnten Rang. Am kommenden Wochenende wird er im Team des Bodensee-Yacht-Clubs Überlingen in Berlin einen Wettkampf der 1. Bundesliga bestreiten. Für die „Jugendwoche“ hat der Student sich extra Zeit genommen. Aus seiner H-Boot-Crew hat er Philipp Frieß mitgebracht. „Beide haben eine didaktische Ader“, lobt Jugendwart Peter – sie können also dem Nachwuchs gut Wissen vermitteln. Mit dem FCSS „fühle ich mich verbunden und so kann ich dem Verein auch etwas zurückgeben“, sagt Kenter.

Segeln links, Vorfahrt bringt’s.

Eine „Eselsbrücke“ für eine Ausweichregel, wenn sich die Kurse zweier Boote mit den Segeln auf unterschiedlichen Seiten kreuzen. 

Während er aus dem Motorboot auf den Steg steigt, bringen seine Schützlinge gerade mit vereinten Kräften das 420er-Schiff an Land. Auf dem Wasser hatte er davor mit ihnen das Trapez- und Spinnakersegeln geübt. Mit dem Regattasegeln „hat das noch nichts zu tun“, sagt Kentner mit einem Lächeln. Aber das muss es bei dem Kurs ja auch nicht. „Es geht darum, das Grundprinzip zu erklären.“ Mit seinen Schülern an diesem Vormittag war er vollauf zufrieden: „Die sind super.“

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