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Essen ist wichtig: Ulrike Greif bei einer Versorgungsstation nach etwa 90 Kilometern.

Trailrunning

Grenzerfahrungen im Chiemgau

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Landkreis - Ulrike Greif und Falk Engler wagten sich an die ultimative Herausforderung: Die Trailrunner nahmen beim „Chiemgauer 100“ den 100-Meilen-Wettbewerb in Angriff. Beide stießen dabei an ihre Grenzen.

 Für Ulrike Greif war nach dem Wettkampf klar: „Nein, ich tu’s nicht mehr.“ Doch die 42-Jährige ist auch eine ehrgeizige Sportlerin. Und deshalb fügte sie ihrem Satz schnell ein „zumindest erst einmal“ hinzu. Die 100 Meilen (entspricht 161 Kilometern) samt 7500 Höhenmetern sind für die Penzbergerin noch eine Nummer zu groß. Doch wirklich viel fehlte am Ende nicht. Greif entschied sich während des Wettbewerbs, die Strecke zu verkürzen, was beim „Chiemgauer 100“ möglich ist. So absolvierte sie die immer noch gewaltige 141-Kilometer-Strecke und kam nach 29:55:05 Stunden im Ziel in Ruhpolding an. Neben der Penzbergerin hatte nur eine weitere Frau, Katrin Zaglauer (Friedrichshafen/27:08:23), die Distanz geschafft.

Nur 40 Starter hatten für die 100 Meilen gemeldet. „Noch nie war ich so aufgeregt wie vor diesem Lauf“, berichtete Greif. Aufgrund der recht streng angelegten Cut-off-Zeiten (Zeiten, welche die Läufer an bestimmten Punkten gelaufen sein müssen), „war fraglich, ob ich die volle Distanz schaffe“, so Greif. Überdies „bin ich noch nie eine ganze Nacht durchgelaufen. Davor hatte ich Riesen-Respekt.“

Und los geht's: Um 14 Uhr nahm eine Gruppe mit Ulrike Greif (3.v.r.)  aus Penzberg und Falk Engler (r.)  aus Huglfing die 100 Meilen in Angriff.

Als Greif rund 44 Kilometer gelaufen war, brach die Dunkelheit herein. Doch Überraschung: „Mir hat es sogar gefallen, durch die Dunkelheit zu laufen.“ Unangenehm waren lediglich Magenprobleme, die Greif gegen Ende der Nacht hin zu schaffen machten. Um fünf Uhr morgens war die Penzbergerin wieder am Ausgangspunkt in Ruhpolding angekommen, um die zweite Runde in Angriff zu nehmen. 90 Kilometer und rund 3300 Höhenmeter hatte sie da hinter sich gebracht – und war bester Dinge. Bei Kilometer 100 jedoch „kam der totale Einbruch“, berichtete Greif. Kurz nickte sie sogar während des Gehens ein. Der Aufstieg auf die Hörndlwand „war für mich die Hölle“, sagte die Penzbergerin. Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass sie die 100 Meilen nicht in der vorgegebenen Zeit schaffen würde. Als Läuferin hatte Greif einen solchen Moment noch nie erlebt. Zum Glück kam ein steiler, schmieriger Abstieg. „Da musste ich mich so konzentrieren, dass ich vergessen habe, wie schlecht es mir geht“, so Greif. An der nächsten Versorgungsstelle wurde die Penzbergerin von rührigen Helfern aufgemuntert. Sie entschied sich nach einer längeren Pause schließlich dafür, nicht aufzugeben, sondern zumindest die 141 Kilometer zu absolvieren.

„Es war ein Erlebnis, eine Erfahrung, ein Kampf mit mir selbst“, sagte Greif. Im Prinzip sei der „Chiemgauer 100“ der schönste Lauf, was die Atmosphäre angeht. Am Start gibt es laut Greif „keine Wichtigtuer, keine Drängler, kein mit Mikro verstärktes Geplapper, kein sonst übliches ,Highway to hell‘“.

Ebenfalls eine starke Leistung, die allerdings nicht mit einem Eintrag in der Ergebnisliste belohnt wurde, lieferte Falk Engler ab. Der Ausdauersportler aus Huglfing, der für den DAV Weilheim startet, war knapp davor, die 100 Meilen zu schaffen, musste aber sieben Kilometer vor dem Ende abbrechen, weil er 20 Minuten über der erlaubten Zeit lag. „Mir hat wohl die Erfahrung gefehlt“, sagte Engler. Für ihn war – genau wie für Greif – die Teilnahme an 100 Meilen eine Premiere. „Es ist interessant, wie man da mit Schmerzen umgeht“, sagte Engler, der auf den ersten 80 Kilometer überhaupt keine Probleme hatte. Dass es knapp nicht zum Finish gereicht hat, sei „ärgerlich“ gewesen. Für ihn galt dennoch: „Es hat richtig Spaß gemacht. Vielleicht versuche ich es nächstes Jahr wieder.“

Das Penzberger Ehepaar Diana und Dieter Güntner nahm ebenfalls am „Chiemgauer 100“ teil. Diana Güntner lief die 80-Kilometer-Strecke und kam mit der Zeit von 14:15:12 Stunden zeitgleich mit Barbara Scham-Kirchknopf (SVO Lauftreff) als Erste ins Ziel. Dieter Güntner, der die 100 Meilen in den Vorjahren schon des Öfteren absolviert hatte, musste diesmal verkürzen. So lief er die 141 Kilometer und kam nach 26:55:05 Stunden als hervorragender Dritter unter acht Finishern an. Das Schlussstück lief Dieter Güntner gemeinsam mit Greif. Beide Athleten waren zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt ins Rennen gegangen.

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